In Deutschland sind die Verbraucherpreise auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen. So müssen die Bundesbürger für Waren und Dienstleistungen im Schnitt 2,4 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahresmonat, wie aus vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für den Monat April hervorgeht. Zuletzt wurde eine ähnlich hohe Teuerung im Oktober 2008 gemessen.

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Steigende Energie- und Lebensmittelkosten

Besonders die hohen Energiekosten machen sich im Portemonnaie der Deutschen bemerkbar. Im März 2011 stieg der Preis für leichtes Heizöl im Vergleich zum Vorjahresmonat um 32,8 Prozent, für Dieselkraftstoff mussten die Bürger 19,2 Prozent mehr berappen. Auch bei Lebensmitteln lassen sich auffällige Preisexplosionen beobachten: Butter ist beispielsweise im Schnitt 28,4 Prozent teurer als vor einem Jahr, der Preis für Kartoffeln kletterte im selben Zeitraum um 27,5 Prozent.

Von stabilen Preisen kann folglich keine Rede sein. Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf warnt: „Die Inflationsrisiken in Deutschland sind mittlerweile akut“. Selbst die Konjunkturerholung bringe keine wirkliche Entlastung, da die Unternehmen ihre ebenfalls gestiegenen Kosten - etwa für Energie infolge der nordafrikanischen und arabischen Unruhen - an die Endverbraucher weitergeben.

Doch nicht nur in Deutschland ist die Inflation hoch, im gesamten Euro-Raum steigen die Preise. Im März betrug die jährliche Teuerungsrate in den siebzehn Euro-Ländern 2,7 Prozent. Da die Europäische Zentralbank (EZB) eine Preisstabilität nur bei Raten unterhalb von 2 Prozent gewährleistet sieht, erwarten Experten, dass der Leitzins für den Euro-Raum in den nächsten Monaten weiter angehoben wird. Erst vor zwei Wochen hatte die Notenbank den Zins um 0,25 Prozent erhöht, um der Inflation entgegen zu wirken.

Konsumlaune der Deutschen erhält Dämpfer

Die Inflation wirkt sich auch negativ auf die Kauflaune der Deutschen aus. Die Verbraucher beurteilen ihre finanzielle Situation pessimistischer als im Vormonat, der Konsumklimaindex ist von 5,9 auf 5,7 Punkte gefallen. "Höhere Preise, die Atomkatastrophe in Japan sowie die Unruhen in Nordafrika und Nahost lassen die Rahmenbedingungen für die Konsumenten im Augenblick nicht mehr ganz so rosig erscheinen", teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit.

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Dennoch ist das Konsumklima in Deutschland nach Einschätzung des GFK-Vorstandsvorsitzenden Klaus Wübbenhorst stabil. "Die guten wirtschaftlichen Fundamentaldaten sprechen für einen erneuten Anstieg der Konsumstimmung im Sommer", äußerte der Finanzexperte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die sinkende Arbeitslosigkeit und höhere Löhne würden sich ebenfalls positiv auf das Konsumklima auswirken.