„Aus der Riester-Rente auszusteigen, ist ein falsches Signal an die Menschen in Deutschland, die 16 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen haben“, sagt Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen. Um trotz stark reduzierten Höchstrechnungszinses und der weiterhin bestehenden Bruttobeitragsgarantie Riester-Verträge anbieten zu können, setzen die Münchener auf Netto-Tarife - und sind damit nicht allein: Auch der Volkswohl Bund ist auf Nettowelt.de, einer Tochter der Bayrischen, vertreten, um dort Riester-Renten im Netto-Gewand zu vertreiben.

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Doch davon hält Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Bundes Deutscher Vermögensberater (BDV), gar nichts. Im Exklusiv-Interview mit Versicherungsbote wendet sich Lach gegen solche Entwicklungen: „Riester-Nettotarife sind ein klarer Hinweis an die Politik, dass es auch ohne Provision gehen könnte. Denn in den meisten Fällen organisieren diese Versicherer für die Vermittler eine Zusammenarbeit mit Dienstleistern, die als Alternative zur Provision dem Kunden Honorare in Rechnung stellen. Das alles ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die seit langem gegen Provisionen sind.“

Zudem befürchtet der BDV-Vorsitzende, dass Verbraucher deutlich schlechter gestellt werden. Die meisten Kunden würden nicht realisieren, was konkret hinter den Honorarmodellen steckt, so Lach gegenüber Versicherungsbote. „Es ist falsch, dass der Wegfall von Vertriebskosten bei Nettotarifen weniger Kosten verursacht. Allein die Umsatzsteuerbelastung auf Honorare verteuert die Beratung im Vergleich zur Provision“, argumentiert Lach. Es müsse auch klargemacht werden, dass die Honorarvereinbarung auch dann weiterhin bedient werden muss, wenn sich der Kunde gegen die Fortsetzung des Versicherungsvertrags entscheidet.

Aus Sicht von Dr. Helge Lach bleibt deshalb nur ein Weg: Abkehr von Bruttobeitragsgarantie, damit Anbieter auch wieder wettbewerbsfähige Produkte anbieten können. Andernfalls solle die Politik die Zulagen im Riester-Neugeschäft einstellen.

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Das vollständige Interview mit Dr. Helge Lach lesen Sie im kommenden Versicherungsbote-Fachmagazin. Darin kommen auch Viktoria Mielken (Nettowelt) und Dietmar Bläsing (Volkswohl Bund) zu Wort. Das Versicherungsbote-Fachmagazin ist kostenfrei und erscheint zweimal im Jahr.