Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht aller zwei Jahre die Studie ‚Renten auf einen Blick‘. Die diesjährigen Ergebnisse wurden am Mittwoch, den 08.12.2021, auf einer Online-Veranstaltung vorgestellt und diskutiert.

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Besonderer Schwerpunkt lag bei dieser Ausgabe der Studie auf der Frage, ob und inwieweit sich die Pandemie auf die Einkommen der Rentenbezieher ausgewirkt hat.

Die unter diesem Gesichtspunkt wichtigste Erkenntnis der Studie lautet: Die Einkommen der Rentner wurden geschützt. Die Pandemie wirke sich sowohl bei derzeitigen, als auch bei zukünftigen Rentnern kaum aus, so die OECD. So schreibt die Organisation: „Durch die Maßnahmen, mit denen die Regierungen der OECD-Länder die Krisenfolgen für den Arbeitsmarkt abgefedert haben, stützten sie außerdem auch zukünftige Renten.“

Das Instrument der Kurzarbeit und ihr Einsatz wurde ausdrücklich gelobt. Eine kleine Überraschung hielten die Studien-Ergebnisse dennoch bereit. Dr. Reinhold Thiede, Leiter des Geschäftsbereiches Forschung und Entwicklung, Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) dazu im Chat: „Das BIP ist in Deutschland - aufgrund der guten Wirtschafts-/Arbeitsmarktlage - stärker gestiegen als die Rentenausgaben. Deshalb sind die Rentenausgaben gemessen am BIP geringer geworden.“

Doch damit sind die ‚guten Nachrichten‘ auch schon erschöpft. Für Deutschland erwartet die OECD, dass der Bevölkerungsanteil der Personen im erwerbsfähigen Alter bis 2060 um 21 Prozent zurückgeht. Allein diese Zahl macht deutlich, vor welchen Herausforderungen das deutsche Umlagesystem steht.

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Immerhin hat die Ampel-Koalition bereits angekündigt, in der gesetzlichen Rente teilweise eine Kapitaldeckung einzuführen. Das soll mittels eines dauerhaften Fonds erfolgen, den eine „unabhängige öffentlich-rechtliche Stelle professionell verwaltet“ (Versicherungsbote berichtete).

Kapitalgedeckte Rente: „Spekulationen verbieten sich derzeit“

Aus Sicht von Axel Börsch-Supan, der als Rentenexperte ebenso wie Dr. Thiede zu der Online-Veranstaltung zugeschaltet war, ist das Vorhaben jedoch zu vage formuliert. Hinsichtlich der Kapitaldeckung sei der Koalitionsvertrag nicht interpretierbar, so der Ökonom. Spekulationen über die Ausgestaltung verbieten sich derzeit, sagte Börsch-Supan.

Grundsätzlich seien aber Mischformen zwischen Kapitaldeckung und Umlage sinnvoll, weil Risiken gestreut werden. Zudem würde die Verbindung beider Verfahren die Nachteile insgesamt reduzieren, statt sie zu verdoppeln.

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Wichtig sei, so Börsch-Supan, dass der Umbau besser vorbereitet werde als die Riester-Rente. Der Kostenfaktor sei bei der Riester-Rente „sträflich vernachlässigt“ worden, so Börsch-Supan. Bei diesem Punkt gab es Zustimmung von Dr. Thiede.

Der DRV-Funktionär legte allerdings Wert darauf, dass man bei der Bevölkerung nicht den Eindruck erwecken sollte, Riester sei gescheitert und nun würde eben die nächste Maßnahme eingeführt.

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