Rechtsschutzversicherung: Die größten Bestandsverluste

Quelle: DALL-E

Die ADAC Versicherung verzeichnet 2024 einen der deutlichsten Bestandsrückgänge der Branche. Die Zahl der Verträge sinkt von 1.853.493 auf 1.813.763 Policen, was einem Minus von 39.730 Verträgen beziehungsweise rund 2,1 Prozent entspricht. Damit bleibt der Versicherer mit Rang 7 nach Vertragsbestand dennoch einer der größten Anbieter im Markt.

Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein klarer Rückgang. Gegenüber 2019 mit 2.034.758 Verträgen ergibt sich ein Minus von 220.995 Policen beziehungsweise rund 10,9 Prozent. Der Bestandsabbau erfolgt damit über mehrere Jahre hinweg und ist deutlich ausgeprägter als bei vielen anderen Anbietern.

Prämienwachstum: wirtschaftliche Stabilität trotz sinkender Vertragszahlen

Auf der Prämienseite zeigt sich hingegen eine klare Aufwärtsbewegung. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 178,87 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 193,27 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 14,40 Millionen Euro beziehungsweise 8,1 Prozent. Gegenüber 2019 (155,25 Millionen Euro) ergibt sich sogar ein Anstieg um rund 24,5 Prozent. Der Rückgang im Bestand und das gleichzeitig deutliche Prämienwachstum folgen damit auch hier der bekannten Marktlogik: Die wirtschaftliche Entwicklung wird zunehmend über höhere Beiträge je Vertrag getragen.

Preisprofil und Einordnung: extremes Breitenmodell mit niedrigen Einzelbeiträgen

Das Geschäftsmodell der ADAC Versicherung wird besonders im Preisprofil sichtbar. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt zwar von 77,26 Euro im Jahr 2019 über 97,70 Euro im Jahr 2023 auf 108,00 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 30,74 Euro beziehungsweise rund 39,8 Prozent. Dennoch bleibt der Versicherer mit großem Abstand der günstigste Anbieter im gesamten Markt und liegt weit unter dem Branchenschnitt von 204,76 Euro. Auch die Schadenaufwendungen je Vertrag sind mit 72,98 Euro die zweitniedrigsten im Markt. Das deutet auf ein stark standardisiertes Produkt mit vergleichsweise geringem Leistungsumfang je Vertrag hin.

Gerade diese Kombination erklärt die Struktur des Geschäfts. Der ADAC setzt im Rechtsschutz klar auf Breite statt auf Tiefe: viele Verträge, niedrige Beiträge, geringe durchschnittliche Schadenbelastung. Das Modell ist darauf ausgelegt, große Kundengruppen mit einfachen, zugänglichen Produkten zu erreichen – häufig im Umfeld mobilitätsnaher Leistungen. Vor diesem Hintergrund ist auch der Bestandsrückgang einzuordnen. In einem Markt, der zunehmend über steigende Beiträge je Vertrag wächst, stößt ein stark auf Breite ausgerichtetes Niedrigpreismodell an Grenzen. Der ADAC verliert über mehrere Jahre hinweg Verträge, bleibt wirtschaftlich jedoch stabil und behauptet seine Rolle als einer der größten Anbieter im Markt.