Die rund 8.000 Versicherten der Deutschen Steuerberater-Versicherung müssen sich auf höhere Beiträge und gekürzte Renten einstellen. Das geht aus einem Pressetext hervor, den die Pensionskasse am Freitag veröffentlicht hat. Demnach hat sich die finanzielle Notlage des Anbieter noch einmal deutlich verschärft, wie der vorläufige Jahresabschluss zeige, so berichtet der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Einschnitte drohen nun auch bei laufenden Renten, damit eine Insolvenz abgewendet werden kann.

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Eigenkapital ist alle

Bereits im Dezember 2018 hatte die Kasse einräumen müssen, dass sie bereits seit einem Jahr die Solvenzanforderungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nicht erfüllen kann. Mit anderen Worten: Der Versicherer verfügt nicht über genug Eigenkapital, um die Renten seiner Mitglieder auch langfristig zu garantieren. Vor allem steuerberatende Berufe können über die Einrichtung eine Betriebsrente vereinbaren: Berater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer (der Versicherungsbote berichtete).

Konkret hätte der Versicherungsverein Ende 2017 rund 39,7 Millionen Euro als Solvabilitätskapital vorweisen müssen, um die erforderliche SCR-Quote zu erfüllen. Der Anbieter verfügte aber nach damaligen Zahlen nur über knapp 22 Millionen Euro an Eigenmitteln. Das entsprach 55 Prozent der vorgeschriebenen Kapitalausstattung. Infolge der Probleme musste die Pensionskasse der BaFin einen Sanierungsplan vorlegen. Die Aufsichtsbehörde kann Anbieter in finanzieller Schräglage zwingen Maßnahmen zu ergreifen, um die Eigenmittel aufzustocken und Risiken abzufedern. Monatlich müssen die betroffenen Gesellschaften Bericht erstatten.

Die aktuellen Nachrichten sind mit Blick auf die Fortschritte wenig erfreulich, im Gegenteil. Denn es klafft ein weit tieferes Finanzloch bei dem Vorsorge-Anbieter als bisher bekannt. Auf satte 158 Millionen Euro beziffert die Pensionskasse der Steuerberater den Fehlbetrag im Entwurf des Jahresabschlusses für 2018: Diese Summe ist nicht durch Eigenkapital gedeckt. Der Fehlbetrag entspricht zirka 13 Prozent der notwendigen Deckungsrückstellung, berichtet die Pensionskasse. Wie groß die Lücke ist, wird deutlich, wenn man die Beitragseinnahmen dagegen hält. Ganze 24 Millionen Euro konnten 2017 als Bruttobeitrag eingesammelt werden.

Kasse muss mehr Rente zahlen als bisher angenommen

Was ist die Ursache für die verschärfte Lage? Stark vereinfacht hat die Kasse nun errechnet, dass sie weit höhere Pflichten gegenüber ihren Rentnern hat als bisher angenommen: Schuld seien die anwachsende Lebenserwartung und der dauerhafte Niedrigzins am Kapitalmarkt. Deshalb muss der Vorsorgeanbieter nun weit mehr Geld als Deckungsrückstellung vorhalten, um die Rentenzahlungen dauerhaft zu sichern. Das aber kann die Pensionskasse nicht, denn die Eigenmittel sind komplett aufgebraucht.

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"Die Verstärkung der Deckungsrückstellungen führt in dem Entwurf des Jahresabschlusses 2018 zu einem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von 158 Millionen Euro, was circa 13 Prozent der Deckungsrückstellung entspricht“, heißt es hierzu in einem Pressetext auf der Webseite des Anbieters. Und weiter: „Der zu erwartende Fehlbetrag führt zu einem vollständigen Verzehr der Eigenmittel mit der Konsequenz, dass die Deutsche Steuerberater-Versicherung die Mindestkapitalanforderung nicht mehr erfüllt“. Die Lage ist, mit anderen Worten, ziemlich prekär.