Am gestrigen 1. Juni wurde der Internationale Kindertag begangen. Traditionell rücken damit auch die Bedürfnisse und Rechte von Kindern in den Blickpunkt. Anlass für das Statistische Bundesamt (Destatis), mit traurigen Zahlen auf Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen aufmerksam zu machen.

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Im Jahr 2012 führten die Jugendämter rund 107.000 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Jugendwohls durch, wie die Statistikbehörde in einer Pressemitteilung bekannt gibt. Eine solche Gefährdungseinschätzung wird gemäß §8a Absatz 1 SGB VIII vorgenommen, wenn den Jugendämtern gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Kindeswohles bekannt werden. Dies können wiederholte Zeichen von Verletzungen sein (z.B. Hämatome, Striemen, Narben), aber auch Indizien wie Unterernährung, wetterunpassende und verschmutzte Kleidung, Verletzung der Aufsichtspflicht oder eine Verzögerung beim Erlernen von Sprachfähigkeiten.

38.000 Fälle von akuter und latenter Kindeswohlgefährdung in 2012

Trauriges Ergebnis der Gefährdungseinschätzungen: In 38.000 Fällen stellten die Fachkräfte eine akute und latente Kindeswohlgefährdung fest (36 Prozent). 9 Prozent der akut oder latent gefährdeten Kinder (insgesamt 3.600 Fälle) waren jünger als ein Jahr. Der Großteil der unter 1-Jährigen wies Anzeichen von Vernachlässigung auf, so dass die Säuglinge etwa unterernährt waren oder zu wenig Zuwendung erhielten (79 Prozent). Anzeichen für körperliche Misshandlungen wurden bei Säuglingen in 607 Fällen (17 Prozent) festgestellt. Mehr Kinder fielen 2012 in keiner anderen Altersgruppe körperlichen Misshandlungen zum Opfer.

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Bei Säuglingen wurden laut der amtlichen Statistik mindestens 42 Prozent aller tödlichen Verletzungen durch Gewalthandlungen hervorgerufen. Sie hatten damit im Vergleich zu den übrigen Altersgruppen das höchste Risiko durch Gewalt zu sterben. Weiterführende Informationen bietet die Publikation Unfälle, Gewalt, Selbstverletzung bei Kindern und Jugendlichen.

Destatis