Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 81,11 Prozent erreicht die Provinzial Versicherung 2024 Rang acht im Branchenvergleich der Wohngebäudeversicherung. Damit gehört sie trotz außergewöhnlicher Vorbelastungen in den Vorjahren zu den Schaden-Kosten-Siegern des Jahres.
Der Blick auf den Zeitverlauf zeigt jedoch, wie stark einzelne Extremereignisse die Quote verzerren können. Besonders einschneidend war das Ahrtal-Hochwasser 2021: In diesem Jahr explodierte die Schaden-Kosten-Quote auf 201,25 Prozent, 2022 lag sie immer noch bei 119,26 Prozent. Abseits dieser beiden Ausnahmejahre arbeitete die Provinzial jedoch durchgängig auskömmlich. Der Sechsjahresschnitt von 108,67 Prozent bleibt allein wegen der Ahrtal-Belastung über der Kostendeckungsgrenze und spiegelt daher nicht die operative Normalleistung wider.
Ergebnis: Spitzenwert trotz extremer Ausschläge
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung beträgt 2024 39,71 Millionen Euro und ist damit das beste Ergebnis der gesamten Branche. Dieser Spitzenwert unterstreicht, dass die Provinzial nach den außergewöhnlichen Belastungen der Vorjahre operativ wieder deutlich an Ertragskraft gewonnen hat. Der Mehrjahresvergleich zeigt jedoch eine ausgeprägte Ergebnisvolatilität. Im Ahrtal-Jahr 2021 entstand ein Verlust von minus 435,16 Millionen Euro, 2022 folgte ein weiterer von minus 150,66 Millionen Euro. Diese beiden Extremjahre dominieren den Zeitraum vollständig und drücken den Durchschnitt 2019 bis 2024 auf minus 75,69 Millionen Euro.
Gerade dieser Kontrast macht die Struktur der Wohngebäudeversicherung sichtbar: Selbst ein Anbieter, der 2024 das beste versicherungstechnische Ergebnis des Marktes erzielt, kann im Mehrjahresvergleich tief ins Minus rutschen, wenn regionale Großereignisse wie das Ahrtal das Schadenbild prägen. Die Ergebniszahlen sind damit weniger Ausdruck laufender Steuerung als Spiegel außergewöhnlicher Katastrophenjahre.
Preisprofil: hohes Niveau, stark angepasst
Die Durchschnittsprämien je Vertrag liegen bei der Provinzial deutlich über dem Marktdurchschnitt. Von 612,77 Euro im Jahr 2019 stiegen sie bis 2024 auf 1.038,60 Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 69,5 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
Allein gegenüber 2023 (954,20 Euro) ergibt sich ein Plus von 8,9 Prozent. Damit zählt die Provinzial 2024 zu den sieben teuersten Anbietern im Markt – ein markanter Kontrast zu den deutlich günstiger positionierten HUK-Gesellschaften.
Diese Einordnung darf jedoch nicht isoliert erfolgen. Die Höhe der Durchschnittsprämien in der Wohngebäudeversicherung wird maßgeblich durch regionale Risikolagen, durchschnittliche Versicherungssummen, den Anteil elementargefährdeter Risiken, die Art der Tarifkalkulation (gleitender Neuwert, Wohnflächenmodell) sowie durch Bestandsstruktur und Baualtersklassen beeinflusst. Anbieter mit hoher regionaler Exponierung in schadenanfälligen Gebieten und mit überdurchschnittlichen Deckungssummen weisen daher systematisch höhere Prämien auf – unabhängig von der operativen Effizienz der Schaden- und Kostensteuerung.
Schadenaufwendungen je Vertrag: Unglücksjahr 2021 prägt die Statistik
Die Schadenaufwendungen je Versicherungsvertrag verdeutlichen die außergewöhnliche Belastung durch Extremereignisse. 2024 liegen sie bei 596,19 Euro; lediglich zehn Anbieter weisen höhere Werte aus. Zum Vergleich: 2019 betrugen die Schadenaufwendungen noch 384,87 Euro. 2021 erreichten sie mit 1.292,97 Euro je Vertrag jedoch einen Extremwert, 2022 lagen sie immer noch bei 787,82 Euro. Der Verlauf zeigt, dass die hohe Preispositionierung nicht Ausdruck komfortabler Margen ist, sondern wesentlich der Absicherung sehr hoher Schadenlasten dient.
Einordnung: Marktführer mit regionalem Klumpenrisiko
Mit 1,132 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 8,54 Prozent und Rang zwei nach Prämienvolumen zählt die Provinzial zu den größten Wohngebäudeversicherern Deutschlands. Die Platzierung unter den Schaden-Kosten-Siegern 2024 ist daher besonders einzuordnen: Sie resultiert nicht aus dauerhaft niedriger Schadenbelastung, sondern aus einer Kombination aus hoher Prämienbasis, konsequenter Anpassung nach Extremjahren und dem Ausbleiben neuer Großereignisse im Jahr 2024. Die Provinzial steht damit exemplarisch für das Spannungsfeld der Wohngebäudeversicherung: große Volumina erhöhen die Stabilität – verstärken aber zugleich die Wirkung regionaler Katastrophen.