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Gewerbeversicherung

Gewerbeversicherung - Wie die dynamische Produktentwicklung die Versicherungsbranche umkrempelt

Florian Brokamp, Gründer und Geschäftsführer von Gewerbeversicherung24.Pressefoto Gewerbeversicherung 24

Gewerbetreibende erhalten oftmals ein Versicherungsprodukt „von der Stange“, obwohl sie einen individuellen Tarif wollen, der sich nach ihren Bedürfnissen und den Anforderungen der Branche richtet. Die dynamische Anpassung von Produkten ist im Bereich der Gewerbeversicherungen bis dato eher die Ausnahme als die Regel. Dabei können sowohl Versicherer, aber gerade auch Makler und Gewerbetreibende von Online-Plattformen profitieren. Ein Gastkommentar von Florian Brokamp, Gründer und Geschäftsführer von Gewerbeversicherung 24.

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Airlines bepreisen Flugtickets dynamisch und ihre Fluggäste buchen einzelne Services modular: Mit der Digitalisierung sind nicht nur die Möglichkeiten der Unternehmen, sondern auch die Erwartungen der Kunden rasant gestiegen. In der Versicherungsbranche sind digitale Produkte im privaten Bereich bereits seit geraumer Zeit stark im Kommen. Im Bereich der Gewerbeversicherungen werden die Potentiale von den Versicherern jedoch bislang kaum genutzt. Insbesondere in der Angebotserstellung gibt es viele Chancen.

Die Lage ist jedoch paradox: Versicherer wollen zwar möglichst viel über ihre Kunden beziehungsweise das Risiko wissen, passen Versicherungsschutz und Preise bislang jedoch kaum individuell an.

Risikoeinschätzung als Dreh- und Angelpunkt

Dreh- und Angelpunkt für die Angebotserstellung ist die Risikoeinschätzung. Fakt ist: Die heutige Risikoeinschätzung funktioniert immer noch weitgehend statisch und analog. Versicherungsnehmer werden meistens in Risikogruppen zusammengefasst, die schnell eine Vielzahl an Betriebsarten umfassen, die sich unter Umständen „nur“ ähnlich sind. Wenn man nämlich etwas granularer wird, dann können beispielsweise ein Steuerberater und ein Rechtsanwalt sehr unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sein. Selbst die Risiken zweier Rechtsanwälte müssen mitunter unterschiedlich bewertet werden, obwohl sie im selben Rechtsbereich arbeiten. Versicherer wissen das, können aber bislang nur mit einem Risikofragenbogen Tätigkeitsfelder abfragen und maximal mit Mittelwerten bei der Risikoeinschätzung für diese Gruppen arbeiten. Der Grund: Es fehlen einfach detailliertere Informationen in der Risikoerfassung und in der Angebotserstellung.

Wie eine dynamische Risikoeinschätzung funktionieren kann, lässt sich am besten an einem Beispiel zeigen: Die meisten Fragen zur Erfassung des Schadenrisikos drehen sich um die Frage „Welche Tätigkeit bestimmt maßgeblich das Risiko?“ Das springt zu kurz, denn ebenso entscheidend ist auch die Frage: „Wie wird die Tätigkeit ausgeführt?“. Zur Beantwortung dieser Frage kann etwa der Charakter des Managements oder die Sorgfalt des Teams bei der Arbeit wichtige Hinweise liefern. Damit jedoch solche Informationen abgefragt werden und in die Tarifierung einfließen können, braucht es wiederum dynamische Mechanismen. Denkbare Parameter können hier etwa Kunden- oder Mitarbeiterbewertungen auf Online-Portalen sein – denkbar wäre hier in der Zukunft etwa auch der Einfluss der Social-Media-Aktivität auf die Schadenswahrscheinlichkeit. In der digitalisierten und dynamischen Versicherungswelt der Zukunft wird es dann keine „schlechten“ Risiken mehr geben, sondern nur noch schlecht bepreiste.

Flexible Modularisierung ist noch Mangelware

Versicherungskunden fragen darüber hinaus verstärkt nach Leistungen, die so genau wie möglich an ihre Bedürfnisse angepasst sind, da sie dies aus anderen Lebensbereichen wie etwa dem E-Commerce bereits kennen. In der Versicherungsbranche werden Produkte jedoch häufig nur in mehrjährigen Intervallen angepasst. Eine schnelle Adaption ist noch Mangelware. Das trifft insbesondere auch auf Gewerbeversicherungen zu, da diese Policen vergleichsweise komplex sind und es an Transparenz im Markt fehlt. Daher sind besonders dort Produktinnovationen bislang rar und eine flexible Modularisierung einzelner Leistungen, wie etwa änderbare Sublimits bei Tarifdetails, nicht standardisiert möglich.

Fakt ist: Für eine flexible Produktanpassung fehlen den Versicherern sowohl die technischen Möglichkeiten als auch oft die Kundendaten, die ihnen Aufschluss über deren Bedürfnisse geben können. Dabei hat die Dynamisierung und Digitalisierung der Produkte mit einer umfangreichen Erfassung der Risiken für Versicherer vor allem zwei Vorteile:

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  1. Kosteneinsparungspotenziale: Durch die dynamische Produktentwicklung kann ein Versicherer sein Portfolio ständig aktiv den Marktgegebenheiten anpassen und schnell auf neue Trends reagieren. Dadurch können Versicherer künftig Kosten bei der Akquise, Vertragsbearbeitung und auch bei der Entwicklung sparen.
  2. Effizientere Angebotserstellung: Durch Big Data und maschinelles Lernen werden Muster in der Risikoeinschätzung erkennbar. Hat das Programm ein Risiko und die zugehörige Angebotserstellung erst häufig genug gespeichert, wird es möglich sein, Unternehmen mit ungewöhnlichem Risiko – wie beispielsweise produzierende Mittelständler – standardisierter zu berechnen. Risikoeinschätzungen vor Ort werden nur noch in Ausnahmefällen nötig sein.

Online-Plattformen vernetzen Versicherer, Makler und Verbraucher

Versicherer sollten daher ihre Produktentwicklung in Frage stellen, damit künftig ein individuellerer und unternehmensbezogener Versicherungsschutz bei gleichzeitig niedrigeren Kosten möglich ist. Mit Hilfe von Online-Tech-Playern ist es möglich, Versicherer, Makler und Gewerbetreibende auf eine Plattform zu bringen und miteinander in einer Datenlandschaft zu vernetzen. Denn der Schlüssel zur akkurateren Risikoerfassung ist die Datenerfassung. Durch die holistische Datenerfassung von Angebot und Nachfrage sind solche Plattformen daher in der Lage, die Bedürfnisse des Versicherungsmarktes genauer vorherzusagen und auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren – etwa, wenn durch steigende Transparenz der Wettbewerbs- und Kostendruck die Versicherer noch stärker erfasst.

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