Ratgeber Kasko | 09.11.11 Kfz-Versicherung: Wechseln und Sparen?
In keiner anderen Versicherungssparte sind die Kunden so wechselfreudig wie bei der Kfz-Versicherung. Dementsprechend haben sich die Versicherer in den vergangenen Jahren eine regelrechte Preisschlacht geliefert. Dabei löste die Huk-Coburg die Allianz im letzten Jahr als Marktführer ab, obwohl die Beiträge der Allianz in den vorangegangenen Jahren im Schnitt um 14 Prozent sanken. Doch in diesem Jahr scheint Vernunft in der Branche eingekehrt zu sein: Nach Jahren der Unterdeckung haben die Kfz-Versicherer erstmals seit knapp zehn Jahren die Preise nach oben korrigiert. Ein Preisvergleich kann sich dennoch lohnen. Bei einer jungen Familie, die für ihr Auto eine Vollkasko abschließen will, sind laut Stiftung Warentest Ersparnisse bis zu 717 Euro im Jahr möglich. Und oftmals bieten die billigen Tarife sogar einen besseren Schutz als so manches teure Angebot. Wir haben 7 Tipps gesammelt, damit der Autofahrer beim Wechsel der Kfz-Versicherung keinen Totalschaden erleidet. 1.) Wann ist ein Versicherungswechsel möglich?Grundlegend gilt bei Autoversicherungsverträgen das Kalenderjahr. Auch die kurze Kündigungsfrist von einem Monat begünstigt das Wechselkarussell. Will man seinen Vertrag kündigen, muss die Kündigung in schriftlicher Form bis zum 30.11. eingereicht werden. Erhöht die Versicherung die Beiträge, besitzt der Kunde ein außerordentliches Kündigungsrecht. Er kann dann innerhalb eines Monats nach Erhalt der Beitragsanpassung aus dem Vertrag aussteigen. Vor der Kündigung sollte bereits eine Alternative vorhanden sein. Denn ohne Versicherungsschutz darf in Deutschland kein Fahrzeug am Straßenverkehr teilnehmen. 2.) Leistungskatalog beachten!Vor dem Wechsel der Versicherung sollte man sich über die gewünschten Leistungen im klaren sein. Denn Kaskoversicherung ist nicht gleich Kaskoversicherung. Oft gibt es bei einer Versicherung mehrere Voll- und Teilkaskovarianten. Vom Basisschutz über ein mittleres Leistungsniveau bis hin zum Rundumschutz kann man individuell passende Tarife wählen. So sind beispielsweise in preiswerten Kasko-Tarifen mitunter nur Zusammenstöße mit Haarwild wie Rehen oder Wildschweinen versichert, nicht jedoch Zusammenstöße mit Haus-und Nutztieren. Wer oft im Ausland unterwegs ist, sollte sich ebenfalls vorher informieren, ob die Versicherung auch für das bereiste Land Schutz bietet. Manche Anbieter leisten nur, wenn sich ein Unfall auf dem Gebiet der EU ereignet. (vergleiche auch die Liste am Ende des Textes) Viele Versicherungen bieten mittlerweile Modul- und Bausteintarife an. Bei diesen Tarifvarianten wird ein Grundschutz gewährt und der Kunde kann darüber hinaus Leistungen individuell hinzuwählen, so zum Beispiel einen Schutzbrief oder einen Rabattschutz. Da nicht alle Leistungen der teuren Tarife für jeden Autofahrer sinnvoll sind (wer nie im Ausland mit einem Mietwagen unterwegs ist, braucht beispielsweise keine Mallorca-Police, die für Schäden im Ausland mit geliehenen PKW zahlt), kann mit den Modultarifen mitunter Geld gespart werden. Bei einem Versicherungsvergleich im Internet empfiehlt es sich mehrere Vergleichsportale zu nutzen, um einen kompletten Überblick über den Markt zu erhalten. Denn momentan gibt es noch keinen online Tarifcheck, der alle Versicherer im Kfz-Bereich listet. Derzeit fehlen dem Branchenriesen Check24 beispielsweise die Tarife von Ergo Direkt, HDI24, Huk24, HuK-Coburg, WGV und WGV-Himmelblau. Die Website Transparo dagegen hat keine Tarife von DEVK, Allianz und Cosmos Direkt. 3.) Schadensfreiheitsklassen – nicht alleiniges MerkmalDie Schadensfreiheitsklasse gibt die unfallfrei gefahrenen Jahre an und dienen maßgeblich zur Berechnung des individuellen Beitragssatzes einer Autoversicherung. Sie sind bei jeder Versicherung identisch, jedoch gewährleisten die Anbieter unterschiedlich hohe Beitragsnachlässe, wenn ein Fahrer lange ohne Unfall unterwegs ist. Vorsicht ist momentan durch die Umstrukturierung der Schadenfreiheitsklassen bei einigen Versicherern geboten. Zwar kann durch einen eventuell höheren Schadenfreiheitsrabatt etwas Geld gespart werden. Wenn jedoch im gleichen Augenblick die Grundbeiträge steigen, zahlt der Kunde möglicherweise nicht weniger. Hier zählt ein genauer Blick auf die zu bezahlende Prämie. 4.) Weiche Faktoren sind Mehrwert!Aber nicht nur der Preis sollte für einen Wechsel der Kfz-Versicherung ausschlaggebend sein, sondern auch die sogenannten „weichen Faktoren“. Wird bei einer Versicherung der Schaden schnell und problemlos geregelt oder muss sich der Versicherte auf langwierige Streitigkeiten einstellten, vielleicht sogar vor Gericht? Bietet die Versicherung eine kostenlose Telefonhotline für Fragen und Probleme an, oder muss für einen Anruf viel Geld bezahlt werden? Wie lange dauert es, bis eine Anfrage bearbeitet wird? Gibt es einen Ansprechpartner der Versicherung vor Ort und verfügt sie über ein ausreichend großes Netzwerk an Partnerwerkstätten? Unabhängige Testinstitute und Bewertungsportale im Internet bieten einen Überblick über die Servicequalität sowie eventuelle Probleme mit der Versicherung bei der Abwicklung im Schadensfall. 5.) Vorsicht: Wechsel von Voll- zu Teilkasko kann sogar teurer werdenBei einem Versicherungswechsel sollte zudem abgewogen werden, ob man in der neuen Versicherung eine Voll- oder eine Teilkaskoversicherung eingeschlossen haben will. Dabei stellt sich gerade bei älteren Fahrzeugen oft die Frage, ob eine Kaskoversicherung noch Sinn macht oder ob nur die obligatorische Haftpflichtversicherung notwendig ist. Einen Königsweg gibt es hinsichtlich dieser Frage nicht. Generell sollte diese Entscheidung vom Fahrzeugwert und dem zu zahlenden Versicherungsbeitrag abhängig gemacht werden. So können Versicherungsnehmer mit einer hohen Schadenfreiheitsklasse durchaus von sehr günstigen Beiträgen in der Kaskoversicherung profitieren. Und hier ist genaues Rechnen geboten: Da es in der Teilkasko keine Schadenfreiheitsklasse gibt und die Typklassen manchmal höher als in der Vollkasko sind, kann es durchaus passieren, dass der neue Tarif mit Teilkasko sogar teurer ist als der alte Tarif mit Vollkaskoschutz. 6.) Bei Neukauf Typklassen beachten!Wer sich einen Neu-oder Gebrauchtwagen kauft, sollte sich vorher informieren, in welche Typklassen der Fahrzeugtyp eingestuft wird. Die Typklassen werden jeweils zum 1. Oktober eines jeden Jahres von einem unabhängigen Treuhänder bestimmt. Die Einstufung der Typklassen basiert auf statistischen Auswertungen der Schadensfälle der vorangegangenen Jahre. Dadurch werden Modelle mit überdurchschnittlicher Unfallbeteiligung in eine entsprechenden ungünstigere Typklasse gesetzt. Eine Übersicht über die Typklassen gibt es im Internet unter www.typklassen.de. 7.) Einige Leistungen, auf die beim Abschuss einer KFZ-Versicherung zu achten ist:
Björn Bergfeld
|
Verbraucherrelevante Informationen für Ihre Website: zielgruppengerechte Inhalte, die Ihre Kunden interessieren.