Als die Finanzagentur des Bundes am vergangenen Mittwoch am Kapitalmarkt 3,2 Milliarden Euro für fünf Jahre lieh, waren die Zinsen auf historischem Tiefststand. Magere 0,42% brachten die Papiere, vor wenigen Jahren waren es noch 4% Rendite. Was den Finanzminister freut, wird zu einem Problem der Lebensversicherer als klassischer Käufer dieser Anleihen. Die geringen Zinsen der sicheren Staatsanleihen könnten in naher Zukunft einige Versicherungsunternehmen in Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Renditeversprechen bringen. Davor warnen inzwischen Experten des Bundesfinanzministeriums. Um dem entgegenzuwirken, beschloss der Bundestag am Donnerstagabend einige Erleichterungen, unter anderem müssen die Versicherer sogenannte Bewertungsreserven in geringerem Umfang als bisher an die Kunden auszahlen.

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Ob diese Hilfe tatsächlich nötig ist, ist umstritten. Der GDV bekräftigt: "die deutsche Lebensversicherung ist sicher". Und auch die am Freitag veröffentlichten Zahlen der Allianz geben keinen Anlass zur Sorge. in der Lebens- und Krankenversicherungssparte verdiente der Konzern im dritten Quartal 2012 operativ mehr als 800 Millionen Euro, das sind fast 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick sieht die Hilfen des Bundes daher skeptisch, sie seien eine einseitige Hilfe für die Versicherer, während die Kunden zusehen müssten, wie ihre fest eingeplante Altersvorsorge dahin schmelze. Der derzeitige Garantiezins von 1,75 liegt unterhalb der aktuellen Inflationsrate.

Die Lebensversicherung erscheint daher als Kapitalanlage nicht mehr lohnend. Bereits 2004 büßte sie deutlich an Attraktivität ein, als das Steuerprivileg für Erträge aus Lebensversicherungen wegfiel und die Hälfte des Geldes versteuert wurde. 280 Milliarden Euro haben die Deutschen derzeit in 93 Millionen Lebensversicherungsverträgen angelegt – Tendenz rückläufig.

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Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät im Gespräch mit dem Spiegel vom Abschluss einer Kapitallebensversicherungen ab. Neben der schlechten Rendite seien die langen Laufzeiten ein Problem, kaum ein Kunde wisse, ob er in 20 Jahren noch die gleichen Beiträge wie heute leisten könne. Darüberhinaus bezeichnet er die Kapitallebensversicherung als „intransparentes Produkt“, die Anlagestrategie der Versicherer bleibe im Dunkeln und der Kunde müsse sich den Garantiezins mühsam selbst ausrechnen. Auch Grünen-Finanzexperte Schick fordert mehr Klarheit in den Verträgen. "Sie können als Kunde nicht nachvollziehen, was Sie letztendlich rausbekommen", sagte er dem Spiegel.