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| 05.04.2012
Bundesliga 

Doppelpass ins finanzielle Abseits

Doppelpass ins finanzielle Abseits Wie verdient, so zerronnen? Auch bei Fußballstars ist die Rente nicht immer sicher.
Foto: Talaj@iStockphoto.com

Bundesligaspieler verdienen Millionen, haben die schönsten Frauen, fahren teure Autos und leben in Saus und Braus. Nach der Karriere fallen viele Profis in ein Loch - ohne Ausbildung, ohne Job, ohne Ersparnisse und ohne Perspektive. Die Spielergewerkschaft VdV schlug bereits im vergangenen Jahr Alarm. Filip Daems, Kapitän von Borussia Mönchengladbach, fordert nun die Einführung einer Rentenversicherung für Profis.


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"20 bis 25 Prozent der Spieler sind am Ende ihrer Karriere pleite oder überschuldet", sagte Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdV, dem SID. Das mag verwundern, prägt doch das Bild des Fußballmillionärs die mediale Berichterstattung. Aktuelle Nationalspieler wie Toni Kroos, Thomas Müller (beide FC Bayern München), Marco Reus (Borussia Mönchengladbach) oder Mats Hummels (Borussia Dortmund) verdienen zwei bis vier Millionen Euro jährlich. Davon gehen Steuern, Sozialabgaben und Beraterkosten ab. Hinzu kommen Einnahmen durch diverse Werbeverträge.

Doch nur rund neun Prozent der Fußballprofis haben nach ihrer Karriere finanziell ausgesorgt. 21 Prozent sind vermögend, könnten aber nicht bis zum Lebensabend damit auskommen. Schuld daran sind oft laufende Kredite. 44 Prozent hätten sich ein kleines Polster angelegt, welches bis zum Start in eine berufliche Laufbahn reiche. 26 Prozent der befragten Fußballprofis haben Schulden nach dem Karriereende. Das geht aus einer Analyse der Daudert & Daudert GmbH aus dem Jahre 2003 hervor. Am Ende sind die Spieler oft von Staatsleistungen oder ihrer Frau abhängig. Laut der Vereinigung der Vertragsfußballer lebte die Hälfte des letzten Bundesligakaders von Eintracht Braunschweig aus dem Jahr 1985 20 Jahre später von Sozialhilfe. Baranowsky resümierte süffisant: "Sie wissen, dass sie auf eine Wand zurasen. Aber sie bremsen nicht." Und schon George Best, britische Fußballerlegende, meinte „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst“.

Die Liste der Abstürze nach der Karriere ist groß. Die bekanntesten Pleitiers der Bundesliga sind Eike Immel und Kugelblitz Ailton. Sie machten in den vergangenen Jahren durch Auftritte im Dschungel-Camp auf sich aufmerksam und sollen zwischen 40.000 und 70.000 € für ihre Kakerlakenmahlzeiten verdient haben. Die eigenen Schulden waren für die beiden früheren Publikumslieblinge kein Tabuthema - Sie sprachen auch vor den Fernsehkameras offen darüber. Ein weiteres Beispiel ist Gerd Müller. Der Bomber der Nation war 2004 zum wertvollsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten gekürt worden. Doch bereits elf Jahre vorher hatten sich die alten Weggefährten aus glanzvollen Zeiten um Müller kümmern müssen. Nach dem finanziellen und privaten Absturz, mit Scheidung und Alkoholexzessen, besorgten Uli Hoeneß, Fanz Beckenbauer und Karl Heinz Rummenigge dem Bomber einen Job beim großen FC Bayern.

Er kassierte Millionen und ertränkte diese in Alkohol.

Auch international gibt es reichlich Pleiten und Abstürze. Ein besonderer Fall ist Englands ehemaliger Star-Kicker Paul Cascoigne. Er vereinte nicht nur auf dem Platz Genie und Wahnsinn. Bereits während seiner Laufbahn hatte er massive Alkoholprobleme. So trank Cascoigne, als Spieler vom FC Everton, in der Nacht vor einem Spiel gegen den FC Sunderland dreieinhalb Flaschen Wein, zwei dreifache Brandys, schluckte Schlaftabletten und rauchte Marihuana. Vor dem Spiel trank er noch einen Brandy, um das Zittern zu bekämpfen. Nach dem Spiel wurde er zum "Man of the Match" ausgezeichnet.

Eine weitere illustre Geschichte lieferte der einstige koreanische Weltklassestürmer Bum Kun-Cha. Vor seinem Wechsel von Eintracht Frankfurt zu Bayer Leverkusen forderte er als Bedingung, dass Leverkusen doch bitte zwei verschuldete Immobilien übernehmen solle.

Doch was führt die Fußballer in den Ruin? Die Liste der Gründe ist genauso lang, wie die der Schulden. Oft ist es eine Mischung aus falschen Freunden, windigen Beratern, Zockerei, Unwissenheit und Übermut, die Spieler in den Schuldenstrudel reißt. Allein während der WM 2010 in Südafrika sollen sich neun angebliche Verwandte beim ghanaischen Nationalspieler Kevin Prince Boateng gemeldet haben, die Geld bräuchten. Mit teilweise abstrusen Geschichten versuchten solche Anrufer Geld zu bekommen. Andere wurden von Beratern in die Bredoullie gebracht. Steuersparmodelle, Schiffs- oder Medienfonds und überteuerte Immobilien wurden den Kickern angeboten. Am Ende lachte oft nur einer und das war der Verkäufer. Viele Fußballer verzockten auch ihr Geld. So verspielte Dietmar Hamann bei einem Krickettspiell einen sechsstelligen Betrag. Andere setzten auf Aktien und verloren durch die Wirtschaftskrise Millionen. Im Moment spielen viele Profis Poker. Der gefährlichste Bereich für die Spieler ist dabei oft in der Kabine oder unter der Dusche. Dann erzählen erfahrene Spieler von guten Anlagen und empfehlen Berater. Den ehemaligen Bundesligaprofi Andrzej Juskowiak plagt heute das schlechte Gewissen, weil er seinen Berater in der Kabine empfohlen hatte. Dieser hatte damals einen guten Ruf, wurde später kriminell und riss einige Profis in die Schuldenfalle.

Doch wie will man dieser Problematik seriös begegnen? Einen guten Ansatz brachte Filip Daems, Kapitän von Borussia Mönchengladbach, dieser Tage in der Sportbild. So sollten 40 Prozent vom Gehalt der jungen Spieler in eine Rentenversicherung eingezahlt werden. Eine solche Regelung gibt es bereits in Belgien. An das Geld kommen die Profis erst mit 35 heran. Vielen jungen Spielern würde es zudem heutzutage am notwendigen Respekt vorm alltäglichen Berufsleben fehlen. Wie Daems der Sportbild erzählte, musste er mit 18 Jahren tagsüber normal arbeiten. "Abends schnell gegessen, dann zum Training. Da wusste man es mehr zu schätzen, Profi zu werden" fuhr Daems fort.


Ein guter Ansatz könnte dieses Modell für die Versicherungsbranche werden. Während in anderen Ländern bereits die Namensrechte für die Ligen gefallen sind und teilweise die Namen von Kredit- oder Bankinstitutionen tragen, leistet sich die deutsche Fußballliga (DFL) bisher den Luxus, die Namensrechte nicht zu vergeben. In Spanien heißt die Liga BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) Primera Division und in England ist es die Barclays (Barclays PLC) Premier League. Warum also nicht in Zukunft Allianz oder Ergo Bundesliga? Einhergehend könnte eine große Lösung für die drohende Armut der jungen Fußballprofis geschaffen werden. Mit einer an die Bedürfnisse der neureichen Starkicker angepassten Finanzstrategie könnte ein Unternehmen mit einem Schlag exklusiv die komplette Bundesliga mit einem Rahmenvertrag ausstatten. Hier könnte ein Modell aus vielen Bausteinen und damit eine seriöse Anlagestrategie für Fußballprofis entstehen. Riesterverträge oder Vermögenswirksame Leistungen sind dabei wohl eher zu vernachlässigen. Dafür könnte Wohneigentum und ein Mix aus Sicherheit und Chance, gepaart mit regelmäßigen Auszahlungen nach dem Ende der aktiven Laufbahn zum goldenen Weg werden.

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Der VDV setzt auf Aus- und Weiterbildung

Die Spielergewerkschaft VdV sieht die größten Chancen in einem Mix aus Ausbildung und Anlageberatung. So versucht der VDV seit Jahren mit einer gezielten Kampagne den Profis mit mangelhafter Bildung und Ausbildung die Augen zu öffnen. Dazu hat der VDV in Frank Günzel einen eigenen Laufbahncoach. Dieser versteht sich als Lotse und Ideengeber beim Übergang in die nachfußballerische Karriere. Bereits während der Fußballerlaufbahn hilft Günzel den Kickern in den Bereichen Potentialanalyse, Arbeitsmarktchancen, Weiterbildung, Fördermöglichkeiten und Bewerbungen. Viele Klubs schließen sich mittlerweile der Forderung der VDV an und fördern ihre Jungprofis in Partnerschulen und Eliteschulen des Fußballs. Weiterhin bietet der VDV mit dem Partner MLP den Mitgliedern eine Finanzberatung an.

Björn Bergfeld

Weitere Nachrichten zu den Themen: Sport  Altersvorsorge  Finanzen  Sport und Karriere   Schuldenkrise  Schulden  Finanzkrise 
Autor: Mirko Wenig


Kommentare (2)
10.04.2012 15:04:00

sehr gute Idee- das heißt im Klartext, die Fußballer sind halt alle ein bissel doof in der Birne und brauchen einen Vormund bis zum 35. Lebensjahr- vielleicht haben sie sich bis dann ja auch schon selbst beseitigt- Drogen, Depressionen- man hört da ja so manches...
Es ist doch letztlich wie überall- wo viel und schnell Geld in jungen Jahren verdient werden kann- die mit Hirn im Kopf werden schon nicht alles verplempern, bis sie nicht mehr dabei sind. Übrigends 40 % von den irren Gagen der Fussballer in eine Rentenversicherung einzuzahlen ist SCHWACHSINN-da vertrauen die irren Fussballer ihr Geld ja nur irren Finanzhaien an. Obwohl- man weiß ja nie!

05.04.2012 17:27:00

Mein Mitleid für diese Sportler hält sich absolut in Grenzen. Fast bin ich geneigt zu schreiben, selbst schuld. Aber im Leben geht manchmal vieles anders, als man denkt. Dazu nur drei Tipps. Dann führt doch endlich die Beitragspflicht zur Rentenversicherung für alle Bundesbürger ein, also auch für Lobbyisten, Egoisten, Kapitalisten, Politiker, Abgeordnete, Selbständige und ….Fussballprofis. Das Gen, wie Gewissen sollte man nie in das gen „ Gier „ austauschen …lassen. Das heisst auch, in Zeiten des großen Erfolges Rücklagen bilden, sich absichern. Ich weiss, gerade das ist besonders schwer, weil um die Millionäre gern Möchte-gern-Millionäre der Finanzbranche herum schwirren und IHRE Dienste anbieten, die meist nur bedeuten: Heute bist du der Millionäre, morgen ich. Deshalb auch der dritte Tipp: Selbst lernen, sich selbst auch geistig, beruflich weiter bilden, denn Fussball kann man nicht ewig auf Millionen – Höhe ausführen. Ganz nebenbei muss bemerkt werden, dass hier dass Maß schon lange voll ist!!! Viele Millionen werden gezahlt, wurden aber nie verdient. Ein Vorschlag an die CDU: Bringt doch eine Gesetzesinitiative im Bundestag ein, wo die Gehälter der Fußballprofis und der Manager begrenzt werden, sagen auf 7 MB ? !!

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