In einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ hat sich Achim Kassow, Deutschland-Chef der Ergo, zum Stand des Spar- und Umbauprogramms in seinem Konzern geäußert. Der Versicherer müsse rund 2.000 von 16.000 Arbeitsplätzen in Deutschland abbauen, um Kosten zu senken, berichtet der 52jährige. „Drei Viertel des Weges, der für die Betroffenen auch schmerzhaft sein kann, haben wir schon hinter uns“, so Kassow.

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Achim Kassow, Vorstandsvorsitzender der Ergo Deutschland. Quelle: ergo.comDer Manager begründete im Gespräch noch einmal, weshalb die Ergo so viele Menschen entlassen musste. „Das liegt vor allem an den großen Verwaltungseinheiten. Ergo ist aus vielen einzelnen Versicherern wie etwa der Victoria oder der Hamburg-Mannheimer entstanden. Da gab es einige Doppelstrukturen“, sagte Kassow. Hinzu komme die Automatisierung - die bei vergleichsweise einfachen Produkten wie einer Kfz- oder Zahnzusatzversicherung besonders zu Buche schlage. "Unser Ziel ist ein Gewinn von 600 Millionen Euro im Jahr. Das schaffen wir!", verspricht der gebürtige Hannoveraner.

“Haben Mitarbeitern Perspektive und Sicherheit gegeben“

Im Interview bemüht sich Kassow, ein kollegiales Verhältnis im Ergo-Konzern zu vermitteln. Er rede viel mit der Basis, um ein „Gefühl für wichtige Themen“ zu erhalten. Auch habe die Ergo nicht nur Kosten gesenkt, „sondern unseren Mitarbeitern nach diesen Einschnitten eine Perspektive und damit Sicherheit gegeben“.

Gerade zu Beginn des Ergo-Umbauprogramms wurden auch andere Stimmen aus dem Konzern laut. So klagte ein Ergo-Betriebsrat im Sommer 2016 in einem internen Schreiben, Mitarbeiter seien in nur zehnminütigen Gesprächen darüber informiert worden, dass der Versicherer künftig ohne sie plane. Dabei habe die Ergo auch gesetzliche Fristen verletzt. Der Tenor sei gewesen: ,Wir planen künftig ohne Sie!’ Hier haben Sie eine Aufhebungsvereinbarung zur Unterschrift, zur Arbeit brauchen Sie ab sofort nicht mehr erscheinen!“ (der Versicherungsbote berichtete).

Fest steht: Mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di konnte sich der Versicherer im Juni 2018 auf einen sozialen Ordnungsrahmen für den Umbau des Konzerns einigen (der Versicherungsbote berichtete). Ein Thema, das nun auch Kassow in dem Interview anspricht. Die Ergo habe eine Reihe von Eckpfeilern gesetzt, die den Beschäftigten Sicherheit geben sollen. „Dazu verzichten wir bis Ende 2020 auf betriebsbedingte Kündigungen, werden die großen Verwaltungsstandorte nicht antasten und auch die Zahl der Regionaldirektionen nicht verringern“, erklärt der Manager. Großes Aber: dies gelte, „sofern sie ihre Neugeschäftsziele nicht wesentlich verfehlen.“

Keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2020

Diese vermeintliche Sicherheit greift auch die "Augsburger Allgemeine" als Titel für ihr Interview auf. "Ergo-Chef schließt bis 2020 betriebsbedingte Kündigungen aus", so ist der Artikel überschrieben. Aufmerksame Leser werden aber feststellen, dass dies ganze zwei Jahre bedeutet. Es bleibt zu hoffen, dass den Mitarbeitern der Ergo danach ein neuer, harter Konzernumbau erspart bleibt.

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Achim Kassow ist seit Januar 2017 Vorstandschef der Ergo Deutschland. Davor war er unter anderem bei der Allianz für die Regionalleitung Süd zuständig. Sein beruflicher Weg führte den gelernten Bankkaufmann und promovierten Wirtschaftswissenschaftler auch zur Deutschen Bank, Comdirekt Bank, Commerzbank und Oldenburgischen Landesbank.