Die Zahl der privaten Zahnzusatzversicherungen ist 2018 erneut deutlich angewachsen. Das berichtet der PKV-Verband am Freitag in einer Pressemeldung. Auch im Vorjahr konnten demnach 343.000 Neukundinnen und -kunden hinzugewonnen werden, so geht aus vorläufigen Zahlen des Verbandes hervor. Ein Plus von 2,2 Prozent.

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Zum Jahresende 2018 hatten rund 16,01 Millionen Bundesbürger eine solche Zusatzpolice, berichtet der Verband weiter. Damit sei allein im vergangenen Jahrzehnt die Gesamtzahl der Verträge um fünf Millionen bzw. 37 Prozent angewachsen. Im Jahr 2008 wurden noch 11,77 Millionen Verträge gezählt. Die Daten umfassen sowohl Einzel- als auch Gruppentarife.

Es drohen hohe Kosten

Zahnzusatzversicherungen werden in der Regel von gesetzlich Versicherten abgeschlossen, um die begrenzten Leistungen der Krankenkassen abzusichern. Seit 2005 bezahlen die Krankenkassen nur noch einen befundbezogenen Festzuschuss für Zahnersatz. Beispiel Implantate: Schon bei einer einzelnen Zahnlücke kann ein Implantat den Patienten schnell 1.000-3.000 Euro kosten, rechnet „Spiegel Online“ vor, bei mehreren Lücken sind bis zu 10.000 Euro möglich. Die gesetzlichen Kassen erstatten aber nur den 50prozentigen Zuschuss, den sie für eine metallische Brücke zahlen würden — ganze 387 Euro (Stand 2016).

Die drohenden Kosten machen Zahn-Policen zu den beliebtesten Krankenzusatzversicherungen in Deutschland. Insgesamt halten die Deutschen rund 26,03 Millionen Zusatzverträge, andere Arten eingerechnet. Sie sind Hoffnungsträger der Branche in einer Zeit, in der das Neugeschäft mit privaten Krankenvollversicherungen Schwächen zeigt. Unter dem Strich haben die PKVen auch 2018 netto Mitglieder verloren: Die Zahl der Krankenvollversicherten sank nach vorläufigen Zahlen um 17.100 Versicherte oder 0,2 Prozent. Gegen Ende des Jahres zählten die Privatversicherer noch 8.736.300 Mitglieder.

Die Zahl der Zahnzusatzversicherungen ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen.PKV Verband

Gepflegte Zähne sind eine Visitenkarte

Das zugrundeliegende GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) von 2004 war und ist heftig umstritten: Es stellt sich die Frage, ob nicht gerade Menschen mit geringem Einkommen benachteiligt werden, wenn sich die Kassen aus der Finanzierung des Zahnersatzes weitestgehend zurückziehen. Denn Zähne sind auch eine Visitenkarte, die über Status und Ansehen einer Person mitentscheiden:

79 Prozent der Bundesbürger sind davon überzeugt, dass gepflegte Zähne einen wesentlichen Einfluss auf den beruflichen Erfolg haben, so eine Umfrage des Marktforschers promio.net. Immerhin die Hälfte aller Befragten leitete den sozialen Status einer Person anhand der Zähne ab. Eine gut sichtbare Zahnlücke kann also zu Nachteilen etwa bei der Job- und Wohnungssuche führen und dazu beitragen, dass Menschen vorverurteilt werden.

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Darüber hinaus können Zahnlücken das Gebiss weiter schädigen und zu Zahnfehlstellungen beitragen. Auch die Bisslage kann sich verändern, da Ober- und Unterkiefer nicht mehr zusammenpassen, und Verspannungen im Kopf und Nacken bewirken: eine sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion. Auch Sprach- und Ausdrucksfehler sind bei Zahnverlust möglich. Die Kassen zahlen folglich nur noch anteilig für eine Leistung, die wichtig ist für Gesundheit, Ansehen und Wohlbefinden eines Menschen.