Politik
Altersvorsorge | 26.08.11
 

Riester: Gutes Geschäft für Banken und Versicherungen

Für Banken ist die Riester-Rente ein lukratives Geschäft. Seit Einführung der staatlich geförderten Altersvorsorge im Jahr 2002 kassierten die Geldhäuser rund 5,9 Milliarden Euro allein für Provisionen und Verwaltung.

Dies berichtet die Leipziger Volkszeitung mit Berufung auf Daten des Bundesfinanzministeriums. Nach Angaben des Blattes liegt damit der Sparanteil von Riester-Produkten im Durchschnitt bei 84 Prozent. Der Rest verbleibt bei Geldhäusern und Versicherungsunternehmen und landet nicht im Vorsorgevermögen der Sparer.

Die Zahlen gehen auf eine parlamentarische Anfrage der Linkspartei an die Bundesregierung zurück. Da der Staat seit Einführung der Riester-Rente rund 8,2 Milliarden Euro an Zulagen beisteuerte, wertet Linksparteichef Klaus Ernst die Daten als Beleg dafür, dass der Großteil an Riester-Subventionen direkt in die Tasche der privaten Versicherungswirtschaft geflossen ist.

„Jetzt ist nicht mehr zu leugnen, dass von den Riesterzulagen vor allem Banken und Versicherungen profitieren. Milliarden versickern in deren Kassen“, erklärte der Politiker gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Ernst schlug vor, die Mittel stattdessen für die Finanzierung einer Mindestrente von 850 Euro zu verwenden. Denn die Riester-Produkte werden auch in den nächsten Jahren hoch bezuschusst: Bis zum Jahr 2017 ist eine weitere staatliche Förderung in Höhe von 17,3 Milliarden Euro vorgesehen.

Erfolgreich, doch oft kritisiert

Bisher entpuppte sich die Riester-Rente als gutes Geschäft für die Versicherungsbranche. Ungefähr 14,6 Millionen Verträge wurden seit der Einführung abgeschlossen (Stand: Juni 2011). Doch undurchsichtige Verträge, falsch berechnete Provisionen und Renditen, die nicht die Erwartungen der Sparer erfüllen konnten, brachten die Produkte immer wieder in die Kritik.

Die Wirkung blieb nicht aus: Innerhalb der ersten sechs Jahre haben rund 1,4 Millionen Kunden ihre Verträge gekündigt, weitere 1,8 Millionen „ruhend gestellt“, zahlen also keine Beiträge mehr. Derzeit versucht das Bundesministerium für Finanzen das Image der Riester-Produkte zu verbessern und ein einheitliches Produktblatt einzuführen, um die Policen transparenter zu gestalten. So soll der Kunde genauer über die Kosten eines Vertrages informiert werden.

 
 

Kommentare (1)Kommentar schreiben
 
Selektive Amnesie 
Solange der Autor ernsthaft der Meinung ist, Riester ist ein Produkt für den Kunden, solange wird wohl auch ihm nicht zu helfen sein.
Riester ist ein politisch legitimiertes Produkt der Versicherungswirtschaft, und an Produkten will der Anbieter verdienen. Alles andere ist Heuchelei. Ich möchte einmal jemanden erleben, der ehrlich sagt, was "riestern" wirklich bedeutet.
Und ich möchte mal wissen, warum Versicherer immer denlen, ich werde über 90 jahre alt statt nur die statistischen 78. Sind das jetzt nun seriöse Anbieter oder Glaskugelbesitzer.
Und wirklich das Letzte ist diese angesprochene Initiative des BMF. Leider bleibt der Urheber der Initiative verborgen, aber ich denke, wir ahnen es ja doch, wer dahinter steckt ...
geschrieben von Oliver am 17.09.2011 14:00
 
 
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