Der Studie zufolge zeigt vor allem der asiatische Markt großes Potenzial, dort seien die Asset Pools im Zeitraum von 2007 bis 2010 um 7 Prozent jährlich gewachsen. Im internationalen Asset Management konnten die Studienautoren deutliche Trends feststellen: Profitabel wachsen könnten künftig nur die Anbieter, die sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, die Kostenbasis flexibel gestalten und ihr Produktangebot auf Kundenbedürfnisse ausrichten. Im Zuge der jüngsten Verwerfungen an den Kapitalmärkten würden außerdem die Funktion des Risikomanagers sowie eine Fokussierung auf die Kernkompetenzen an Bedeutung gewinnen.

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"Der zunehmende Wettbewerb, die hohen Anforderungen der Kunden und die Verschiebung der Märkte in Richtung Asien zwingen Vermögensverwalter dazu, ihre Strategien und Geschäftsmodelle zu überdenken, wenn sie profitabel wachsen wollen", erklärt Olaf Toepfer, Partner von Roland Berger Strategy Consultants.

Aufstrebende Märkte im Fokus

Nach der ersten Finanzkrise im Jahr 2008, bei der Anleger herbe Verluste hinnehmen mussten und massiv Mittel abzogen, stieg das weltweit durch Asset Manager verwaltete Vermögen bis 2010 wieder auf 76 Billionen Dollar an. Zwei Drittel davon, also mehr als 50 Billionen Dollar, entfielen auf institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds.

Besonders positiv entwickelt sich der Asset Management-Markt in den Schwellenländern, allen voran Asien mit einem jährlichen Wachstum des verwalteten Vermögens um circa 7 Prozent auf derzeit knapp 15 Billionen Dollar. Doch das internationale Geschäft stellt auch hohe Anforderungen, warnt Toepfer: "Nach wie vor ist Asset Management vor allem ein lokales Geschäft. Nur wenige internationale Geschäftsmodelle sind dauerhaft erfolgreich. Allerdings ergeben sich in Asien aufgrund des Vermögenszuwachses signifikante Chancen für Asset Manager, die in der Lage sind, ihr Produktportfolio regional zu differenzieren. Auch strategische Partnerschaften mit lokalen Anbietern erscheinen durchaus lohnenswert."

Gutes Wachstumspotenzial zeigen auch ausgewählte afrikanische Länder wie Nigeria und der Mittlere Osten. Dort nahm der Asset Management-Markt in den vergangenen Jahren um 10 Prozent jährlich auf knapp 2 Billionen Dollar zu. Rückläufig zeigte sich hingegen der amerikanische Markt mit einem jährlichen Minus von rund 1 Prozent. Weiterhin stabil bleibt der deutsche Markt - doch der Wettbewerb nimmt in der Branche stark zu, warnt Frank Heideloff, Partner von Roland Berger: "Die Zeiten, in denen Asset Manager schnell und profitabel wachsen konnten, sind vorbei. Sicherlich wird Deutschland aufgrund des signifikanten verwalteten Vermögens im internationalen Vergleich ein wichtiger Markt bleiben. Jedoch erwarten wir hier einen harten Verdrängungswettbewerb zwischen heimischen und ausländischen Anbietern, vor allem im Drittvertrieb."

Steigende Ansprüche der Kunden - Risikomanagement gefragt

Um im harten Wettbewerb bestehen zu bleiben, müssen sich Asset Manager verstärkt auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft fokussieren: Individualisierte und transparente Produkte sind dabei immer mehr gefragt. "Kunden sind heute viel besser über die Anlagemöglichkeiten informiert, agieren professioneller und haben außerdem ein ausgeprägtes Risikobewusstsein", erklärt Matthias Hübner, Leiter der deutschen Asset Management Practice von Roland Berger. Denn vor allem seit der vergangenen Finanzkrise zeigen Investoren eine starke Risikoaversion.

Die Funktion des Risikomanagers gewinne daher zunehmend an Bedeutung. Denn auf dem umkämpften Markt für Asset Management garantiere er die hohen Sicherheitsstandards der Anlageprodukte und diene der Vertrauensbildung zwischen Asset Manager und Kunden. "Das ist in der Branche ein sehr wichtiges Differenzierungsmerkmal und kann erhebliche Wettbewerbsvorteile schaffen", sagt Hübner.

Fokussierung auf Kernkompetenzen wird wichtiger

Der generelle Trend zu mehr Effizienz und verminderter Komplexität in der Branche fördere außerdem die Tendenz zum Outsourcing. Dabei ginge es nicht nur um eine Reduzierung der aktuellen Kostenbasis, sondern vor allem auch eine höhere Flexibilität des Geschäftsmodells, um für zukünftige Krisen gewappnet zu sein. Somit sollten Asset Manager ihren Fokus nicht nur auf geringere Bonuszahlungen oder die Reduzierung von Sachkosten richten, sondern ihr Leistungsangebot entlang der gesamten Wertschöpfungskette kritisch überprüfen.

Denn die Marktzyklen werden kürzer und die Volatilität wird die Märkte weiterhin begleiten. "Setzen sich die Stürme an den Kapitalmärkten fort, könnten einige Anbieter in ernsthafte Schwierigkeiten geraten", warnt Hübner. "Findet sich dann kein Käufer, werden sich manche Asset Manager oder deren Eigentümer mit ganz neuen Themen wie einem geordneten Rückbau oder sogar einer Komplettabwicklung beschäftigen müssen."

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Außerdem zeichnet sich die Asset Management-Industrie durch eine zunehmende Spezialisierung aus. So würden es zum Beispiel mittelgroße Asset Manager schwer haben, die hunderte Fonds anbieten und sich nicht nur als Anbieter für traditionelle Anlageklassen, sondern auch als Experten für Alternative Assets wie Private Equity, Hedge Fonds, Real Estate oder Commodities positionieren wollen. "Der Trend in Richtung Spezialisierung auf einen bestimmten Asset-Bereich ist eindeutig", erklärt Frank Heideloff. "Und auch in Zukunft werden Anbieter sich verstärkt auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und sich aus manchen Asset-Klassen komplett zurückziehen."