Wer Chinas Großstädte bereist, der braucht belastbare Atmungsorgane. Laut Messungen der US-Botschaft in Peking entspricht die Schadstoffbelastung in Chinas Hauptstadt mehr als dem 14fachen der von der Weltgesundheitsorganisation (WTO) empfohlenen Grenzwerte. Mitunter ist der Smog so stark, dass Autofahrer in Peking die Ampeln nicht mehr erkennen können und es zu Massenunfällen kommt. Auch andere Metropolen kämpfen mit Smog und Feinstaub – der Abhängigkeit Chinas von Kohlekraft und dem größten Automarkt der Welt sei dank.

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Da mag es kaum verwundern, dass man sich als Tourist im Reich der Mitte neuerdings gegen den Mief versichern lassen kann. Das Online-Reiseunternehmen ctrip.com und die führende chinesische Versicherung Ping An verkaufen seit Dienstag letzter Woche Smog-Versicherungen, wie das China Internet Information Center (CIIC) berichtet. Buchen Touristen einen Trip, der zwischen drei bis sieben Tage dauert, erhalten sie automatisch die Möglichkeit, eine Smog-Versicherung für 10 bis 15 Yuan (entspricht etwa 1,75 Euro) abzuschließen.

Versicherung erbringt Leistung, wenn Smog-Grenzwerte überschritten

Die Versicherungssumme von 50 Yuan pro Tag wird dann ausgezahlt, wenn der Luftqualitätsindex ein bestimmtes Level überschreitet und die Reisenden mindestens zwei Tage in der jeweiligen Stadt bleiben, wie ein Sprecher von ctrip.com erklärte. Aktuell gibt es den Smog-Schutz für sechs Großstädte, die bei Touristen besonders beliebt sind. In Peking und Xian muss die Feinstaubbelastung über 200 liegen, in Harbin und Chengdu reicht ein Grenzwert von 150, in Shanghai und Guangzhou von 100. Zum Messen der Luftverschmutzung bietet der Versicherer eine spezielle App an.

Bao Xianmei, Produktmanager bei der Ping An Versicherung, will das neue Produkt auch als Appell verstanden wissen. "Wir versuchen die Öffentlichkeit für die sich verschlechternde Luftqualität zu sensibilisieren und auf die Langzeitfolgen für Menschen aufmerksam zu machen. Wir hoffen, dass wir dadurch einen kohlenstoffarmen Lebensstil propagieren können", erklärte Bao gegenüber CIIC. Wenn die Versicherung wie erhofft großen Anklang findet, wollen die beiden Firmen sie auch für andere Metropolen anbieten.

Hohe Luftverschmutzung – aber auch Investment in Umweltschutz

Hauptursache für den Smog in China ist die Kohleabhängigkeit bei der Energiegewinnung. Laut einer Studie der Universität Leeds im Auftrag von Greenpeace ist die Verbrennung von Kohle für 58 Prozent der Luftverschmutzung verantwortlich. Weitere 25 Prozent tragen Autoabgase dazu bei. Im Jahr 2010 wurden nach Angaben der chinesischen Regierung erstmals über 100 Millionen Fahrzeuge in China zugelassen, bei den Autoverkäufen ist China mit 18,26 Millionen Fahrzeugen pro Jahr weltweit spitze vor Japan (9,62 Millionen) und den USA (7,76 Millionen, Angaben nach OICA).

Dringt die verschmutzte Luft in die Atmungsorgane, sammelt sich im inneren des Körpers ein giftiger Cocktail aus Stickoxiden, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Ruß. Übelkeit und Kopfschmerzen, Augen- und Hautreizungen, Husten mit Auswurf, Entzündungen der Atemwege und Herz-Kreislauferkrankungen können die Folge sein.

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Dass hier gegengesteuert werden muss, weiß aber auch die chinesische Regierung: 2010 investierte das Land rund 54,4 Mrd. US-Dollar in Ökostromprojekte sowie in die Forschung, wie aus einer Studie der PEW-Umweltgruppe in Washington hervorgeht. Das ist mehr Geld, als die Bundesregierung in die Energiewende steckte (41,2 Milliarden Dollar).

CIIC