Der Aufsichtsrat der Allianz fordert aktuell eine um zwanzig Prozent höhere Festvergütung. Das Gehaltsplus will sich das Aufsichtsgremium am 6. Mai bei der Hauptversammlung genehmigen lassen, so berichtet das „Handelsblatt“ am Montag und beruft sich auf einen entsprechenden Antrag auf der Tagesordnung des Versicherers. Im 12köpfigen Aufsichtsrat sitzen zur Hälfte Vertreter der Kapitaleigner und der Arbeitnehmer.

Anzeige

300.000 Euro Festvergütung + X

Chef des Aufsichtsrates ist Michael Diekmann, langjähriger Firmenlenker der Allianz. Seine jährliche Festvergütung würde von 250.000 Euro auf 300.000 Euro steigen, so hat das Handelsblatt errechnet. Die beiden Stellvertreter Jim Hagemann Snabe und Gabriele Burkhardt-Berg würden künftig 225.000 Euro statt 187.500 Euro erhalten: die weiteren neun Aufsichtsräte 150.000 Euro. Hinzu gesellen sich weitere Gehälter, wenn die Mitglieder auch in anderen Ausschüssen der Allianz tätig sind.

Dabei sind die Allianz-Vergütungen oft nicht die einzigen Einnahmen der Aufsichtsrats-Wächter: Mehrere sitzen in weiteren Gremien, oft sehr prominent. So ist Michael Diekmann aktuell auch im Aufsichtsrat von BASF, Siemens und Fresenius vertreten. Das machte ihn im Jahr 2018 zum Topverdiener aller DAX-Aufsichtsräte: seine Einkünfte aus Aufsichtsposten summierten sich auf 1,4 Millionen Euro, wie die Unternehmensberatung hkp Group errechnet hat (der Versicherungsbote berichtete).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Jim Hagemann Snabe. Er ist unter anderem Aufsichtsrats-Chef bei Siemens: allein diese Tätigkeit brachte ihm laut hkp 2018 eine Vergütung von 536.000 Euro ein. Der Manager wirkt zudem als Präsident des Verwaltungsrates beim dänischen Reederei- und Logistikgiganten Maersk - ein Weltkonzern mit knapp 80.000 Mitarbeitern. Beim dänischen Elektrohersteller Bang & Olufsen ist er ebenfalls Aufsichtsrats-Mitglied.

Die Postenhäufung in Aufsichtsräten wurde wiederholt kritisiert: Es besteht der Verdacht, dass die Sorgfalt darunter leidet und oft auch Machtnetzwerke darüber entscheiden, wer in eine solche Position kommt.

Anzeige

"Overboarding" nennt sich die Häufung von Posten und Mandaten. Die Politik hat das Problem erkannt, setzt aber auf Freiwilligkeit. Nach den Regeln des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), einem unverbindlichen Verhaltenskodex der Bundesregierung für börsennotierte Unternehmen, soll niemand mehr als fünf Aufsichtsratsmandate gleichzeitig haben, Chefposten doppelt gezählt.

Seite 1/2/