Schuldenbremse Europa | 30.01.12 Kein Beitrag zur Vertrauensbildung im EuroraumDen Euroländern wird eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild als Weg aus der Krise empfohlen. Das "Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung" (IMK) untersuchte in einer Detailanalysedie möglichen Folgen und warnt vor einem Export der Schuldenbremse in andere Länder. Für Konjunktur, die Staatsfinanzen und für die Finanzmärkte selbst, könne eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild gefährlich werden, urteilen die IMK-Forscher Dr. Achim Truger und Henner Will. Sie halten die Schuldenbremse für "gestaltungsanfällig und prozyklisch" und ihr Export sei nicht geeignet, einen Beitrag zur Lösung der Krise im Euroraum zu leisten. Die Bundesrepublik hat es sich selbst auferlegt: das Verbot, über einen relativ eng gesteckten Rahmen hinaus neue Schulden aufzunehmen. Sorgen solch strenge Regeln in Sachen Staatsverschuldung für mehr Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten? Könnten sie also ein Vorbild sein für Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien? "Wir halten diese Logik grundsätzlich für falsch und für den Fortbestand des Euro extrem gefährlich", schreiben Truger und Will in ihrer Analyse. Grundsätzlich falsch sei sie, "weil sie die Ursachen der Eurokrise in unzulässiger Weise auf eine unsolide Finanzpolitik in den gegenwärtigen Krisenstaaten verengt", erläutern die beiden Volkswirte. Außenwirtschaftliche Ungleichgewichte sowie die Verantwortung der gegenwärtig wirtschaftlich stärkeren Euroländer würden fast vollständig ausgeblendet. Darüber hinaus habe die Schuldenbremse schwere theoretische und methodische Schwächen:
"Aus heutiger Sicht würde ich dem Bund dringend von einer solch präzisen Festlegung auf ein so unpräzises Verfahren abraten", zitieren Truger und Will einen der Väter der Schuldenbremse, den ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel. Dieser gestand mittlerweile selbst ein, dass er, "obwohl gelernter Finanzwissenschaftler und Ökonometriker - zum Zeitpunkt meiner Zustimmung die (...) Konsequenzen nicht in allen Facetten überschaut habe". Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
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