Komposit: Wer das Geschäft dominiert (Teil 2: Provinzial bis Allianz)

Quelle: DALL-E

Mit einem addierten Marktanteil von 6,86 Prozent belegt die R+V-Gruppe Rang drei unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Die Platzierung ergibt sich aus der gemeinsamen Betrachtung der R+V Allgemeine Versicherung AG mit einem Marktanteil von 6,06 Prozent sowie der KRAVAG Allgemeine Versicherungs-AG mit 0,80 Prozent. Beide Gesellschaften werden im Branchenmonitor separat ausgewiesen, für die Marktbetrachtung jedoch zusammengeführt. Auffällig ist dabei die starke Spreizung innerhalb des Konzerns: Während die R+V Allgemeine ein breit diversifiziertes Sachportfolio aufweist, ist die KRAVAG nahezu vollständig auf das Kraftfahrtgeschäft spezialisiert.

R+V Allgemeine: Breites Portfolio, anhaltender Ergebnisdruck

Mit gebuchten Bruttoprämien von 5,61 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 6,06 Prozent erreicht die R+V Allgemeine Rang zwei in der Einzelwertung der rechtlich selbstständigen Kompositversicherer. Das Prämienvolumen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Seit 2019 stiegen die gebuchten Bruttoprämien von 4,30 Milliarden Euro auf 5,61 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund 30 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um etwa 8,4 Prozent zu.

Die Portfoliostruktur unterscheidet sich deutlich vom Branchendurchschnitt. Der Kraftfahrtanteil liegt mit 24 Prozent klar unter dem Marktniveau von rund 40 Prozent. Demgegenüber ist der Restanteil mit 35 Prozent außergewöhnlich hoch und umfasst unter anderem Rechtsschutz, Feuer-, technische Versicherungen sowie weitere Sachsegmente. Die Haftpflichtversicherung erreicht 14 Prozent, die verbundene Wohngebäudeversicherung liegt mit 16 Prozent auf Marktniveau. Unfall (8 Prozent) und Hausrat (3 Prozent) spielen eine ergänzende Rolle.

Schaden-Kosten-Quote: Extremjahr prägt die Zeitreihe

Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 99,12 Prozent und damit auf Rang fünfunddreißig im Vergleich der Top-50-Kompositversicherer. Auffällig ist weniger der Einzelwert als die Struktur der Zeitreihe: Während die Quote in mehreren Jahren knapp unter der Marke von einhundert Prozent blieb – etwa 2019 mit 98,76 Prozent und 2023 mit 98,94 Prozent –, sticht das Extremwetterjahr 2021 deutlich hervor. In diesem Jahr erreichte die Schaden-Kosten-Quote 111,58 Prozent, was den Mehrjahresschnitt 2019 bis 2024 auf 100,31 Prozent anhebt und damit rechnerisch über die Auskömmlichkeitsschwelle drückt.

Versicherungstechnisches Ergebnis weiterhin belastet

Noch deutlicher zeigt sich die angespannte Lage im versicherungstechnischen Ergebnis. 2024 weist die R+V Allgemeine einen Verlust von 168,26 Millionen Euro aus und erzielt damit das zweitschlechteste Ergebnis im Top-50-Kollektiv. Bereits 2023 lag das Ergebnis mit minus 97,51 Millionen Euro deutlich im Minus, was auf eine Fortsetzung der Belastungsphase hindeutet. Das beste Ergebnis des Betrachtungszeitraums wurde 2022 mit einem Gewinn von 125,52 Millionen Euro erzielt. In der Mehrjahresbetrachtung von 2019 bis 2024 verbleibt dennoch ein durchschnittliches negatives Ergebnis von minus 16,36 Millionen Euro.

Die R+V Allgemeine zeigt damit, dass ein breit diversifiziertes Sachportfolio zwar Risiken streuen kann, aber nicht automatisch vor anhaltendem Ergebnisdruck schützt – insbesondere dann nicht, wenn Extremwetterereignisse und strukturelle Belastungen über mehrere Jahre hinweg nachwirken.

KRAVAG Allgemeine: Kfz-Spezialist mit hoher Volatilität

Die KRAVAG Allgemeine Versicherungs-AG ist als Tochtergesellschaft innerhalb der R+V-Gruppe auf das Kraftfahrtgeschäft spezialisiert und wird im Branchenmonitor als eigenständiger Kompositversicherer geführt. 2024 erzielte sie gebuchte Bruttoprämien von 738,33 Millionen Euro und einen Marktanteil von 0,80 Prozent, was Rang siebenundzwanzig in der Einzelwertung entspricht. Seit 2019 stiegen die Prämieneinnahmen von 520,42 Millionen Euro auf 738,33 Millionen Euro, ein Zuwachs von rund 42 Prozent. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 lag das Wachstum bei etwa 11,3 Prozent.

Die Portfoliostruktur ist nahezu monolithisch: 97 Prozent der gebuchten Bruttoprämien entfallen auf die Kraftfahrtversicherung. Der verbleibende Restanteil von rund 1 Prozent verteilt sich auf kleinere Sachsegmente; Unfall, Haftpflicht, Hausrat und Wohngebäude spielen faktisch keine Rolle.

Kfz-Belastung schlägt sich im Ergebnis nieder

Die Schaden-Kosten-Quote der KRAVAG Allgemeine lag 2024 bei 103,90 Prozent und zählt damit zu den neun schwächsten Werten im Marktvergleich. Bereits 2023 überschritt die Quote erstmals die Marke von einhundert Prozent und erreichte 106,77 Prozent – ein deutlicher Ausdruck des Kfz-Krisenjahres. In der Mehrjahresbetrachtung 2019 bis 2024 bleibt die Quote mit durchschnittlich 97,54 Prozent rechnerisch noch im auskömmlichen Bereich.

Das versicherungstechnische Ergebnis fiel 2024 mit minus 26,77 Millionen Euro negativ aus und entspricht Rang einundvierzig im Ergebnisranking. Auch hier zeigt sich eine Parallele zur R+V Allgemeine: Bis einschließlich 2022 wurden Gewinne erzielt, ab 2023 rutschte das Ergebnis in die Verlustzone. Das beste Ergebnis erzielte die KRAVAG Allgemeine im Jahr 2021 mit einem Gewinn von 48,87 Millionen Euro. Über den gesamten Zeitraum 2019 bis 2024 verbleibt dennoch ein durchschnittlich positives Ergebnis von 8,45 Millionen Euro.