Zunächst müsse Ottonova - wie die Ärzte Zeitung berichtet, wurde das Unternehmen Ende 2015 gegründet - erst einmal eine Zulassung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhalten. Das Gesundheitsmanagement werde dann nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Dr. Roman Rittweger einen Schwerpunkt des neuen Anbieters für private Krankenversicherung (PKV) bilden. Ottonova soll zum Ansprechpartner der Kunden in Gesundheitsfragen werden. Man müsse sich um Kunden kümmern, solange sie noch gesund sind und nicht erst, wenn sie krank werden, betont Rittweger in einem Mediengespräch.

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Niedrigere Kosten für Abschluss und Verwaltung

Zwar habe der neue Versicherer mit den niedrigen Kapitalmarktzinsen zu kämpfen, da diese es schwer machen, den Rechnungszins zu erwirtschaften. Demzufolge müsse er einen vergleichsweise hohen Anteil der Beiträge für den Aufbau der Altersrückstellungen aufbringen. Da das Unternehmen allerdings ausschließlich online arbeiten möchte, werde es deutlich niedrigere Kosten als die Konkurrenz haben.

Aussagen Rittwegers zufolge seien die Tarife langfristig kalkuliert. Man werde kein "Billigheimer" sein, betont er. „Wir wollen ein richtiger privater Krankenversicherer sein, nur anders, schneller und besser.“ Man nehme gerne Anregungen von außen, insbesondere aus der Ärzteschaft, entgegen. „Gerade sie können uns sagen, wie man private Krankenversicherung noch besser machen kann,“ äußerte der frühere Arzt gegenüber der Ärzte Zeitung.

PKV - eine beratungsintensive Sparte

Rittweger hat bereits langjährige Erfahrung im Gesundheitsmanagement sammeln können. Unter anderem zählte er zu den Gründern der Online-Plattform Almeda, die Gesundheitsprogramme online vermittelt.

Doch die Geschäftsidee, eine Krankenvollversicherung ausschließlich im Netz anzubieten, dürfte auch Kritiker auf den Plan rufen. So handelt es sich bei der PKV um eine sehr beratungsintensive Sparte - Fehler bei der Antragstellung, etwa falsch ausgefüllte Gesundheitsfragen, gefährden den Versicherungsschutz des Kunden. Werden die Anträge fehlerhaft ausgefüllt, kann die Versicherung ihre Leistung später anteilig kürzen oder sogar ganz verweigern. Wenn alles schief geht, hat der Kunde jahrelang Prämien gezahlt – und geht trotzdem im Leistungsfall leer aus.

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So rät etwa Monika Maria Risch, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein, davon ab, Policen mit Gesundheitsfragen online abzuschließen (der Versicherungsbote berichtete). „Die Gesundheitsfragen lassen sich online durch Anklicken nur unzureichend beantworten“, warnt Risch im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Besser sei es, den Rat eines Versicherungsfachmanns einzuholen.

Ärzte Zeitung