Ein Jahr ist es her, seit mehrere Manager des Dresdner Finanzdienstleisters Infinus festgenommen worden sind. Ihnen wird vorgeworfen, ein Schneeballsystem unterhalten und tausende Anleger geschädigt zu haben. Am gestrigen Montag begann nun ein Zivilprozess am Landgericht Leipzig, bei dem ein geprellter Geldanleger Schadensersatz für seine Verluste fordert (Az. 9 O 1528/14).

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Laut einem Bericht der Leipziger Volkszeitung soll in einem Musterprozess geklärt werden, inwieweit fünf Verantwortliche des Finanzhauses Infinus bzw. der Konzernmutter Future Business KG aA haften müssen. Die Betroffenen waren als Vorstand, Aktionär, Aufsichtsratsmitglied bzw. Prokurist für den Finanzdienstleister tätig.

75.000 Euro in Ordnerschuldverschreibungen investiert

Kläger ist ein Anleger, der im Oktober 2012 und Januar 2013 sogenannte Ordnerschuldverschreibungen bei der Konzernmutter Future Business KG für 75.000 Euro gezeichnet hatte. Sein Vorwurf: Die Manager hätten im Firmenprospekt bewusst falsche Angaben über das Vermögen des Unternehmens gemacht, um Kleinanleger mit windigen Versprechungen zu locken.

Auch der Umfang der Geschäftsbereiche sei falsch dargestellt worden. So könnten Gewinne etwa nur durch Eigengeschäfte vorgetäuscht worden sein. Das heißt, die Infinus Konzerntöchter handelten untereinander Wertpapiere sowie Lebensversicherungen und zahlten einander hohe Provisionen, um Erträge vorzutäuschen, die nur auf dem Papier bestanden.

Kai Deusing,Vizepräsident und Sprecher des Landgerichtes Leipzig, erklärte gegenüber der LVZ, es gehe „um Schadenersatz aus Prospekthaftung und zivilrechtlicher Deliktshaftung im Zusammenhang mit dem Erwerb von Ordnerschuldverschreibungen“. Vor Gericht werde nun unter anderem zu prüfen sein, ob es sich bei dem Vertrieb um ein anlegerschädigendes, betrügerisches Schneeballsystem gehandelt habe.

Parallel zu dem Verfahren fordern mittlerweile hunderte Anleger auf zivilrechtlichem Wege Ersatz für die erlittenen Verluste. Laut Deusing sind am Landgericht Leipzig derzeit 128 Hauptsacheverfahren anhängig sowie in gleicher Höhe Arrestverfahren. Auch das Landgericht Dresden verzeichnete entsprechende Eingänge.

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Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt weiter wegen Anlagebetrugs

Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft Dresden gegen die fünf Manager wegen Verdachts auf Anlagebetrug. Vier der betroffenen Personen sitzen seit über einem Jahr in Untersuchungshaft, weil extreme Fluchtgefahr bestehe. Noch in diesem Monat soll der Strafsenat des OLG Dresden über einen Fortbestand der Haftstrafen entscheiden. Insgesamt sind zehn Infinus-Mitarbeiter angeklagt.

LVZ