Versicherungsbote: Bereits im Januar 2018 ist die Betriebsrentenreform in Kraft getreten. Die Zahl der Angebote nach dem sogenannten Sozialpartnermodell ist bisher noch recht überschaubar. Woran könnte das liegen?

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Jürgen Bierbaum: Das Angebot ist in der Tat überschaubar. Sie dürfen aber nicht unterschätzen, dass die Bundesregierung einen echten Neuanfang in der betrieblichen Altersversorgung gemacht hat. Denn neben der verbesserten Förderung der bisherigen bAV gibt es jetzt zusätzlich ein neues Vorsorgemodell in Form der reinen Beitragszusage über Tarifverträge. Erstmals können Arbeitgeberverbände und Gewerkschaft en Betriebsrenten ohne Garantien und somit ohne Haftung der Arbeitgeber ermöglichen. Jürgen Bierbaum, Vorstand ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a.G.

Mit diesem Sozialpartnermodell begeben wir uns in der betrieblichen Altersversorgung also auf ein vollkommen neues Terrain. Wir müssen nicht, wie sonst üblich, einen Arbeitgeber von uns überzeugen, sondern die Sozialpartner, also Arbeitgeberverbände und Gewerkschaft en. Um hier richtig aufgestellt zu sein, haben sich in den letzten Monaten mehrere Konsortien gebildet. Sie entwickeln Angebote, um Sozialpartnermodelle umzusetzen. Seit dem Sommer zählt dazu auch die Initiative Vorsorge (www.initiative-vorsorge.de). Hier ist die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. Konsortialführer. Die weiteren Partner sind die Lebensversicherung von 1871 a.G. München, die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG und der Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. Die Initiative Vorsorge ist aus Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit gebildet. Diese sind vorrangig ihren Kunden verpflichtet und auch finanzstark. Sie können den Sozialpartnern eine dauerhafte und nachhaltige Zusammenarbeit bieten.

Können Sie berichten, ob es bereits Verhandlungen mit Firmen gibt? Wie wird das neue Modell bei Ihnen nachgefragt?

Bei den Sozialpartnern ist bisher eine Zurückhaltung bezüglich der Einführung entsprechender Versorgungssysteme zu verspüren. Obwohl in diesem Jahr schon einige, auch große Tarifverträge neu verhandelt wurden, wurde die reine Beitragszusage dabei noch nicht berücksichtigt. Erfolg oder Misserfolg der reinen Beitragszusage hängen aber entscheidend vom Engagement der Sozialpartner ab. Ohne entsprechende Tarifverträge machen auch Verhandlungen mit Firmen wenig Sinn.

Ich nehme an, dass bereits erste Gespräche mit Unternehmen und Gewerkschaften stattgefunden haben. Welche Themen sind den Sozialpartnern besonders wichtig? Welche werden gar kontrovers diskutiert?

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Natürlich hat bereits ein reger Gedankenaustausch mit Sozialpartnern und auch einzelnen Unternehmen stattgefunden. Als besonders wichtig wird dabei angesehen, dass die reine Beitragszusage sowohl eine attraktive als auch eine besonders stabile Altersversorgung bietet. Aus diesem Grund ist das Konzept für die Kapitalanlage im Zusammenspiel mit der Leistungsseite entscheidend. Kontroverse Diskussionen gibt es in diesem Zusammenhang über die konkrete Ausgestaltung von Puffermechanismen wie z. B. zusätzlichen Sicherungsbeiträgen der Arbeitgeber.