Früher Gesundheitsminister, nun im Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung: Daniel Bahr. Foto: Pressefoto AllianzDie Allianz spricht sich in Deutschland dagegen aus, mit Apps und Fitnessarmbändern das Gesundheitsverhalten von privat Krankenversicherten zu messen, um gesundes Verhalten mit Boni und Rabatten zu belohnen. „Eine Krankenversicherung darf den Tarif nicht vom persönlichen Verhalten abhängig machen. Das ist in Deutschland nicht erlaubt, und auch nicht richtig“, sagte Daniel Bahr, früherer FDP-Bundesgesundheitsminister und nun im Vorstand der Allianz Krankenversicherung, in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

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Damit spricht sich der Allianz-Vorstand gegen sogenannte Pay-as-you-live-Tarife aus. Bei diesen Tarifen werden die Versicherten mit Fitnessarmbändern und Apps ausgestattet. Weisen sie einen gesunden Lebenswandel nach, winken Rabatte bei der Prämie oder andere Belohnungen. Für die Allianz keine Option, wie Bahr versichert. Er erinnert an ein Grundprinzip der privaten Krankenversicherung: “Das Risiko wird einmal eingeschätzt, bei Beitritt des Mitglieds, und dann nicht mehr verändert“.

Pay as you live – die Krankenversicherung als Fitnesstrainer

Mit Pay-as-you-live-Tarifen will in Deutschland derzeit vor allem die Generali punkten. Der Versicherer bietet derartige Tarife derzeit in der Berufs- und Risikolebensversicherung an, doch später soll die PKV-Sparte hinzukommen. Dabei kann der Versicherte mit dem Nachweis einer gesunden Lebensweise, etwa Sport oder dem Kauf gesunder Lebensmittel, Punkte sammeln, die mittels eines Gold-, Silber-, Bronze- und Platinsystem abgebildet werden. „Je aktiver Sie leben, desto mehr bares Geld sparen Sie“, verspricht die Generali auf ihrer Webseite.

Die Generali erhofft sich viel von der neuen Tarifgeneration. Die Versicherung kann nun nicht mehr erst im Schadensfall eingreifen, sondern schon vorher präventiv den Kunden unterstützen, so das Versprechen: etwa, wenn er Gewicht reduzieren will, mehr Sport treiben oder seine Ernährung umstellen. So wird der Versicherer zum Fitnesstrainer und ständigen Begleiter, der Versicherungstarif zu einer Art Lifestyle-Produkt. Die Werbekampagne mit Tennis-Star Angelique Kerber ist ganz auf dieses Versprechen zugeschnitten: "Aus Versicherung wird Verbesserung", so der aktuelle Slogan der Generali-Fernsehspots.

Debatte über langfristige Folgen der Pay-as-you-live-Tarife

Doch die Tarife provozieren auch Kritik. Nicht nur muss der Versicherte sensible Gesundheitsdaten an den Versicherer weitergeben. Auch fürchten Kritiker, dass Krankenversicherer ihre Mitglieder zukünftig zur Datenweitergabe zwingen könnten - und ungesundes Verhalten, etwa das Trinken von Alkohol, sanktionieren. „Wir folgen dem Irrglauben, unser Schicksal, sprich unsere Zukunft beherrschen zu können, indem wir ständig alles „richtig“ machen und uns unentwegt selbst optimieren – auf der Arbeit, bei Gesundheit und Ernährung, selbst bei Liebe und Sex“, hatte die Schriftstellerin Juli Zeh angesichts solcher Tarife gewarnt. Das sei ein Irrtum. Es drohe im schlimmsten Fall eine "Gesundheitsdiktatur".

Die Generali weist derartige Bedenken von sich. „Grundsätzlich gilt: Die Teilnahme am Generali Vitality-Programm ist freiwillig und der Kunde ist jederzeit Herr seiner Daten“, hatte sich eine Sprecherin gegenüber dem Versicherungsboten positioniert. Und weiter: "Selbst wenn ein Generali Vitality Teilnehmer keine Aktivität innerhalb des Programms ausüben würde, zahlt er über die Gesamtlaufzeit der Versicherung hinweg nie mehr als ein Kunde, der nicht am Vitality-Programm teilnimmt“, so berichtet der Versicherer.

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Zwischen den deutschen Versicherern verlaufen dennoch deutliche Grenzen. Allianz-Vorstand Daniel Bahr bezeichnete das Versprechen der Generali, mit einem Rabatten gesundes Verhalten zu belohnen, als "verunglückten Marketing-Gag". Ähnlich wie Bahr hatte sich im Mai schon Birgit König positioniert, ebenfalls Vorständin der Allianz Kranken. „Man kann in der privaten Krankenversicherung nicht einfach Abschläge nach Gusto geben“, so zitiert sie der Berliner „Tagesspiegel“. Weiter sagte sie mit Blick darauf, dass der Versicherer vor Vertragsbeginn eine einmalige Risikoprüfung macht: „Wir dürfen auch nicht die Beiträge erhöhen, wenn jemand, der am Anfang fit ist, später mit dem Sport aufhört. Das ist gesetzlich untersagt, und wir wollen das auch nicht“ (der Versicherungsbote berichtete).