Moderne Autos sind im Grunde rollende Computer, die eine Unmenge von Daten über den Fahrer sammeln. Und das könnte sich zukünftig noch verschärfen. Spätestens ab März 2018 müssen alle neuen Autos ab Werk mit einem elektronischen E-Call-Ortungssystem ausgestattet sein – so schreibt es die Europäische Union vor. Es soll erlauben, dass nach einem schweren Unfall automatisch Helfer informiert und herbeigerufen werden, ohne dass der Fahrer tätig werden muss. Rein theoretisch könnte die Technik auch aufzeichnen, wann sich jemand wo mit seinem Gefährt aufgehalten hat.

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Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Die Frage ist: Wem gehören die Daten, die von Autos erhoben werden? Darüber ist mittlerweile eine heftige Debatte zwischen Versicherungsbranche und Autoherstellern entbrannt. Denn das europäische Auto-Notrufsystem E-Call weckt Begehrlichkeiten der Datensammler. Um einen Gegenpol zu diesem System zu schaffen, hatten die deutsche Auto-Assekuranz im April 2016 einen eigenen Unfallmeldedienst gestartet - hatten dabei aber mit Kinderkrankheiten zu kämpfen.

Huk-Chef Heitmann warnt

Im August 2017 schlug Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher des größten deutschen Autoversicherers HUK- Coburg, Alarm. "Es darf kein Monopol der Autohersteller geben, Monopole sind immer schlecht und teuer", warnte Heitmann. Und erhob explizit Ansprüche auf die Daten des Ortungssystems. "Wenn Sie künftig in einem vernetzten Auto eine Panne haben, dann müssen nicht mehr Sie den Abschleppdienst anrufen, Sie werden angerufen, ob Sie Hilfe brauchen", sagte Heitmann. "Und der Anrufer weiß dann, wo Sie stehen, was an Ihrem Auto kaputt ist und ob sofort geholfen werden kann."

Diese Daten können auch Versicherer nutzen – zum Beispiel, indem sie dem Versicherten eine Vertragswerkstatt vorschlagen und ihn dafür mit Prämien-Rabatten belohnen. Oder indem Unfallgutachter auf die Daten zugreifen können. Hier müssten die Verbraucher die Wahlmöglichkeit haben: Der Gesetzgeber solle darauf achten, dass „idealerweise so viel Wettbewerb wie möglich“ bestehen bleibe, so Heitmann.

Kampagne für Datenschutz

An dieser Stelle möchte nun der europäische Versicherungsverband Insurance Europe ansetzen und hat deswegen die Datenschutzkampagne „data4drivers“ gestartet. Diese werde unter anderem vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), dem ADAC e.V. und dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) unterstützt. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung hervor.

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Ziel der gemeinsamen Aktion sei es, ein Datenmonopol der Automobilhersteller zu verhindern. So solle die Europäische Union den Autofahrern die Entscheidungsfreiheit über ihre Daten gewähren. „Autofahrer müssen frei entscheiden können, an wen sie ihre Daten senden – an den Hersteller, an Versicherer, Werkstätten, Mobilitätsdienstleister oder Automobilclubs. Nur dann können die Fahrer ohne Einmischung der Automobilhersteller ihre Service-Anbieter selbst aussuchen.“, forderte Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Geschäftsführung. Auch Autofahrer sollen die Kampagne unterstützen können. Dazu sei eine Petition auf der Webseite www.data4drivers.eu gestartet worden.