Politik
Debatte | 08.09.11
 

Altersarmut - Ursula von der Leyen reformiert nur ein bisschen

Was tun gegen Altersarmut? Bundessozialministerin Ursula von der Leyen hat gestern ihren "Regierungsdialog Rente" vorgestellt - und erste Vorschläge unterbreitet, wie bedürftige Ruheständler besser gestellt werden können. Bereits 2013 sollen die neuen Regelungen in Kraft treten.

Die Inflation ist hoch, die Kaufkraft der Senioren sinkt und das Rentenniveau sackt in den Keller – Das Thema Altersarmut bestimmt seit Jahren die Schlagzeilen, doch neuerdings knirscht es wieder besonders laut in den Medien. „Rentner haben weniger im Geldbeutel“, „Jeder zweite geht mit Abschlägen in die Rente“, „Die Rente lahmt“ - so titelte etwa der Versicherungsbote in den letzten Wochen, denn auch wir wurden mit einer Fülle teils alarmistischer Meldungen konfrontiert. Experten prophezeien für die Zukunft sogar ein Sinken des Alterseinkommens unter das Grundsicherungsniveau.

Doch bisher ließ Bundessozialministerin Ursula von der Leyen alle Rufe nach Reformen ungehört verhallen. Linkspartei und Sozialverbände hatten angeregt, eine gesetzliche Mindestrente einzuführen, auch eine Abkopplung der Altersbezüge von der Lohnhöhe wurde diskutiert. Das alles ging der CDU-Politikerin zu weit: Sie wollte Schritte zur Armutsprävention in die Wege leiten, aber mit Bedacht. Vor allem kosten durften die Maßnahmen nicht viel, schließlich will die Sozialministerin in den nächsten beiden Jahren die Beiträge zur Rentenversicherung senken.

Am gestrigen Mittwoch stellte sie nun eigene Pläne im Kampf gegen Altersarmut vor. Gegenüber der Leipziger Volkszeitung sagte die Ministerin: "Unser Rentensystem ist im Grundsatz fest aufgestellt. Doch es haben sich auch einige Schwachstellen gezeigt, an denen wir besser werden müssen. Ziel sind konkrete gesetzgeberische Schritte, die wir Anfang des Jahres auf den Weg bringen wollen". Rentner sollen zukünftig besser gestellt werden – doch nicht allen wird die Reform nützen.

Vorschläge der Bundesregierung zur Eindämmung der Altersarmut

  • Rentenzuschüsse für Geringverdiener Geringverdiener, die mindestens 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, sollen eine Aufstockung ihrer Grundsicherung auf monatlich 850 Euro erhalten. Es ist angedacht, die Zuschüsse aus Steuermitteln zu finanzieren. Nach Informationen der Passauer Neuen Presse könnten im Startjahr 2013 rund 17.000 Rentner davon profitieren, diese Zahl bis zum Jahr 2035 auf 1,1 Millionen Bezugsberechtigte steigen.
    Zum Start der Zuschussrente ist zudem eine 10jährige Übergangszeit mit erleichterten Zugangsbedingungen angedacht. Hierzu teilt das Bundesministerium auf seiner Homepage mit: „In den ersten 10 Jahren reichen für den Zugang zur Zuschussrente 40 Versicherungsjahre (mit angerechnet werden können: Beschäftigung, Schulbildung ab Alter 17, Ausbildung, Studium, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schwangerschaft), 30 Beitragsjahre (angerechnet werden Beschäftigung, Zeiten der Kindererziehung oder Pflege) und zum Start (2013-2017) 5 Jahre zusätzlicher Vorsorge.“

  • Bessere Zurechnungszeiten für Erwerbsminderungsrenten Wer aufgrund einer Behinderung oder Krankheit nur eingeschränkt erwerbsfähig ist, hat in Deutschland Anrecht auf eine Erwerbsminderungsrente. Bisher werden Empfänger von Erwerbsminderungsrenten so gestellt wie Arbeitnehmer, die bis zum 60. Lebensjahr gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Diese Grenze soll nun schrittweise auf 62 Jahre erhöht werden. Dadurch will man eine Erhöhung der Erwerbsminderungsrente bewirken.

  • Erhöhung der Hinzuverdienstgrenzen für Frührentner Zeitgleich sehen die Pläne vor, die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner zu ändern. Derzeit dürfen diese lediglich 400 Euro ohne Abschläge dazuverdienen. Bei höheren Einkünften verringert sich die Rente dementsprechend. Diskutiert wird nun, die Grenze auf die Höhe des früheren Nettolohns anzuheben.

Nicht alle können profitieren

Auf wenig Gegenliebe stießen die Pläne des Bundesministeriums bei Sozialverbänden und Gewerkschaften. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes, sprach von einer Mogelpackung. "Es ist wie beim Bildungspaket für Hartz-IV-Empfänger: Eine grundsätzlich richtige Sache wird gemacht, doch die Rahmenbedingungen führen dazu, dass kaum jemand die Leistung in Anspruch nehmen kann."
Ähnlich äußerte sich Annelie Buntenbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie kritisierte, dass vor allem selbstständige Geringverdiener nicht von den Maßnahmen profitieren können, da die Begünstigungen an die Einzahlung in die Rentenkasse gebunden sind.

Doch auch aus den eigenen Reihen kam Kritik. Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU) äußerte gegenüber der Leipziger Volkszeitung die Befürchtung, dass gerade ostdeutsche Rentner benachteiligt werden. Der Grund: Eine Aufstockung der Rente erhält nur, wer eine lückenlose Erwerbsbiographie vorzuweisen hat. Viele ältere Arbeitnehmer verloren jedoch im Trubel der Nachwendezeit ihren Job. Wer im Jahr 2020 in Rente geht und bisher zu den Geringverdienern zählte, muss folglich trotz der angedachten Regelungen ein Abrutschen in die Altersarmut fürchten.

 
 

Kommentare (5)Kommentar schreiben
 
von der Leyen unter Realitätsverlust 
Da fehlt blos noch der Spruch: Die Rente ist sicher. So einen Blödsinn kann sich doch kein Mensch mit Verstand ausdenken. Als wenn die tausendste Sonderreglung bei der Rente irgendwie für Gerechtigkeit sorgt.
geschrieben von Josef Stein am 08.09.2011 23:16
 
Ja ja die Rentner, 
eine neue - und riesige Wahlgruppe muss mobilisiert werden, denn mit der CDU/FDP geht´s rapide bergab.
Und Frau v.d. Leyen wird als Seelenretterin ins Feld geschickt- und grotesker Weise sollen die Mickerrenten- durch Steuergelder aufgestockt werden- aber eine gesetzliche Minirente nein- merkt denn eigentlich niemand was das für widersprüchliches Handeln ist?
geschrieben von Dörrobst am 09.09.2011 12:33
 
Zum Thema der Osten 
Also der Osten von unserem schönen Land kann jammern wie er will. Die Renten werden nie auf Westniveau sich bewegen, warum auch, es fehlt einfach die Wirtschaftskraft und damit die eingezahlten Beiträge. Die können froh sein überhaupt Rente zu bekommen. Das beste wäre nach der `Widervereinigung` eine Aberkennung aller in der DDR erworbenen Rentenentgelte zu vollziehen und diese durch eine Staatsrente (aus Steuermitteln) zu ersetzen. Dann wäre die Rentenkasse heute voller.
Und so eine Quatsch im Artikel zum Beitrag von Frau Clauß: wer 2020 in Rente geht , regulär also mit 67 , der war in der Nachwendezeit mitnichten alt- Adam Riese sagt mir: 30 Jahre zum Zeitpunkt 1990!!!
Also immer schön mitdenken und es ist wie es ist:
Der Osten jammert und der Westen lamentiert!
geschrieben von Paul am 09.09.2011 12:51
 
Zum Thema der Osten - an Paul 
"Und so eine Quatsch im Artikel zum Beitrag von Frau Clauß: wer 2020 in Rente geht , regulär also mit 67 , der war in der Nachwendezeit mitnichten alt- Adam Riese sagt mir: 30 Jahre zum Zeitpunkt 1990!!!"

Wer 2020 mit 67 Jahren in Rente geht war nach meinen genauen Berechnungen 37 Jahre alt.

Und dazu einen Auszug aus einem Artikel von der Zeit: "Als Deutschland Einheit feiert, 1990, sind Sigrid und Matthias in einem schönen Alter, 37 und 38, ihr Sohn ist zehn. Das Paar arbeitet seit fast 20 Jahren im VEB Ascota, einem Betrieb, in dem beide den Beruf des Mechanikers für Datenverarbeitungs- und Büromaschinen erlernt hatten. Ascota wird abgewickelt. Sigrid Falke lässt sich 1991 zur Einzelhandelskauffrau umschulen, mit IHK-Abschluss. Man hat ihr das auf dem Arbeitsamt angepriesen. Ihren Mechanikerberuf, sagte man ihr, könne sie vergessen, »das ist alles Schrott, was ihr da gemacht habt«. So erinnert sie sich.
Mit ihrem neuen Abschluss sucht Frau Falke 1993 eine Stelle. Sie hat Vorstellungsgespräche, viele, niemand nimmt sie. Manche sagen »Sie sind zu alt«, da ist sie noch keine 40."

Also Paul, wie war das? Immer schön mitdenken.

geschrieben von Lutz Speitkamp am 09.09.2011 13:23
 
Asche auf mein Haupt, ich habe mich verrechnet, 
aber auch 37 Jahre ist nicht alt, oder? Und die Umerziehung nicht wieder einzugliedernder Ostdeutscher in das neue Wirtschaftssystem kann doch jetzt nicht zu Lasten der Rentenkasse gehen-die Wiedervereinigung an sich hat mit Milliarden die Rentenkasse belastet.
Zum Glück ist es der Mehrheit der damals 37-jährigen wohl geglückt sich im vereinten Deutschland ein BERUFSLEBEN aufzubauen.
Wie gesagt Jammern und Lamentieren.
Oder mit Heine:"Das ist schön bei uns Deutschen: Keiner ist so verrückt, daß er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.“ ;)
geschrieben von Paul am 09.09.2011 14:06
 
 
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