Zur Kfz-Wechselsaison 2019 hatte der Münchener Versicherungskonzern Allianz seinen neuen Direktversicherer an den Start gebracht. Dieser sollte unter anderem in Deutschland den Online-Versicherer AllSecur ablösen und künftig auf europäischer Ebene angreifen. Eine wichtige Grundlage für den neuen Anbieter sind international einheitliche Policen. Die Produkte sollen deutlich einfacher sein und problemlos online abgeschlossen werden können. Dafür braucht es aber eine einheitliche Software. Diese solle auch eine schnelle Schadensbearbeitung sicher stellen. So sollen 90 Prozent der Schäden innerhalb eines Tages beglichen werden.

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Dank des Vorgängers AllSecur gibt es bereits einen Bestand an Kunden. Deren Verträge werden in Deutschland und den Niederlanden seit Oktober unter der neuen Flagge weitergeführt. Eigentlich sollte der Ausbau in anderen europäischen Ländern schnell vorangetrieben werden. Um dies zu untermauern, hatte sich der Münchener Versicherungskonzern die Dienste von Usain Bolt gesichert. Der schnellste Mann der Welt ist seit Februar das neue Werbegesicht des europäischen Online-Versicherers Allianz Direct.

Doch ganz so schnell, wie der achtfache Olympiasieger, werden die Expansionspläne nicht umgesetzt werden können. Das liegt an der aktuell schwierigen Lage, die das Coronavirus verursacht hat. Da beispielsweise das Büro in Mailand geschlossen sei, werde der Start nach hinten geschoben. "Wir haben den Start von Allianz Direct in Italien aufgrund des Ausbruchs des Coronavirus von Mai auf Oktober verschoben.", sagt Bart Schlatmann, CEO von Allianz Direct, in einem Interview mit dem Nachrichtenportal "Bloomberg". Der Start in Spanien solle erst in 2021 erfolgen. Während in Italien dafür die Genialloyd verschwinden soll, werde in Spanien die Fenix Directo umfirmieren.

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In allen vier Ländern solle der Markt als erstes über die Autoversicherung erobert werden. Noch in diesem Jahr sollen Hausrat- sowie Haftpflichtpolicen hinzukommen. Später sollen auch weitere Märkte erschlossen werden. Konkret hat Schlatmann dabei Afrika im Blick. Der Ausbau auf viele Märkte macht durchaus Sinn. Schließlich könnten durch die einheitliche Plattform und Datenbasis die Kosten deutlich gesenkt werden. Denn für den Anfang rechnet der Konzern mit Verlusten. „Es ist normal, dass Allianz Direct in der Ausbauphase eine höhere Kostenquote hat“, sagte Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol im Rahmen der Vorstellung der Halbjahres-Zahlen 2019. Demnach ginge Terzariol davon aus, in den ersten zwei bis drei Jahren eher im roten Bereich zu wirtschaften. Die Schaden-Kosten-Quote dürfte bei 100 oder darüber liegen. Erst nach vier bis fünf Jahren sei ein Plus eingeplant.