Die Ergo verzeichnet 2024 den größten absoluten Bestandsrückgang in der Rechtsschutzversicherung. Die Zahl der Verträge sinkt von 1.971.898 auf 1.918.522 Policen, was einem Minus von 53.376 Verträgen beziehungsweise rund 2,7 Prozent entspricht. Trotz dieses Rückgangs bleibt der Versicherer mit Rang 5 nach Vertragsbestand klar in der Spitzengruppe der Branche positioniert.
Im längerfristigen Vergleich relativiert sich die Entwicklung deutlich. Gegenüber 2019 mit 1.900.167 Verträgen ergibt sich trotz des aktuellen Rückgangs weiterhin ein leichtes Plus von 18.355 Policen beziehungsweise rund 1,0 Prozent. Der Bestandsverlust 2024 wirkt damit weniger als struktureller Einbruch, sondern eher als Korrektur auf hohem Niveau.
Prämienwachstum: stabile Entwicklung eines Marktführers
Wirtschaftlich bleibt die Ergo ein Schwergewicht der Sparte. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 417,92 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 427,63 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 9,71 Millionen Euro beziehungsweise 2,3 Prozent. Gegenüber 2019 (411,24 Millionen Euro) ergibt sich ein moderates Plus von rund 4,0 Prozent.
Der Rückgang im Bestand bei gleichzeitig steigenden Prämien folgt damit auch hier der bekannten Marktlogik: Die Entwicklung wird zunehmend über den Beitrag je Vertrag getragen, nicht über zusätzliche Policen.
Preisprofil und Einordnung: oberes Segment mit stabiler Marktposition
Dieses Muster zeigt sich auch im Preisprofil. Die Durchschnittsprämie je Vertrag liegt 2024 bei 223,21 Euro und damit leicht über dem Branchenschnitt von 204,76 Euro. Im Zeitverlauf zeigt sich jedoch eine vergleichsweise stabile Entwicklung: 2019 lag die Prämie bei 215,56 Euro, 2023 bei 211,98 Euro. Insgesamt ergibt sich damit seit 2019 nur ein moderater Anstieg von 7,65 Euro beziehungsweise rund 3,5 Prozent. Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 135,85 Euro im oberen Bereich des Marktes (nur sechs Anbieter weisen höhere Werte auf) und deuten auf ein leistungsintensiveres Portfolio hin.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Bestandsrückgang konsistent einordnen. Die Ergo verliert zwar die meisten Verträge in absoluten Zahlen, bleibt aber sowohl nach Bestand als auch nach Prämienvolumen einer der zentralen Anbieter der Sparte. Die Entwicklung spricht weniger für eine strukturelle Schwäche als vielmehr für eine Stabilisierung auf hohem Niveau, bei der Wachstum vor allem über den Wert je Vertrag und nicht über zusätzliche Stückzahlen erfolgt.
Hintergrund
Die präsentierten Zahlen dieser Analyse stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Rechtsschutz 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Studie deckt die 25 größten Versicherer ab und repräsentiert damit rund 99 Prozent des Rechtsschutz-Marktes. Wie immer macht der Branchenmonitor eine Vielzahl an Kennzahlen zugänglich – und bietet so detaillierte Einblicke in die Marktentwicklung der Jahre 2019 bis 2024. Er kann auf der Webseite der Leipziger Experten kostenpflichtig bestellt werden.