Bei der Frage, welchen Weg die Generali auch in Deutschland künftig gehen will, hilft manchmal ein Blick nach Bella Italia. In Triest ist der Hauptsitz des europäischen Versicherungs-Riesen, zugleich das Hirn und die Schaltzentrale. Und vieles, was künftig auch hierzulande umgesetzt wird, entwickelt sich vom Heimatmarkt des italienischen Versicherers aus.

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Von Italien aus zu globaler Partnerschaft

Umso mehr lässt nun ein Vorgang aufhorchen, der bisher nur zögerlich Eingang in die deutschen Fachmedien findet: Die Generali Italia hat eine strategische Partnerschaft mit Google Cloud unterzeichnet. Das berichten beide Unternehmen in einem gemeinsamen Pressetext. Bemerkenswert ist dies, weil sich beide nach eigenem Bekunden zusammentun, um voneinander zu profitieren. Die Generali verspricht sich neues Know-how in Sachen Datennutzung und Cloud-Technologie, Google Einblicke ins Versicherungsgeschäft. Als Ziel der Partnerschaft wird „die umfassende digitale Transformation der Generali sowie die Gründung eines gemeinsamen Innovationslabores“ genannt.

Durch die Zusammenarbeit sollen neue Lösungen entstehen, die es erlauben Versicherungen leichter über Smartphones und andere Endgeräte abzuschließen. Doch damit nicht genug. Eine gesamteuropäische Plattform ist für so ziemlich alle Aufgaben geplant, die bei einem Versicherungskonzern anfallen. Stichwort: Internet of Things. Online sollen künftig Produkte angeboten, Schäden abgewickelt und Services bereitgestellt werden. Die angestoßenen Projekte sind einschneidend: Ein bisschen hat es den Anschein, als wolle die Generali zum digitalen Versicherer werden.

Die Partnerschaft mit Google ist dabei nur ein Schritt hin zum Hightech-Versicherer. Die Generali Gruppe betreibt wie viele Wettbewerber seit Jahren eine offensive Digitalstrategie, arbeitet dabei auch mit Start-ups und IT-Häusern zusammen. Eine Milliarde Euro will Firmenchef Philippe Donnet allein von 2019 bis 2021 in sogenannte interne strategische Initiativen stecken, wie er auf dem Investorentag 2018 angekündigt hat. Das bedeutet vor allem: die Digitalisierung des Betriebsmodells und sämtlicher Vertriebswege (der Versicherungsbote berichtete).

Kooperiert aktuell die italienische Generali-Tochter mit Google, so soll es dabei nicht bleiben. Fabio Fregi, Manager von Google Cloud Italien, spricht von einer Partnerschaft, die von Italien aus auf globaler Ebene eingegangen werde. Auch der Pressetext gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Zusammenarbeit nicht auf den Heimatmarkt beschränkt bleibt. Darin heißt es, die neue Plattform werde nach erfolgreichem Start in Italien die "Abwicklung von Schadensfällen in ganz Europa beschleunigen“.

Gemeinsames Innovationslabor mit Google

Wie ernst es die beiden strategischen Partner miteinander meinen, zeigt sich daran, dass sie ein gemeinsames High-Tech-Labor für ihre Zusammenarbeit schaffen. Bereits seit einigen Jahren betreibt die Generali Italia bei ihrem Sitz in Mogliano Veneto einen sogenannten Innovation Park. Auf 5.000 Quadratmetern können sich hier Start-ups und IT-Tüftler unter den Flügeln des Löwen austoben. Nun sollen sich auch Experten von Google hinzugesellen, um gemeinsam mit Generali-Mitarbeitern an digitalen Lösungen zu basteln.

Drei Bereiche wollen Generali und Google dabei gemeinsam mittels Cloud-Technologie und Collaboration Tools bearbeiten:

  • Neue digitale Produkte und Dienstleistungen sollen entstehen, sowohl für das Privatkunden- als auch Firmenkundengeschäft. Diese sollen über mobile Endgeräte abschließbar sein. Doch damit nicht genug: Auch Schadenmeldungen und andere Services sollen digital erfolgen, wenn der Kunde oder die Kundin das wünscht.
  • eine paneuropäische Mobilitätsplattform für vernetzte Geräte und Dienste soll entstehen, die es auch erlaubt, Schäden mobil zu melden, zu regulieren und abzuwickeln. Hierfür wollen sich die beiden Partner sowohl dem maschinellen Lernen durch künstliche Intelligenz als auch der Cloud Technologie bedienen. Soll heißen: Der Versicherer nutzt persönliche Daten seiner Kundinnen und Kunden, um ihm passgenaue Dienste oder auch Versicherungen anzubieten. So soll die Kundenbindung erhöht werden. Die Plattform ist in Italien bereits freigeschaltet und soll in wenigen Monaten auch in Deutschland, Frankreich und Spanien nutzbar sein.
  • Die Vertriebskanäle der Generali sollen besser digital vernetzt werden: Auch eine bessere Vernetzung der Vertriebskanäle erhofft sich die Generali durch die digitale Cloud-Technologie: also von Versicherer, persönlichem Vertrieb und Direktvertrieb. Mitarbeiter der Generali sollen durch Google-Experten in Zukunftstechnologien geschult werden. Das betrifft etwa Arbeit mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, aber auch, wie persönliche Daten genutzt werden können, um die Kundenbindung zu erhöhen. Die Generali erwartet dadurch eine Zunahme an Schulungen und Trainingsprogrammen um 30 Prozent.

"Lebenspartner in wichtigen Momenten"

Dass die Generali von Google profitieren kann, steht außer Frage. Der Tech-Gigant aus dem Silicon Valley besitzt eine Vielzahl an persönlichen und hochsensiblen Daten, die er nutzt, um via Algorithmen den Kunden personale Dienstleistungen und Services anzubieten. Er trifft dabei auf einen Versicherer, der wie kaum ein zweiter auf dem europäischen Markt das "Pay-as-you-live"-Modell vorantreibt: Versicherungspolicen, bei denen der Kunde regelmäßig persönliche Daten zu seinem Lebenswandel von sich preisgibt, was Einfluss auf Services und Prämien hat.

Persönliche Daten bieten nicht nur die Möglichkeit, den Kunden gezielter anzusprechen. Sie erlauben es auch, die Idee der Versicherung neu zu definieren. Der Versicherer wird zu einer Art Trainer und Lebensbegleiter, der sich nicht erst einschaltet, nachdem ein Schadensfall eingetreten ist. Sport- und Ernährungsapps können zum Beispiel dem Versicherten dabei helfen, ein gesundheitsbewusstes Leben zu führen. Oder der Kunde wird daran erinnert, dass er eine Impfung auffrischen oder eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen sollte. "Aus Versicherung wird Verbesserung", heißt hierzu der deutsche Werbeslogan der Generali.

"Diese Partnerschaft treibt unseren strategischen Plan voran, ein Lebenspartner für den Menschen in allen wichtigen Momenten ihres Lebens zu sein: Familie, Gesundheit, Arbeit und Mobilität", kommentiert folglich Marco Sesena, Country Manager und CEO der Generali Italia, die Zusammenarbeit mit Google. Er hebt im Pressetext hervor, dass auch Kunden aus Einzelhandel und Gewerbe verstärkt von personalisierten Dienstleistungen profitieren sollen.

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Bei den angeschlossenen Vermittlern und Handelsvertretern hingegen könnte die neue Partnerschaft Ängste vor Kannibalisierungs-Effekten wecken. Zwar sollen sie auch von den technischen Tools und Plattformen profitieren, weshalb sie in deren Nutzung geschult werden. Aber durch die Partnerschaft sollen neue Policen entstehen, die einfach und schnell im Netz abgeschlossen werden können. Und letztendlich ist zu fragen, ob ein Datengigant wie Google irgendwann selbst das Versicherungsgeschäft betreiben kann: ohne Partner. Noch deutet vieles darauf hin, dass auch der Tech-Konzern auf externe Expertise angewiesen ist.