In den vergangenen Jahren war die AWD Holding vermehrt negativ in die Schlagzeilen gekommen. Sowohl die Schadenersatzforderungen von hunderten Kunden wegen Falschberatungen bei geschlossenen Fonds, als auch die Debatte um zu hohe Provisionen kratzten am sauberen Image des Finanzvertriebs (der Versicherungsbote berichtete: "Tausendfache Falschberatung durch AWD-Vermittler?" und "Gerichte verurteilen AWD zu Rückzahlungen"). Auf der Homepage wirbt das Unternehmen weiterhin mit markigen Worten.

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AWD: Wir haben eine Mission

Besonders Kundenorientierung, Qualität, Professionalität, Vertrauen und Teamgeist sollten das tägliche Leben mit Kollegen und Kunden bestimmen. Doch zuletzt war vor allem das Vertrauen in die Marke AWD von Bord gegangen. Da halfen auch Stellungnahmen seitens der AWD nicht, um den negativen Beigeschmack zu verwischen. Resultierend aus vermutlich mangelnder Qualität und Kundenorientierung verlor der, mittlerweile vom Schweizer Lebensversicherer Swiss Life aufgekaufte, Konzern zusehends Marktanteile. So fiel der Umsatz im ersten Quartal 2012 um 18 Prozent auf 111 Millionen Euro.

Nun prüft der Mutterkonzern eine Umbenennung des taumelnden Finanzvertriebs. Das geht aus einem Bericht der Financial Times Deutschland vom Dienstag hervor. Die sich aus Stimmen aus Versicherungskreisen beruft. Eine endgültige Entscheidung soll demnach bis November getroffen werden.

Ob eine Änderung des Namens am momentanen Markt eine Kehrtwende des Trends bringt, bleibt aber fraglich. Derzeit kämpfen alle Versicherer mit den Folgen der Wirtschaftskrise, der Herabsetzung des Garantiezinses bei Lebensversicherungen und dem daraus resultierenden eingebrochenen Neugeschäft. Auch die Provisionsdeckelung könnte dem Finanzvertrieb unter Umständen zu schaffen machen.

Beim Wettbewerber Ergo lief die Namensänderung gepaart mit einer offensiven Imagekampagne nicht wirklich optimal. Hier kamen kurz nach der Umbenennung brisante Details von Incentive-Reisen ans Tageslicht. Aber auch innerhalb des AWD gibt es intern mittlerweile Stimmen, die eine Namensänderung befürworten. Der Schweizer Mutterkonzern erwägt nun einen Namen, der Swiss Life beinhaltet. Dies wiederum stößt bei den Vertrieblern auf wenig Gegenliebe. Will man sich doch auch weiterhin als unabhängiger Finanzdienstleister präsentieren.

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Der Schweizer Versicherer steht derzeit unter enormem Druck der Wirtschaftsprüfer. Diese wollen durch die Verluste der AWD eine erhebliche Abschreibung auf den Unternehmenswert von AWD vornehmen. Dann müsste Swiss Life die Zahlen von 2012 empfindlich nach unten korrigieren.