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05.10.2015

Aktuare wollen die Garantie neu definieren Lebensversicherung - Aktuare fordern zeitlich begrenzte Garantien von 15 Jahren

Garantien ja, aber nicht mehr so langfristig: Im Niedrigzinsumfeld fordern die Aktuare Veränderungen (Symbolfoto) Splitshire@Pixabay.com

Lebensversicherung: Die Garantien in der klassischen Lebensversicherung sollen auf rund 15 Jahre verkürzt werden. Dies schildert Dr. Wilhelm Schneemeier, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), im Interview mit der Verbandszeitschrift „Aktuar Aktuell“. Beim Kunden würden die Angebote mit abgespeckten Garantien oder ohne Garantie bisher beim Kunden ohnehin nicht ankommen. Laut der Umfrage der TNS Infratest stehe sie mit „der weit verbreiteten Risikoversion der Deutschen in Konflikt“.

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Aktuare sehen den Trend zu einer Abschaffung des Garantiezinses kritisch. “Ohne Garantien würde die Lebensversicherung keine wirklichen Altersvorsorgelösungen mehr bieten”, sagt Versicherungsmathematiker Wilhelm Schneemeier bereits Mitte September im Interview mit der Fachzeitschrift "Aktuar aktuell". Im Hinblick auf die prekären Zinssituation sieht er dennoch Reformbedarf: „Die Garantien müssen nicht zwingend fallen, aber in jedem Fall über eine kürzere Laufzeit zugesagt werden.” Er sieht hier die Regulierung gefordert.

Die Aktuare wollen Garantien nicht abschaffen

Garantien sollen nicht abgeschafft werden, sondern die Aktuare wollen diese neu definieren, wie das Versicherungsjournal berichtet. “Bei klassischen Lebenspolicen benötigen wir eine regulatorische Änderung in Richtung von Abschnittsgarantien: Für einen Zeitraum von 15 Jahren ist der Kapitalmarkt für laufende Beitragseinnahmen einschätzbar”, sagt Wilhelm Schneemeier. Orientieren soll sich die Einschätzungen daran, was die Kunden von einer Garantie erwarten.

Die Einschätzungen des DAV-Chefs deckt sich mit Ergebnissen einer Ende August veröffentlichen Umfrage von TNS Infratest unter 1.400 Bundesbürgern (zwischen 18 und 65 Jahren) zur privaten Altersvorsorge. Demnach seien „flexible neue Lebensversicherungs-Angebote ohne Garantiezins keine Selbstläufer“. Die neuen Angebote mit höherer Renditechance bei gleichzeitig höherer Volatilität seien noch recht wenig bekannt und stünden mit der weit verbreiteten Risikoaversion der Deutschen in Konflikt. Denn die Bundesbürger legen ihr Geld gerne vermeintlich sicher an, verzichten dafür sogar auf Rendite. Das Eigenheim und das Sparbuch sind laut einer Befragung des GFK Vereins noch immer die beliebtesten Vorsorgeformen der Deutschen.

Inflationsausgleich muss mindestens garantiert sein

Auf das Sicherheitsbedürfnis der Bundesbürger muss sich auch die Lebensversicherungs-Branche einstellen. Eine „Basisgarantie“ wäre aus Kundensicht zumindest dann werthaltig, wenn mindestens der Inflationsausgleich gewährleistet sei, so heißt es in der Verbandszeitschrift der Aktuare. Jedoch werde der gesetzlich garantierten Teilhabe an den Überschüssen, die die Anbieter jährlich erwirtschafteten, bisher eine zu niedrige Bedeutung beigemessen. Die Teilhabe an den Überschüssen sei als Grundlage für ein modernes langfristiges Garantiekonzept bereits vorhanden. Überschüsse sind unter anderem das Resutalt von Sicherheitspuffern in den Tarifen - beispielsweise für die Entwicklung der Langlebigkeit.

Für sicher hält Schneemeier die bisher zugesagten Garantien. Er weisst auch darauf hin, dass LV-Versicherer im Verhältnis zum aktuellen Kapitalmarkt eine gute Ertragslage aufweisen, da viele noch relativ langlaufende und damit höher verzinste Anlagen in den Portfolios hätten. „Deshalb gehe ich davon aus, dass sie ihre zugesagten Garantien auch über die vorgesehene Zeitstrecke bedienen können“, fügt Schneemeier hinzu.

Die Zinszusatzreserve müsse jedoch gleichmäßig aufgebaut werden, so Schneemeier mit Blick auf den jüngeren Zinsverfall, der einen kräftigen Aufbau der erst seit 2011 geforderten Reserveposition für die klassischen Garantieversprechen nach sich gezogen hatte. Wie dies gewährleistet werden kann, darüber werde bereits mit der Finanzaufsicht BaFin gesprochen.

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Zinszusatzreserven werden einige Versicherer in Schwierigkeiten bringen

Aktuar Schneemeier zeigte sich pessimistisch, dass alle Unternehmen die strengeren Kapitalanforderungen werden erfüllen können. Es werde Unternehmen geben, die "die Zinszusatzreserve nicht stemmen können“ sagt Schneemeier deutlich. Allerdings sei auch bei den größeren und finanzstarken Gesellschaften der Aufbau der Reserve kein Fingerschnips. Schließlich seien die Versicherer gezwungen, aufgrund der einseitigen Anforderungen an die Passivseite, in „riesigen Dimensionen“ Kapitalanlagen umzuschichten. „Das hat gewaltige Auswirkungen auf den Kapitalmarkt insgesamt“, so Schneemeier.

Versicherungs Journal

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