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25.02.2015

MillionenforderungAxa - Mehmet Göker muss 2,6 Millionen Euro zurückzahlen

Mehmet Göker, der alte Fuchs: Axa fordert Millionen zurück, Göker denkt gar nicht daran.tpsdave at pixabay

MEG-Gründer Mehmet Göker muss Versicherer Axa 2,6 Millionen Euro zurückzahlen. Das bestätigte das Oberlandesgericht Kassel gestern im Berufungsverfahren (Aktenzeichen 14 U 132/12), so ein Gerichtssprecher gegenüber Handelsblatt Online. Die Forderung der Axa bezieht sich auf den so genannten Courtagehaftungsanspruch. Dieser Anspruch, so die Axa-Anwälte gegenüber dem Handelsblatt, sei „Teil der Abschlussprovision, die die MEG der Klägerin aufgrund der Stornierung erstatten muss“.

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Insgesamt hatte Europas zweitgrößter Versicherer Axa 2008 als Provisionsvorschuss 3,1 Millionen Euro an Göker überwiesen. Der Finanzvertrieb MEG aber ging im Jahr darauf pleite und Göker vermittelte keine weiteren Kunden an Axa, damit war der Großteil der Provisionszahlungen obsolet geworden. Doch vor seiner Pleite hatte Göker noch den einen oder anderen Neukunden angeworben, so dass Axa die Summe heute nicht in Gänze zurück fordert.

Zwei Berühmtheiten treffen aufeinander

In der Vergangenheit war nicht nur Mehmet Göker durch sein verschlagenes Vorgehen zur Berühmtheit geworden, auch hat das Landgericht Kassel in Folge seiner Überlastung und seiner geruhsamen Schritte gegen Göker Bekanntheit erlangt und einiges an Schelte abbekommen. Obschon dem Gericht in Kassel schon sehr lange Einiges an belastendem Material gegen Göker vorlag, kam es nur sehr zögerlich zu ersten Schritten gegen Göker. Der Sprecher des Landgerichtes Kassel entschuldigte die Untätigkeit des Gerichts damals mit den Argumenten, dass sich Göker zum einen in die Türkei abgesetzt und so der deutschen Justiz entzogen habe, denn es existiere keine Auslieferungsvereinbarung mit dem Land. Darüber hinaus habe das Landgericht Kassel mit personellen Engpässen zu kämpfen. Wie das Handelsblatt heute mitteilte, hat sich das Landgericht Kassel nun also offenbar zu neuer Aktivität durchringen können.

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Die Axa bezieht sich in ihrer aktuellen Forderung auf den so genannten Courtagehaftungsanspruch. Dieser Anspruch, so die Axa-Anwälte gegenüber dem Handelsblatt, sind „Teil der Abschlussprovision, die die MEG der Klägerin aufgrund der Stornierung erstatten muss“. Aus diesem Grund fordert Axa nun 2,6 Millionen Euro von Göker zurück.

Axa optimistisch im Fall Göker

„Wir haben schon im Jahr 2010 einen Vollstreckungsbescheid gegen Herrn Göker erstritten“, äußerte sich ein Sprecher der Axa. Daran schlossen sich gerichtliche Verfahren in erster und zweiter Instanz an. Vor dem aktuellen Prozess gab sich die Axa optimistisch: „Wir gehen davon aus, unsere Ansprüche gegen Herrn Göker realisieren zu können“, sagte der Sprecher.

Die Axa erzielte nach einem Mahnverfahren einen Vollstreckungsbescheid gegen Göker. In der Vorinstanz bestätigte das Landgericht Kassel aber lediglich 1,3 Millionen Euro. Die Axa ging in Berufung und das Oberlandesgericht Kassel bestätigte den vollen Anspruch von 2,6 Millionen Euro, wie ein Gerichtssprecher dem Handelsblatt Online bestätigte (Az 14 U 132/12).

Lange Liste von Verfahren

Mehmet Göker ist bereits in früheren Verfahren rechtskräftig verurteilt wurden. 2008 wurde er wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltung von Arbeitsentgelten zu einer Geldstrafe von 210.000 Euro verpflichtet. Im September 2011 erhielt er wegen Untreue eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten.

Zum Ende des Jahres 2010 hatte das Kasseler Landgericht den Sparfuchs verurteilt, der Allianz die erhaltenen Vorschüsse zurück zu zahlen. Wenig später mussten dann auch Gökers Meg-Kollegen ihre Vorschüsse an die Allianz zurückzahlen. Der Gesamtwert dieser Rückzahlung belief sich damals auf 3.4 Millionen Euro. Kurz darauf, im Februar 2011, klagte dann bereits die Axa gegen Göker.

Gemeinschaftlicher Betrug und Datensätze als Konkursmasse

Im Jahr 2012 hat die Staatsanwaltschaft Kassel erstmals Anklage wegen gemeinschaftlichen Betrugs erlassen, berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Göker soll seinen Fuhrparkchef nicht direkt, sondern über seine Frau entlohnt haben. Der Mann hatte selbst ein Insolvenzverfahren anhängig, musste durch Gökers indirekte Entlohnung aber sein Gehalt nicht pfänden lassen. Im April 2013 folgt die nächste Klage wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen sowie wegen des Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetz. Der Vorwurf: Göker habe sich 495.000 MEG-Datensätze beschafft und sie aus der Türkei heraus weiterverkauft. Die Datensätze hätten in die MEG-Konkursmasse gehört.

Die jüngste Klage gegen Göker lag im November 2014 bei der Kasseler Staatsanwaltschaft. Mittelpunkt dieser Klage war der Umstand, dass Göker nach seiner Pleite zwölf seiner Ferienhäuser aus der Insolvenzmasse gerettet hatte, womit sich Göker wiederum einen Gesamtwert von 1,1 Millionen Euro sicherte.

Stolzer Sparfuchs

Göker hatte zuvor bereits lange mit einem Insolvenzverfahren zu kämpfen, bis er sich im August 2014 mit dem Insolvenzverwalter Fritz Wetshelle auf eine Rückzahlung von 200 000 Euro einigte, die Göker an seine Gläubiger leistete. Damit hatte Göker erneut großes Geschick beim Einsparen größerer Beträge bewiesen. Alles in allem hatte er die ursprüngliche Forderung des Insolvenzverwalters von vier Millionen Euro doch ganz passabel herunter gehandelt.

Auf seiner Facebook Seite postete der Meg-Gründer entsprechend selbstsicher: „Damit habe ich weitere 4 Millionen Euro abgebaut, 2 Millionen Prozess gegen die Axa gewonnen, 1,5 Millionen bei der Inter abgebaut, eine Million mit der Allianz, 500.000 mit der Central – somit 9 von 17 Millionen abgebaut – wer hätte das vor vier Jahren gedacht – bleiben noch 8 Millionen und die kriege ich auch hin!!!“

Schlaflose Nächte in der Branche: Göker will erzählen, wie alles gewesen ist

Göker hatte im Akkord private Krankenversicherungen am Telefon vermittelt, meist mit einer bemerkenswert schlechten Beratung. Die Stornierungsraten wuchsen. Gleichzeitig wuchsen Gökers Courtagen, die dieser aufgrund seines, auf den ersten Blick so erfolgreichen, Geschäftsmodells einstreichen konnte. Bald aber lag die Stornierungsquote bei MEG bei über 90 Prozent, Göker musste sich seine Pleite eingestehen und setzte sich mit einem erdrückenden Schuldenberg (50 Millionen Euro) vorläufig in die Türkei ab.

Göker: "Die hätten mir das Geld über den Kopf geschüttet"

Unlängst hatte der Sohn eines türkischen Schusters aus Kassel angekündigt, seine Autobiographie zu schreiben. Darin will er „alles so erzählen, wie es nun einmal gewesen ist“, erklärte der 35jährige dem Handelsblatt. Bei vielen Versicherungen könnte diese Ankündigung für schlaflose Nächte sorgen. Zum Beispiel will Göker auch enthüllen, wie Vorstände um die höchsten Provisionen für MEG gebuhlt haben. „Ich musste nicht einmal die Hand aufhalten, die hätten mir das Geld über den Kopf geschüttet“, so Göker.

Wie beschämend unkritisch die Versicherungen sich mit dem umstrittenen Finanzvertrieb des Mehmet Göker eingelassen haben, bewies 2012 bereits der Dokumentarfilm „Versicherungsvertreter“ von Klaus Stern. Eine besonders kompromittierende Szene musste von Stern angesichts der Androhung von sechs Monaten Haft heraus geschnitten werden...

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Handelsblatt, Hannoversche Allgemeine

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