An der Spitze des deutschen Kompositmarkts steht weiterhin unangefochten die Allianz. Mit addierten Marktanteilen von rund 13,30 Prozent dominiert der Konzern das Schaden- und Unfallgeschäft deutlich vor allen Wettbewerbern. Diese Spitzenposition beruht jedoch nicht auf einem homogenen Geschäftsmodell, sondern auf zwei sehr unterschiedlichen Kompositgesellschaften, deren wirtschaftliche Profile kaum gegensätzlicher sein könnten: der großen, ertragsstarken Allianz Versicherungs-AG und der deutlich kleineren, international ausgerichteten Allianz Direct Versicherungs-AG.
Während die Allianz Versicherungs-AG seit Jahren das Rückgrat des Konzerns im deutschen Kompositgeschäft bildet, steht die Allianz Direct für ein expansives Direktversicherungsmodell, das insbesondere im Kfz-Geschäft lange Zeit mit strukturellen Problemen zu kämpfen hatte. Die Marktführerschaft der Allianz ergibt sich damit aus der Kombination eines stabilen Volumen- und Ergebnisträgers mit einer wachstumsorientierten, aber ertragsanfälligen Tochter.
Allianz Versicherungs-AG: Volumenstärke und nachhaltige Ertragskraft
Mit gebuchten Bruttoprämien von 12,10 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 13,08 Prozent belegt die Allianz Versicherungs-AG Rang eins unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Sie ist damit nicht nur volumenmäßig, sondern auch wirtschaftlich der klare Referenzwert im Markt. Das Prämienwachstum erfolgt aus einer bereits sehr hohen Basis. Seit 2019 stiegen die gebuchten Bruttoprämien von 10,13 Milliarden Euro auf 12,10 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von knapp 19 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um rund 6,8 Prozent zu. Die Entwicklung ist dabei frei von Sondereffekten und Ausdruck kontinuierlicher Marktdurchdringung.
Breit diversifiziertes Portfolio als Stabilitätsanker
Die Portfoliostruktur ist ausgewogen und nahe am Branchenprofil: Kraftfahrt erreicht 36 Prozent, die verbundene Wohngebäudeversicherung 15 Prozent, Haftpflicht 12 Prozent und Unfall 10 Prozent. Hausrat ist mit 4 Prozent moderat vertreten ("moderat" freilich im Spiegel des hohen Prämienvolumens), während der Restanteil von 24 Prozent auf sonstige Sachsparten entfällt. Diese breite Aufstellung begrenzt die Abhängigkeit von einzelnen Krisensegmenten und erklärt die vergleichsweise geringe Ergebnisvolatilität.
Ertragsstärke auch in Krisenjahren
Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 97,26 Prozent (Rang dreißig). Zwar überschritt die Quote in den Ausnahmejahren 2021 (104,60 Prozent) und 2023 (103,75 Prozent) die technische Kostendeckungsgrenze, doch blieben die Ausschläge begrenzt. Der Durchschnitt 2019 bis 2024 beträgt 98,45 Prozent.
Entscheidend ist jedoch das versicherungstechnische Ergebnis: 2024 erzielte die Allianz Versicherungs-AG einen Gewinn von 558,65 Millionen Euro (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung). Selbst im Ahrtal-Jahr 2021 (396,00 Millionen Euro) und im Kfz-Krisenjahr 2023 (484,84 Millionen Euro) blieb das Ergebnis deutlich positiv. Mit einem durchschnittlichen Gewinn von 531,99 Millionen Euro im Zeitraum 2019 bis 2024 weist die Allianz den besten Ergebnisschnitt der gesamten Branche auf.
Allianz Direct: Wachstumsmodell mit strukturellen Belastungen
Einen deutlichen Kontrast zur ertragsstarken Allianz Versicherungs-AG bildet die Allianz Direct Versicherungs-AG. Ihr deutsches Kompositgeschäft erreichte 2024 gebuchte Bruttoprämien von 204,98 Millionen Euro. Das entspräche rechnerisch einem Marktanteil von rund 0,22 Prozent und würde im Top-50-Vergleich etwa Rang sechsundvierzig bedeuten. Gemessen am Gesamtmarkt bleibt das Inlandsgeschäft damit von überschaubarer Größenordnung.
Methodischer Hinweis zur Allianz Direct
Diese Einordnung ist jedoch nicht Bestandteil des offiziellen Branchenmonitor-Rankings. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Branchenmonitors lag der Geschäftsbericht der Allianz Direct noch nicht vor, weshalb die Gesellschaft – anders als in den Vorjahren – nicht in die Auswertung aufgenommen wurde. Entsprechend geht sie weder in Ranglisten noch in die Berechnung von Durchschnittswerten ein. Inzwischen hat die Allianz Direct ihren Geschäftsbericht veröffentlicht, allerdings mit eingeschränkter Datentiefe. Die nachfolgend dargestellten Angaben zu Prämienvolumen, Spartenstruktur, Schaden-Kosten-Quote und Ergebnis wurden daher von Versicherungsbote eigenständig aus dem veröffentlichten Geschäftsbericht ausgewertet und dienen ausschließlich der konzerninternen Einordnung.
Allianz Direct im Zeichen internationaler Expansion
Deutlich größeres Gewicht als das deutsche besitzt mittlerweile das internationale Geschäft, das 2024 gebuchte Bruttoprämien von 385,33 Millionen Euro ausweist. Die wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft wird damit stärker durch die internationale Expansion als durch das vergleichsweise kleine Inlandsgeschäft geprägt. In der Summe erreicht die Allianz Direct Versicherungs-AG somit gebuchte Bruttoprämien von 590,31 Millionen Euro im Jahr 2024.
Auf Basis des veröffentlichten Geschäftsberichts lassen sich auch Aussagen zur Portfoliostruktur des internationalen Geschäfts treffen. Dieses ist klar kraftfahrtgeprägt: Den mit Abstand größten Anteil stellen die Kraftfahrtsparten mit zusammen rund 511 Millionen Euro, davon etwa 360 Millionen Euro in der Kfz-Haftpflicht und rund 151 Millionen Euro in sonstigen Kfz-Versicherungen. Ergänzt wird das Portfolio durch verbundene Wohngebäudeversicherungen mit rund 33 Millionen Euro, Hausrat mit knapp 18 Millionen Euro sowie kleinere Volumina in Unfall-, Haftpflicht- und weiteren Sachsparten. Die internationale Ausrichtung der Allianz Direct ist damit nicht nur wachstums-, sondern auch klar produktseitig fokussiert und unterscheidet sich deutlich vom ausgewogeneren Portfolio der Allianz Versicherungs-AG im klassischen Kompositgeschäft.
Schaden-Kosten-Quote: anhaltende Belastung im Direct-Geschäft
Während die Allianz Versicherungs-AG seit Jahren überwiegend stabile und auskömmliche Schaden-Kosten-Quoten ausweist, zeigt sich bei der Allianz Direct ein deutlich anderes Bild. Bereits im Branchenmonitor Komposit der Vorjahre fiel die Gesellschaft durch ein nahezu durchgängig negatives Leistungsprofil auf. Die Schaden-Kosten-Quote lag 2019 bei 109,62 Prozent, stieg 2020 auf 121,15 Prozent, ging 2021 nur geringfügig auf 119,71 Prozent zurück und erreichte 2022 mit 131,83 Prozent den schlechtesten Wert aller fünfzig im Monitor untersuchten Kompositversicherer. Freilich muss man diese Werte auch in Relation zu dem Prämienvolumen sehen, das weit hinter der Allianz Versicherungs AG zurückbleibt.
Da die Allianz Direct im aktuellen Branchenmonitor nicht enthalten ist, basiert die weitere Einordnung auf dem inzwischen veröffentlichten Geschäftsbericht. Auch hier setzt sich das Bild fort: Für das internationale Geschäft weist die Allianz Direct 2023 eine Schaden-Kosten-Quote von 117,2 Prozent aus. Im Jahr 2024 verbesserte sich der Wert zwar deutlich auf 108,0 Prozent, lag damit jedoch weiterhin oberhalb der Schwelle, bei der Schaden- und Kostenaufwendungen die Beitragseinnahmen übersteigen. Die Entwicklung signalisiert eine Entlastung gegenüber den Extremwerten der Vorjahre, ohne dass bislang eine rechnerisch auskömmliche Schaden-Kosten-Relation erreicht worden wäre.
Fazit: Unangefochtener Marktführer mit klarer Konzernasymmetrie
Die Allianz bleibt im deutschen Kompositgeschäft der mit Abstand dominierende Anbieter. Mit einem Marktanteil von über dreizehn Prozent, stabil wachsendem Prämienvolumen und dem höchsten durchschnittlichen versicherungstechnischen Ergebnis im Branchenvergleich behauptet die Allianz Versicherungs-AG ihre Führungsposition auch unter schwierigen Marktbedingungen souverän. Selbst in ausgeprägten Krisenjahren – etwa im Ahrtaljahr 2021 oder im Kfz-Belastungsjahr 2023 – gelang es, positive versicherungstechnische Ergebnisse zu erzielen und die Ertragskraft auf hohem Niveau zu halten.
Die strukturellen Probleme der Allianz Direct stehen dazu in einem deutlichen Missverhältnis. Zwar zeigt das Direct-Geschäft – insbesondere im internationalen Kfz-Portfolio – seit Jahren erhöhte Schaden-Kosten-Quoten und eine anhaltende Unterdeckung. Gemessen am Volumen und an der Ertragsstärke der Allianz Versicherungs-AG bleibt dieser Effekt jedoch von untergeordneter Bedeutung für den Konzern insgesamt. Die Direct-Tochter ist damit eher als wachstumsorientiertes, risikoreicheres Ergänzungsmodell zu verstehen, dessen Schwächen das Gesamtbild des Marktführers nicht substanziell beeinträchtigen.
In der Gesamtschau unterstreicht die Allianz ihre Sonderstellung im Kompositmarkt: Kein anderer Anbieter vereint vergleichbare Größenordnung, Ergebnisstabilität und Steuerungsfähigkeit – selbst bei gleichzeitiger Präsenz unterschiedlichster Geschäftsmodelle innerhalb des Konzerns.
Hintergrund
Alle genannten Kennzahlen stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Komposit der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Auswertung umfasst die fünfzig größten Mehrsparten-Kompositversicherer in Deutschland und deckt damit rund 87 Prozent des gesamten Schaden- und Unfallmarktes ab. Berücksichtigt werden ausschließlich Versicherer mit breitem Kompositportfolio; reine Rechtsschutz-Monoliner sind nicht Teil des Kollektivs. Zwar fließen Rechtsschutzanteile in die Bestandsstruktur einzelner Gesellschaften ein, eigenständige Spezialversicherer wie Arag, Roland oder Ergo Rechtsschutz erscheinen im Branchenmonitor jedoch nicht.
Die Angaben zur Allianz Direct Versicherungs-AG bilden eine Ausnahme: Da deren Geschäftsbericht zum Zeitpunkt der Erstellung des Branchenmonitors noch nicht vorlag, ist die Gesellschaft nicht Bestandteil der Auswertung und geht weder in Rankings noch in Durchschnittswerte ein. Die im Text genannten Kennzahlen zur Allianz Direct wurden von Versicherungsbote auf Basis des inzwischen veröffentlichten Geschäftsberichts eigenständig recherchiert und dienen ausschließlich der konzerninternen Einordnung.
Der Branchenmonitor ermöglicht eine vergleichende Analyse der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit innerhalb eines klar definierten Marktsegments und kann – ebenso wie weitere Branchenmonitore der V.E.R.S. Leipzig GmbH – kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Experten bezogen werden.