Komposit: Wer das Geschäft dominiert (Teil 2: Provinzial bis Allianz)

Quelle: DALL-E

Mit gebuchten Bruttoprämien von zusammen 4,28 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 4,63 Prozent belegt die Provinzial-Gruppe Rang sechs unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Diese Platzierung ergibt sich aus der gemeinsamen Betrachtung der Provinzial Versicherung AG und der Provinzial Nord Brandkasse, die im Branchenmonitor als eigenständige Gesellschaften geführt werden, für die Konzern- und Marktanalyse jedoch addiert werden. Die Provinzial Versicherung AG steuert 3,60 Milliarden Euro Bruttoprämien bei (Rang fünf in der Einzelwertung), die Provinzial Nord Brandkasse weitere 0,68 Milliarden Euro (Rang neunundzwanzig). Beide Häuser sind stark in der Wohngebäudeversicherung engagiert, unterscheiden sich jedoch deutlich in regionaler Exponierung und im Verlauf der Ergebnisentwicklung.

Provinzial Versicherung AG: Wohngebäude-Fokus mit extremer Katastrophenexponierung

Mit gebuchten Bruttoprämien von 3,60 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 3,89 Prozent belegt die Provinzial Versicherung AG Rang fünf unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Für die Provinzial-Gruppe ist sie die volumenstärkere der beiden Kompositgesellschaften – das Konzernprofil ergibt sich jedoch erst aus dem Zusammenspiel mit der Provinzial Nord Brandkasse, die eine andere regionale Verankerung und damit ein abweichendes Schaden- und Ergebnisprofil aufweist. Gerade diese unterschiedliche regionale Exponierung erklärt einen Teil der Unterschiede im Verlauf der Ergebnisentwicklung innerhalb des Verbunds.

Das ausgewiesene Prämienwachstum der Provinzial Versicherung AG fällt auf den ersten Blick außergewöhnlich stark aus. Seit 2019 erhöhten sich die gebuchten Bruttoprämien von 1,23 Milliarden Euro auf 3,60 Milliarden Euro. Diese Entwicklung ist jedoch nur eingeschränkt als organisches Wachstum zu interpretieren. Maßgeblich geprägt wurde der Anstieg durch eine konzerninterne Strukturreform: Zum 1. Januar 2021 wurde die Westfälische Provinzial rückwirkend auf die zuvor in Provinzial Versicherung AG umfirmierte Provinzial Rheinland verschmolzen. Seitdem werden die zuvor getrennt geführten Bestände in einer Gesellschaft ausgewiesen. Der deutliche Prämienzuwachs spiegelt damit vor allem die rechtliche und bilanziell-organisatorische Zusammenführung wider und nicht ausschließlich eine Ausweitung des Neugeschäfts. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um rund 7,3 Prozent zu.

Wohngebäude prägt das Risikoprofil

Die Portfoliostruktur weist einen klaren Schwerpunkt auf die verbundene Wohngebäudeversicherung auf. Mit einem Anteil von 33 Prozent liegt dieser deutlich über dem Marktdurchschnitt von 16 Prozent. Das Kraftfahrtgeschäft ist mit 27 Prozent unterdurchschnittlich gewichtet, während Haftpflicht (9 Prozent), Unfall (5 Prozent) und Hausrat (5 Prozent) ergänzende Rollen einnehmen. Der Restanteil von 20 Prozent verteilt sich auf sonstige Sachsparten wie Feuer-, technische Versicherungen, Beistandsleistungen sowie weitere Segmente.

Diese Ausrichtung erklärt die hohe Ergebnisvolatilität in Jahren mit außergewöhnlichen Schadenereignissen. Besonders deutlich wurde dies im Extremwetterjahr 2021: Allein in der Wohngebäudeversicherung erreichte die Schaden-Kosten-Quote damals 201,25 Prozent, was den Gesamtwert der Kompositsparte auf 140,19 Prozent trieb. Bereits nach dem Extremjahr 2021 setzte eine schrittweise Gegenbewegung ein. Nach einer Schaden-Kosten-Quote von 97,89 Prozent im Jahr 2022 verbesserte sich der Wert 2023 weiter auf 89,00 Prozent. 2024 verstärkte sich diese Erholung deutlich: Die Quote sinkt auf 86,87 Prozent, womit die Provinzial Versicherung AG Rang zwei im CR-Ranking erreicht. Maßgeblich trug dazu die Wohngebäudeversicherung bei, die 2024 mit einer Schaden-Kosten-Quote von 81,11 Prozent arbeitete und das Gesamtergebnis spürbar stabilisierte. Der Schnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegt bei 95,10 Prozent.

Ergebnisentwicklung stark von Extremjahren geprägt

Das versicherungstechnische Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) belief sich 2024 auf 157,53 Millionen Euro, was Rang sechs im Top-50-Kollektiv entspricht. In den Vorjahren schwankte das Ergebnis erheblich: Während 2021 ein Verlust von 489,74 Millionen Euro verbucht wurde, bewegten sich die Ergebnisse in den übrigen Jahren zwischen 36,97 Millionen Euro (2022) und 167,40 Millionen Euro. In der Mehrjahresbetrachtung 2019 bis 2024 ergibt sich ein durchschnittliches versicherungstechnisches Ergebnis von 24,46 Millionen Euro.

Die Provinzial Versicherung AG verdeutlicht damit exemplarisch die besondere Sensitivität eines stark wohngebäudegeprägten Geschäftsmodells gegenüber Extremwetterereignissen. Gerade weil die Gesellschaft über Jahre hinweg verlässlich kalkuliert und wirtschaftlich stabil arbeitet, tritt der Ausnahmecharakter des Jahres 2021 umso deutlicher hervor. Die massive Ergebnisbelastung in diesem Jahr ist weniger Ausdruck struktureller Schwächen als vielmehr ein Beleg für die inhärente Fragilität der Wohngebäudeversicherung gegenüber seltenen, aber extremen Schadenereignissen. Umgekehrt zeigt der schnelle Rückgang der Schaden-Kosten-Quote in den Folgejahren, wie rasch sich die Ertragslage bei normalisierten Schadenverläufen wieder stabilisieren kann, wenn Prämienstruktur und Risikosteuerung grundsätzlich tragfähig sind.

Provinzial Nord Brandkasse: Wohngebäude-Schwerpunkt mit regional gedämpfter Schadenvolatilität

Die Provinzial Nord Brandkasse ergänzt die Provinzial Versicherung AG innerhalb der Gruppe um ein deutlich kleineres, regional anders verankertes Kompositportfolio. Mit gebuchten Bruttoprämien von 680,61 Millionen Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 0,74 Prozent belegt sie Rang neunundzwanzig im Einzelranking der Mehrsparten-Kompositversicherer. Im Konzernkontext trägt sie damit rund ein Sechstel zum addierten Prämienvolumen der Provinzial-Gruppe bei.

Das Wachstum der Provinzial Nord fällt moderat und kontinuierlich aus. Seit 2019 stiegen die gebuchten Bruttoprämien von 528,10 Millionen Euro auf 680,61 Millionen Euro, was einem Zuwachs von rund 29 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um etwa 7,4 Prozent zu. Anders als bei der Provinzial Versicherung AG ist diese Entwicklung vollständig organisch geprägt und nicht durch strukturelle Zusammenführungen beeinflusst.

Wohngebäude ebenfalls zentral, regionale Risikostruktur jedoch günstiger

Auch die Provinzial Nord Brandkasse weist einen ausgeprägten Schwerpunkt in der verbundenen Wohngebäudeversicherung auf. Mit einem Anteil von 32 Prozent liegt dieser nahezu auf dem Niveau der Provinzial Versicherung AG. Das Kraftfahrtgeschäft erreicht 31 Prozent und ist damit etwas stärker gewichtet, während Haftpflicht (8 Prozent), Unfall (5 Prozent) und Hausrat (5 Prozent) ergänzende Rollen spielen. Der Restanteil von 19 Prozent entfällt auf sonstige Sachsparten wie Feuer-, technische Versicherungen, Beistandsleistungen, Rechtsschutz sowie weitere Segmente ("Rest").

Trotz dieser ähnlichen Portfoliostruktur zeigt sich eine deutlich geringere Ergebnisvolatilität. Maßgeblich dafür ist die regionale Exponierung: Die Provinzial Nord ist schwerpunktmäßig in norddeutschen Regionen tätig, die in den vergangenen Jahren vergleichsweise weniger stark von extremen Starkregen- und Hochwasserereignissen betroffen waren als etwa Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen.

Stabile Schaden-Kosten-Quote ohne Extremjahresausreißer

Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 87,05 Prozent, womit die Provinzial Nord Brandkasse Rang drei im Top-50-Vergleich erreicht. Auch in der Zeitreihe zeigt sich ein auffallend stabiles Bild. Der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegt bei 90,96 Prozent und bewegt sich damit dauerhaft im auskömmlichen Bereich. Extreme Ausschläge wie bei der Provinzial Versicherung AG im Jahr 2021 traten bei der Provinzial Nord nicht auf.

Kontinuierlich positives Ergebnisprofil

Das versicherungstechnische Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) belief sich 2024 auf 49,40 Millionen Euro, was Rang dreizehn im Branchenvergleich entspricht. Bemerkenswert ist die Konstanz: Anders als viele Wettbewerber – und auch anders als die größere Schwestergesellschaft – konnte die Provinzial Nord Brandkasse im gesamten Betrachtungszeitraum durchgehend positive Ergebnisse ausweisen. Diese schwankten zwischen 0,16 Millionen Euro im Jahr 2022 und 52,42 Millionen Euro im Jahr 2021. Über den Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich ein durchschnittliches versicherungstechnisches Ergebnis von 31,39 Millionen Euro.