Anlageverhalten
Staatsverschuldung | 06.09.11
 

Mehrheit der Bundesbürger glaubt nicht an Schäubles Prognose

79 Prozent der Deutschen rechnen mit steigender Staatsverschuldung. Doch Banken und Versicherungen informieren kaum über Auswirkungen auf die Altersvorsorge, da sie die emotionale Sprengkraft des Themas unterschätzen. Dies ergab eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstitutes "Faktenkontor".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ließ jüngst per Interview wissen, dass er einen ausgeglichenen Staatshaushalt schon 2014 für möglich hält. Mit dieser optimistischen Prognose nimmt der CDU-Politiker allerdings eine Außenseiterrolle ein. Mehr als drei Viertel der Bundesbürger gehen davon aus, dass Deutschland auch in drei Jahren seine Verschuldung noch weiter ausdehnen wird.

Vor allem unter seinen Alters- und Geschlechtsgenossen wird an Schäubles Prognosefähigkeiten gezweifelt. Bei den Männern und den über 55-Jährigen halten jeweils gut 80 Prozent der Deutschen einen ausgeglichenen Staatshaushalt für reines Wunschdenken. Das ergibt eine repräsentative Umfrage der Kommunikationsberatung Faktenkontor und des Marktforschers Toluna unter 1.000 Bundesbürgern.

Schäubles Worte beeinflussen Anlagestrategien der Deutschen

Trotz der geringen Zustimmung zu Schäubles Äußerungen beeinflussen Prognosen zur Staatsverschuldung das Verhalten der Deutschen in der privaten Altersvorsorge und bei Geldanlagen. Dass nur gut jeder zehnte Bundesbürger von den Worten Schäubles voll und ganz überzeugt ist, bedeutet folglich nicht, dass seine Aussagen beim Rest der Bevölkerung keine Wirkung zeigen.

So räumt mehr als jeder fünfte Befragte ein, derartige Politikerworte würden sich auf sein Verhalten in Sachen Geldanlage und Altersvorsorge auswirken. Unter den Älteren überdenkt angesichts Schäubles Äußerungen sogar fast jeder Vierte seine Finanz- und Vorsorgestrategie.

Finanzbranche informiert Kunden nicht über die Folgen

Die Banken und Versicherungen scheinen die hohe Emotionalität des Themas Staatsverschuldung allerdings noch nicht als möglichen Aufhänger für Kundengespräche erkannt zu haben. So wurden in diesem Jahr bisher nur neun Prozent der Deutschen von ihrem Bankberater aktiv über die Folgen der Haushaltsprobleme vieler EU-Staaten und der USA für den deutschen Privatanleger informiert.

Und auch die Assekuranz gibt ihren Kunden kaum zusätzliche Orientierung. Magere acht Prozent der Bundesbürger wurden Stand heute von ihrer oder einer anderen Versicherung im Laufe des Jahres unaufgefordert mit Informationen zu Auswirkungen der Staatsschuldenkrise auf die Altersvorsorge versorgt.


Quelle: Faktenkontor
 
 

Kommentare (3)Kommentar schreiben
 
Rettungsfonds vergessen ? 
Ist schon verrückt, da werden Milliarden-Beträge für sogenannte Rettungsfonds zugesagt, aber dass man diese Beträge dann auch aufbringen muss, dass scheint keine Rolle zu spielen.
Komischerweise kommt die Behauptung von Schäuble ja auch kurz vor der Debatte zum Europäischen Rettungsfonds im Bundestag.
geschrieben von Frank Walter am 07.09.2011 22:57
 
NICHT VERGESSEN-  
sondern den Rest der Bevölkerung für doof verkaufen, indem so getan wird, als ob der Bundeshaushalt losgekoppelt von der EU und allen so bis jetzt erfundenen Rettungsschirmen, existiert.
Vielleicht, so meine These- hat Herr Schäuble ein schwarzes Loch entdeckt, mit unendlicher Masse an Gold, Diamanten und Euros gefüllt- das Füllhorn sozusagen- nur so kann ich mir seine Ruhe und Penetranz gegenüber den Rettungsschirmen erklären...
Aber vielleicht ist es auch bloß der Ehrgeiz eines kleinen Mannes im Amt zu bleiben.
geschrieben von Frauke Semmelweiß am 09.09.2011 12:22
 
Warum aufklären? 
Wer schießt sich schon selbst ins Knie oder hackt die Hand ab, die einen füttert?
Und was bitteschön sollen die Banken und Versicherungen ihren Kunden mitteilen? Schätzungen über den weiteren Verlauf der Weltwirtschaft- das wissen diese Institute doch auch bloß als letztes- scheint mir.
geschrieben von Emilie am 09.09.2011 12:25
 
 
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