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Interview

Woran erkennt man einen guten Fondsmanager?

geralt/Pixabay

"Fonds lediglich nach der Rendite der Vergangenheit auszuwählen, ist ein Fehler den Vermittler nicht machen sollten.", warnt Cornelia Fentzahn. Im Interview erklärt uns die Leiterin des Bereichs Investmentfonds und Depotanalyse beim Maklerpool Invers, woran man einen guten Fondsmanager erkennt, welche Gebühren nicht fair sind, wann Fondsmanager besser ins Casino gehen sollten und was der dümmste Grund ist, einen Wert zu kaufen.

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„In meinen Augen ist ein Finanzanlagenvermittler der beste Ansprechpartner für einen Kunden.“„In meinen Augen ist ein Finanzanlagenvermittler der beste Ansprechpartner für einen Kunden.“Cornelia Fentzahn, Leiterin Investmentfonds- und Depotanalyse(c) Invers GmbH

Versicherungsbote: Warum ist es wichtig, die Fondsmanager auszuwählen, die zum individuellen Kundenwunsch passen?

Cornelia Fentzahn: In Zeiten von Null-Zins-Politik halten immer mehr Anleger Ausschau nach alternativen Anlageformen zu Sparbuch, Tagesgeld, kapitalisierenden Lebensversicherungen oder Bausparverträgen.

Die beste Anlageform für Privatanleger sind offene Publikumsfonds. Sie gehören zu den am meisten regulierten und aufgrund des Sondervermögens zu den sichersten Geldanlagen in Deutschland. Zudem sind sie fair, transparent, flexibel und vor allem renditestark. In Deutschland stehen tausende von offenen Publikumsfonds zur Auswahl. Die Frage der richtigen Auswahl ist also sehr wichtig.

Die einfachste Kennzahl einen Fonds auszusuchen, ist wohl die Wertentwicklung. Warum ist diese Wahl die vermutlich schlechteste?

Sogenannte Hitlisten, wie sie auch gern von Verbraucherschutzmagazinen veröffentlicht werden, können zu einem sehr bösen Erwachen führen. Zahlreiche Analysen beweisen, dass Fonds, die in Ranglisten zu einem bestimmten Zeitpunkt ganz oben stehen, schon kurze Zeit später im unteren Drittel wieder zu finden sind. Ohne zu hinterfragen, wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind, gleicht das einer Autofahrt. Die Frontscheibe ist dabei zugeklebt, der Blick geht ausschließlich in den Rückspiegel. Wenn Sie dann auf das Gaspedal treten, kommt der nächste Baum garantiert! Machen Sie also bitte nicht den Fehler, Fonds lediglich nach der Rendite der Vergangenheit auszuwählen.

Seit geraumer Zeit empfehlen unter anderem dieselben Verbraucherschutzmagazine die Anlage in kostengünstige Indexfonds (sog. ETF’s), die ausschließlich ohne logischen Menschenverstand einen bestimmten Markt abbilden. Dadurch erwerben Sie automatisch alle Katastrophen, die sich in diesem Markt befinden. Und das derzeit auch noch zu überteuerten Preisen. Das würde ich mir nicht nur jetzt gut überlegen.Was nichts kostet, ist wie so häufig, für viele Anleger auch nicht gut.

Können Ratings, die auch die Qualität von Fondsmanagern beurteilen, helfen?

Richtig ist, dass es einige wenige Ratingagenturen gibt, die nicht nur die quantitative, sondern auch die qualitative Arbeit von Fondsmanagern beurteilen. Leider sollten auch diese mit einem gesunden Maß an Skepsis betrachtet werden. Die Erstellung eines Ratings kostet logischerweise Geld. Solange diese Kosten von den Fondsgesellschaften bezahlt werden und nicht etwa von den Personen, die sie nutzen, darf die Objektivität hinterfragt werden. Sich allein auf die Urteile von Ratingagenturen zu verlassen, kann also auch nach hinten losgehen.

Woran erkennen Anleger also einen guten Fondsmanager?

Gute aktive Fondsmanager sind von ihrem Investmentansatz so überzeugt, dass sie selbst mit eigenem Vermögen nennenswert investiert sind. Ihr Konzept ist verständlich und nachvollziehbar. Wie sonst sollte eine Anlage langfristig funktionieren, wenn diese niemand verstehen kann? "Kaufe, was Du verstehst! Verstehe, was Du besitzt!", sagte schon der US-amerikanische Großinvestor Warren Buffett. Gute aktive Fondsmanager sind von ihrem Investmentansatz so überzeugt, dass sie selbst mit eigenem Vermögen nennenswert in ihrem Fonds investiert sind. Das Managementkonzept ist verständlich und nachvollziehbar. Wie sonst sollte eine Anlage langfristig funktionieren, wenn sie niemand verstehen kann?

Diese Fondsmanager bleiben ihrer Überzeugung treu und richten ihre Fähnchen nicht etwa nach monetär gesteuerten Winden. Das heißt, sie können an ihrer Anlagestrategie festhalten, egal welche Ausrichtung ihr Arbeitgeber gerade verfolgt oder ob institutionelle Investoren Druck ausüben. Häufig sind solche Managerpersönlichkeiten selbst Inhaber einer Fondsgesellschaft und können somit ihre Überzeugung leben.

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Gute Fondsmanager investieren erst in eine Anlageidee, wenn diese ihren qualitativen Maßstäben entspricht und entsprechend günstig erworben werden kann. Der dümmste Grund, einen Wert zu kaufen, ist wohl, weil dieser in einem Index enthalten ist. Das heißt gute Fondsmanager weichen sinnvollerweise ganz bewusst und zum Teil deutlich von einem bestimmten Vergleichsindex ab. Das können passive Indexfonds nicht bieten.

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