Wer jemandem den Spiegel vorhält, sollte allerdings darauf achten, nicht selbst zum Zerrbild zu werden. Was ist passiert? Anfang dieser Woche veröffentlichte der Branchenverband auf seiner Website ein Interview mit Herrn Professor Axel Börsch-Supan. Den Lesern wird er u.a. als Wirtschaftswissenschaftler, Demografie-Experte und Gründer des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel vorgestellt, „das sich seit 2011 in München befindet, Teil des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik ist und nun Munich Center for the Economics of Aging (MEA) heißt.“

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Was die Leser nicht erfahren, durchaus aber wichtig wäre, um sich eine umfassende Meinung zu bilden: Im Jahre 2001 hat der GDV das Forschungsinstitut mitgegründet. Mit im Boot waren das Land Baden-Württemberg und die Universität Mannheim. Leiter und nicht „Gründer“, wie der GDV schreibt, des Institutes war Professor Börsch-Supan. Seit Anbeginn der Zusammenarbeit mit dem MEA hat der GDV die Forschung Börsch-Supans finanziell unterstützt – über einen Zeitraum von ca. zehn Jahren. Zum 01. Juli 2011 ist Professor Börsch-Supan zum Direktor des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik berufen worden. Mit dieser Berufung endete dann offiziell die Unterstützung seitens des GDV.

In der Broschüre (PDF) anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Institutes bedankt sich Börsch-Supan „herzlich“ „an unüblichem Platze gleich zu Anfang“ bei den „weitsichtigen Sponsoren“, „die in einer innovativen Private-Public-Partnership die Gründung und das schnelle Wachstum des MEA ermöglicht haben.“ Die zahlreichen Forschungsarbeiten des Hauses, z.B. über die Sozialversicherungsfreiheit bei der Entgeltumwandlung, die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Gesetzliche Rentenversicherung oder über die Riester-Rente, fielen im Sinne der Assekuranz aus. Die Ergebnisse wurden auch gerne als Handreichung an die Politik weitergereicht.

Einen weiten Weg hatten und haben die Meinungsbildner des GDV dabei nicht. Das Finanzministerium hat wie der GDV seinen Sitz ebenfalls in der Wilhelmstraße, der Bundestag ist gleichfalls einen Katzensprung entfernt. Immerhin: Die kritische Anfrage, ob die Bande mit Börsch-Supan nicht doch im Sinne der vom Verband geforderten Transparenz hätte offengelegt werden müssen, wird prompt von der Presseleitung beantwortet.

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„Wir werden die Anregung das nächste Mal gerne berücksichtigen“, sagte GDV-Pressesprecherin Ulrike Pott. Es sei in der Tat kein Geheimnis, dass u.a. der GDV seinerzeit mit einer Anschubfinanzierung geholfen habe, das MEA aus der Taufe zu heben. Die Wahl auf Börsch-Supan als Interviewpartner begründet Pott mit der „hohen wissenschaftlichen Qualität des Instituts und seines Leiters“. „Nicht zuletzt die Integration des MEA in das Max-Planck-Institut belegt Exzellenz und Unabhängigkeit der Arbeiten“, so Pott. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...