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Wohngebäudeversicherung

Verbraucherzentrale Sachsen - "Eine Elementarschadenpflichtversicherung würde die Volkswirtschaft entlasten"

Andrea Heyer ist seit Juni 2016 stellvertretender Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen und seit 1991 Referatsleiterin im Bereich Finanzdienstleistungen. Die 52-Jährige Leipzigerin hat an der Universität Leipzig Rechtswissenschaften studiert.(c) Landesgeschäftsstelle Verbraucherzentrale Sachsen

Wohl kaum ein Bundesland wurde in den letzten Jahren so oft von schweren Überschwemmungen heimgesucht wie Sachsen. Die Verbraucherzentrale Sachsen setzt sich für eine Elementarschaden-Pflichtversicherung ein, die jeder Hausbesitzer bundesweit abschließen muss. Der Versicherungsbote hat mit Andrea Heyer gesprochen, stellvertretender Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen, weshalb eine solche Pflichtversicherung aus Sicht der Verbraucherschützer notwendig ist.

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Versicherungsbote: Setzt sich die Verbraucherzentrale Sachsen für eine Elementarschadenpflichtversicherung für Hausbesitzer ein? Und wenn ja – warum ist das erforderlich?

Andrea Heyer: Die Verbraucherzentrale Sachsen setzt sich seit 2002 für eine Versicherungspflicht bezüglich der Elementarschadenversicherung bei Wohngebäuden ein. Unserer Ansicht nach erreichen wir auf anderen Weg keinen flächendeckenden Versicherungsschutz. Das haben die Kampagnen der Versicherungswirtschaft in den letzten Jahre gezeigt. Die Versicherungsdichte hat sich kaum erhöht. Der Staat, das heißt der Steuerzahler, und private Spendengeber werden künftig nicht mehr als Geldgeber (z.B. Zuschüsse, zinslose Darlehen, Spenden usw.) auftreten. Wenn aber die Mehrheit der Eigentümer nicht versichert ist, führen die Großschadensfälle zur Belastung der gesamten Volkswirtschaft und gefährden das Gemeinwohl.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GdV e.V.) lehnt eine Pflichtversicherung ab. Die Begründung: Wo Hochwasser-Risiken bestehen, soll erst gar nicht gebaut werden. Eine Pflichtversicherung schaffe Fehlanreize auch in Überschwemmungsgebieten zu bauen. Was spricht gegen dieses Argument?

Wir stimmen der Versicherungswirtschaft in dem Punkt voll und ganz zu, dass in Überschwemmungsgebieten nicht weiter gebaut werden darf. Dieses Thema macht deutlich, dass es um ein Gesamtpaket von Maßnahmen geht, also nicht allein um den Versicherungsschutz, sondern zum Beispiel auch um bauordnungsrechtliche und Naturschutzfragen. Und auch die Versicherungspflicht ist so auszugestalten, dass Präventionsanreize gesetzt werden.

Ein weiterer Grund gegen eine Pflichtversicherung: Hausbesitzer sollen individuell entscheiden können, welches Risiko sie absichern. Warum wollen Sie Zwang zur Absicherung?

Die niedrige Versicherungsdichte führt bei sich wiederholenden Schadensereignissen zur Belastung der Volkswirtschaft und Gefährdung des Gemeinwohls. Und die Großschadenereignisse, wie etwa Starkregen nach Dürreperioden, werden zunehmen, da sind sich Klimaforscher sicher. Es ist auch kaum zu akzeptieren, dass betroffene Hauseigentümer nach jeder Katastrophe auf private Spenden und staatliche Almosen angewiesen sind. Oder auch, dass sie mit staatlicher Unterstützung rechnen können, ohne eigene Beiträge für eine Versicherung aufbringen zu müssen. Unsere repräsentative bundesweite Umfrage im März diesen Jahres hat übrigens ergeben, dass die Bevölkerung mehrheitlich, nämlich zu 67 Prozent, für eine Versicherungspflicht ist. Nur 12 Prozent waren dagegen, der Rest unentschlossen.

Sie haben in Stichproben getestet, wie schwer bzw. leicht es ist, für Hausbesitzer in Überschwemmungsgebieten (Zürs4) private Elementar-Police zu finden. Wie sind Erfahrungen? Der GDV argumentiert, in Deutschland seien 99 Prozent aller Gebäude problemlos versicherbar.

Unsere Stichproben haben wie auch schon 2013 ergeben, dass es weiterhin Probleme bei der Erlangung von Versicherungsschutz gibt – entweder weil für die Verbraucher nicht bezahlbar oder weil seitens der Versicherungswirtschaft keine Angebote unterbreitet werden. Richtig ist, dass theoretisch 99 Prozent, ja sogar 100 Prozent, aller Gebäude versicherbar sind. Wenn aber von den Hauseigentümern Prämien im hohen dreistelligen, vier- oder gar fünfstelligen Bereich verlangt werden und noch dazu hohe Selbstbeteiligungen seitens der Versicherungsnehmer gefordert und Ausschlüsse vereinbart werden, gelingt es vielen Verbrauchern praktisch nicht, ihr Gebäude zu versichern. Eine Versicherungspflicht würde zu bezahlbaren Prämien führen. Das kann man am Beispiel der Versicherungspflicht in der Schweiz gut nachprüfen.

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Die Fragen stellte Jenny Müller

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