Smartphones auf Rädern - so hat VW-Chef Herbert Diess moderne Autos genannt. Nicht von ungefähr: Sie sind zunehmend vernetzt, über Schnittstellen mit dem Internet, mit Satelliten und mit anderen Autos verbunden. Das soll es ihnen auch ermöglichen, schon bald komplett autonom zu fahren. Eine Entwicklung, an der auch die Versicherer beteiligt sind: So testet die R+V zum Beispiel autonom gesteuerte Kleinbusse in ihrem „Innovation Lab“.

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Die neue Technik bietet Chancen - und soll die Zahl der Unfälle reduzieren helfen, denn wenn es kracht, sind zumeist menschliche Fehler schuld. Dass autonome und vernetzte Fahrsysteme aber auch enorme Risiken bergen können, darauf macht aktuell der 8. Allianz Autotag aufmerksam. Und fordert gesamteuropäische Lösungen.

Immer mehr vernetzte Fahrzeuge

Die Zahl der vernetzten Fahrzeuge steige europaweit schnell an, so berichtet die Allianz in einem Pressetext: Laut einer Gapgemini-Prognose von 37 Millionen PKW in 2018 auf 110 Millionen bis 2023. Der Lebenszyklus eines Fahrzeuges erstrecke sich über einen langen Zeitraum, so gibt die Allianz zu bedenken: und rechnet hierbei ein, dass ein Automodell und seine Nachfolger entwickelt, produziert, genutzt und recycelt werden muss. Das umfasse eine Spanne von 20 bis 30 Jahren. Aus Sicht der IT-Technik eine halbe Ewigkeit: vor 20 Jahren gab es zum Beispiel Weltkonzerne wie Tesla und Facebook noch gar nicht.

Über diese lange Lebensspanne müsse aber die IT-Sicherheit gewährleistet sein, warnt Klaus Peter Röhler, Vorstand der Allianz SE und Vorstandschef der Allianz Deutschland. „Neben dem Logistik- und Energiesektor könnte das vernetzte Auto künftig eines der Hauptziele der IT-Kriminalität werden“, so der 55jährige.

Mehr als 100 erfolgreiche Hacker-Angriffe auf Autos

Die Gefahren eines Hackerangriffes können enorm sein. Übernimmt ein Hacker die Kontrolle über ein fremdes Auto, kann er bewusst Unfälle herbeiführen, das Fahrzeug stehlen oder den Fahrer erpressen. Sogar Terroranschläge sind denkbar, etwa wenn ein autonom fahrender LKW in eine Fußgängerzone gelenkt wird. Kein unrealistisches Szenario: Das israelische IT-Start-up Upstream Security zählte 2019 mehr als 100 gelungene Hacker-Angriffe auf Fahrzeuge. Ein Jahr zuvor waren es noch vier.

Das stellt auch die Kfz-Haftpflicht vor ungelöste Fragen. Bisher haftet in der Regel der Fahrzeughalter und dessen Versicherung, wenn Dritte bei einem Unfall geschädigt werden. Wie verhält es sich aber, wenn ein Hackerangriff einen Unfall verursacht hat? Liegt es doch auch in der Verantwortung der Fahrzeughersteller, ihre Systeme so sicher und aktuell zu halten, dass ein solcher gar nicht erst passieren kann.

“Automotive Security Information Center“

Die Allianz fordert eine europäische Lösung für Cybergefahren, an der sich branchenübergreifend Industrie und Versicherungswirtschaft beteiligen sollen: ein sogenanntes Automotive Security Information Center.

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„Wir haben es mit einer Bedrohung zu tun, die weder an Unternehmens- noch an Landesgrenzen haltmacht, und wir sind der Überzeugung, dass ein solches Center Daten und Kompetenzen verschiedener Institutionen zusammenführen muss, unter anderem Regierungsbehörden, Fahrzeughersteller, Automobilzulieferer, Telekommunikationsbetreiber, Forschungseinrichtungen, Reparaturbetriebe und Versicherer“, sagt Röhler.