Die Welt hat sich verändert und das gilt nicht erst seit Corona. Dieser allgemeine Satz passt nahezu auf alles und viele Artikel oder Gastbeiträge beginnen derzeit mit dieser Feststellung. Aber es geht hier um mehr als um Allgemeinplätze. Die Art, wie wir zusammenleben, wie wir konsumieren und wie wir mit unseren persönlichen Daten umgehen hat sich in der Tat fundamental geändert. Ein Umstand, mit dem Unternehmen und Kunden erst einmal umgehen müssen: plötzlich geben wir alle viel mehr preis von dem, was uns noch vor wenigen Jahren an privaten Informationen nicht über die Lippen gekommen wäre.

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Stephen Voss, Vorstand und Gründer der Neodigital Versicherung AG mit Sitz in Neunkirchen im Saarland.Neodigital Und das ist, auch wenn viele dem skeptisch gegenüberstehen, sowohl für die Kunden als auch für die Versicherer ein Segen. Aber fangen wir einmal bei den Kunden an.

Was früher undenkbar war, ist nun Alltag. Sie wissen nicht, was ich meine? Nun, können Sie sich daran erinnern, was Sie getan haben, wenn Sie früher – lange vor Corona – ins Schwimmbad gegangen sind? Ja, Sie sind hingefahren und haben an der Kasse oder „ganz modern“ am Kassenautomaten Bargeld abgegeben und ein Ticket bekommen. Ein anonymes Ticket. Für einen anonymen Besuch. Der gleiche Vorgang im Sommer 2020: Sie gehen online, Sie wählen das Schwimmbad und den Zeitpunkt aus, an dem Sie es besuchen wollen, Sie beachten die zeitlichen Beschränkungen und hinterlegen zum Buchen eines verbindlichen Schwimmbadtermins (schmunzeln sei an dieser Stelle erlaubt) Ihre kompletten persönlichen Adressdaten. Und da der Buchungsvorgang elektronisch geschieht, übergeben Sie dem Buchungsportal möglicherweise auch noch Ihre Bankdaten.

Hätten Sie diesen Vorgang als Schwimmbadbetreiber vor 12 Monaten eingeführt, wäre eine Welle der Entrüstung über Sie hereingebrochen und vermutlich hätten Menschen mit Plakaten vor den Schwimmbädern rebelliert. Dass es nicht soweit kommt, hat einen einfachen Grund: Der Schwimmbadgast, also der Konsument, hat erkannt, dass das Preisgeben von Informationen einen Mehrwert für ihn hat. Jetzt ist es nur fair zu sagen, dass er aktuell auch keine andere Wahl hat, aber sein Nutzen liegt trotzdem klar auf der Hand: Wir befinden uns inmitten einer Pandemie, Ansteckungsketten müssen nachverfolgt werden können zum Erhalt der allgemeinen und der eigenen Gesundheit. Das Wichtigste ist für den Einzelnen aber, dass er ins Bad kommt und Schwimmen gehen kann. Dafür nimmt der Kunde in Kauf, seine Daten offenzulegen, denn sie dienen einem Zweck, der besseren Bestimmung des Nutzens und der Risiken.

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Dieses Umdenken findet auf vielen Ebenen statt und hat ein Kernthema: Die Endkunden erkennen in der Herausgabe ihrer persönlichen Daten einen konkreten Mehrwert für sich selbst, den sie erst durch die Verarbeitung ihrer Daten von Unternehmen erhalten können.