Anzeige

Facebook ProfilTwitter ProfilGoogle Plus ProfilXing Profil
23.02.2015

KommentarRente kann auf dem Bierdeckel erklärt werden! - Die Gegenrede

klartextfinanzen

Rente - „Berater, die Rentenlücken auf einem Bierdeckel berechnen, werden wohl auf Dauer verschwinden“, schreibt das Finanzmagazin „Value“. Versicherungsbote-Autor Markus Rieksmeier widerspricht dieser These. Kunden müssen „das mit der Rente“ zunächst einmal verstehen.

Anzeige


An einer schnellen Rentenprognose für Kunden hatten Kritiker der Assekuranz in der Vergangenheit nicht viel Positives gesehen. Schnelle Ergebnisse, eigentlich etwas positives, führten im Anschluss vorschnell zum Produktverkauf. Nun meint Prof. Klaus Jaeger im Magazin „Value“ (vormals „Versicherungsvertrieb“) die Kaste der Schnellrechner werde „wohl auf Dauer verschwinden“. Zumindest will die Überschrift des Beitrags das glauben machen.

Das Ziel: 10 Berater = 1 Ergebnis

Allerdings muss man Prof. Jaegers Aussage in einen Gesamtzusammenhang einordnen. Der eremitierte Ökonom der FU Berlin zielt mit seinem Beitrag auf einen Standard für alle Berater und Kunden. „Renditepapst“ Jaeger, wie manche ihn erfurchtsvoll nennen, hat die Beratungssoftware „Defino“ mitentwickelt. Generelles Ziel der Software ist, dass je Kunde und unabhängig vom Berater nur noch ein Ergebnis für den Finanzplan produziert wird.

Dazu haben die Entwickler von Defino auf wissenschaftlichem Fundament einen Algorithmus geschaffen, der zunächst die Finanzlage des Kunden korrekt abbildet. Nach einer Art Kassensturz steuert die Software die kleinen und großen Geldflüsse des Kundenhaushalts; sagt also, wo wie viel Geld umverteilt werden soll. Vor den eigentlichen monetären Bedarf stellt dieser Logikablauf die Bedürfnisse des Kunden und ermittelt ein Existenzminimum.

Ein Berufsunfähigkeitsschutz, zum Beispiel, unter 700 Euro macht im Falles des Falles keinen wirtschaftlichen Sinn. Wenn Krankheit für immer bleibt, dann bekommen Invaliditätsleistungen erst oberhalb des Existenzminimums von Hartz IV einen Effekt. An dieser Grundbedingung und abhängig von der Liquidität des Kunden orientieren sich die Defino-Handlungsempfehlungen. Das Ergebnis zeigt eine nach Prioritäten sortierte Liste für Vermittler und Verbraucher.

Maßstab Liquidität

Je nach konkreter Liquidität des Kunden sortiert Defino die Liste quasi dynamisch um, ergänzt, kürzt oder terminiert Handlungsempfehlungen. Letztere können Produktbedarfe betreffen, aber auch das Verhalten des Kunden; sinngemäß etwa: „lege monatlich 100 Euro aufs Sparkonto, bis 3.000 Euro Guthaben erreicht sind“. Vor diese To-do-Liste haben der Gesetzgeber und die Programmierer von Defino und anderen Programmen aber den Schweiß gesetzt.

Massenweise Kundendaten müssen eingegeben werden, damit die Software die Finanzlage des Kunden vollständig und damit korrekt verarbeitet. Außerdem soll Software von Defino & Co den Berater auch umfassend enthaften, weil alle Finanzthemen verarbeitet und letztlich auch dokumentiert werden.

50 Seiten Papier sind zuviel

Das Papierergebnis einer Haushaltsanalyse über alle Finanzthemen umfasst gut und gern 50 Seiten. Mancher Berater hat seinem Klienten auch schon mal Ausdrucke mit 300 Seiten Umfang präsentiert. Der aufgeblähte Umfang der Datenaufnahme lässt dem menschlichen Teil des Gesprächs zwischen Fachmann und Laie nur noch wenig Raum. Zum Beispiel das Verstehen einfacher Zusammenhänge. Gesetzlich Rentenversicherte verstehen seit mehr als hundert Jahren kaum die Bedeutung von Einkommen und Rentenhöhe – zumindest nicht konkret und mit ihren eigenen Rentenzahlen.

Kunde rechnet selbst

Dabei wäre „das mit der Rente“ ein Geheimnis, welches die Verbraucher gerne einmal entschlüsselt hätten. Es ist sicherlich keine neue Erkenntnis: Verständige Bürger kaufen lieber das, was sie verstehen. Wenn sie ihre Rentenlücke schwarz auf weiß lesen können, verstehen die Menschen ihren Sparbedarf eher. Noch besser wäre: Verbraucher und Versicherte berechneten ihre Rente selbst. Die Selbstbedienung auf dem Rentenrechner lässt den Kunden glauben, was er selbst berechnet. Ziel des Ganzen ist aber kein Schnellschuss zum Riester- oder Rürup-Antrag. Vielmehr sollen sich die Kunden ein Stück weit selbst mit ihrer Rente befassen. Dies öffnet ihre Sinne für das große Thema Geld und Vorsorge.

Eine kleine Erklärungshilfe erzeugt Gesprächsbereitschaft für die große Finanzanalyse


Die Grafik zeigt es. Der Kunde kann seinen Rentenanspruch selbst ermitteln – die Abweichung der Bierdeckelrechnung beträgt im Vergleich zur „echten“ Rentenformel knapp drei Prozent. Dies ist im Vergleich zur unbekannten Einkommenszukunft eines heute 35-jährigen Arbeitnehmers ein geringe Abweichung. Für Experten: Hier ist der „entschlü§§elte" Rentendeckel beschrieben und hier ist er anhand der Rentenformel dokumentiert. Das Neue an der Berechnung ist lediglich die zumutbar, weil korrekt gekürzte Formel. Der Kunde rechnet selbst; der Berater morderiert.

Anzeige


Fazit: Der Finanzberater braucht demnächst zweierlei: Eine Software mit einem korrekten und vollständigen Regelwerk für den Geldhaushalt und die Vorsorge des Kunden. Und das schnelle Tool, das den Kunden beteiligt und nicht aus der komplizierten Versicherungswelt ausschließt. Sozialwissenschaftler nennen eine solche These „Teilhabe“. Mit Recht. Und das gilt auch für Rente, Geld und Vorsorge.

Artikel bewerten

gefällt mir 
 
05

0
 
Artikel empfehlen

Anzeige

Umfrage zur Weiterbildung