Wie stabil sind die deutschen Berufsunfähigkeitsversicherer? Eine wichtige Frage, sollen die Anbieter doch über viele Jahre hinweg eine Rente zahlen, wenn Kundinnen und Kunden ihre Arbeitskraft verlieren. Hierbei geht es um enorme Summen: Die Leistungs-Verpflichtungen der BU-Anbieter betrugen allein im Jahr 2019 rund 38,1 Milliarden Euro, so weiß der Branchenverband GDV zu berichten. Tendenz: seit Jahren stark steigend.

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Doch die Versicherer sind auch einem starken Wettbewerb ausgesetzt: und hier besteht die Gefahr, dass manch Anbieter knapp kalkuliert, um neue Kundinnen und Kunden mit günstigen Prämien zu locken. Diese Ausgangssituation nimmt der renommierte map-Report zum Anlass, die deutschen Anbieter mit einem BU-Stabilitätsrating auf Herz und Nieren zu testen. „Stabilität bedeutet auch Vertrauen. Im Umkehrschluss gefährdet Instabilität das Vertrauen. Also muss es gelingen, Stabilität statt Preis an die erste Stelle bei der Produktauswahl zu setzen“, kommentiert Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter bei Franke & Bornberg und Herausgeber des map-Reports. Die Studie ist auf der Webseite des Ratinghauses kostenpflichtig bestellbar.

“Ein gewisser Beigeschmack“

Reinhard Klages, Chefredakteur des map-Reports, erklärt im Pressetext, warum Stabilität so ein wichtiges Kriterium ist. Bereits in den Jahren 2010, 2015 und 2016 hat das Ratinghaus Franke & Bornberg die BU-Stabilität beleuchtet. Dabei stellten die Hannoveraner fest, dass sich schlecht kalkulierte Produkte nachteilig für den Kunden auswirken können. Denn es konnte festgestellt werden, „dass bereits in der Vergangenheit einige Versicherer die Überschüsse im BU-Bestand angepasst haben, Kunden also eine höhere Prämie zahlen mussten oder Leistungen eingebüßt haben. Auf das Neugeschäft sind diese Anpassungen in der Regel nicht durchgeschlagen, was einen gewissen Beigeschmack geben kann“, so Klages. Ausgehend von diesen Erfahrungen wurde eine Neuauflage dieser Stabilitätsratings erstellt, die in diesem Jahr in die zweite Runde geht.

Der aktuelle map-Report zeigt aber erneut, dass es mit Blick auf Transparenz der Versicherer noch Lücken gibt. Der map-Report hat seit Jahren damit zu kämpfen, dass nicht alle Anbieter bereit sind, Daten zur Verfügung zu stellen: unabhängig von der Sparte. 27 Gesellschaften erreichten nun eine Gesamtbewertung, während weitere 27 Anbieter nur zum Teil bewertet werden konnten. Der Grund auch hier: wesentliche Zahlen waren nicht zu haben.

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Weitere vier Anbieter partizipieren am BU-Unternehmensrating von Franke und Bornberg, sodass sie ausführlicher ausgewertet werden können, weil auch Bestands- und Controlling-Daten zur Verfügung stehen. Diese werden als Einzige mit der üblichen Systematik des Hannoveraner Ratinghauses benotet und erhielten -abweichend von den anderen Versicherern- eine F-Note. Die vier Versicherer erzielten hierbei die Höchstbewertung FFF+: es handelt sich um die Ergo Vorsorge Lebensversicherung AG, Generali Deutschland Lebensversicherung AG, HDI Lebensversicherung AG und Nürnberger Lebensversicherung AG.