Politik Debatte | 08.09.11 Altersarmut - Ursula von der Leyen reformiert nur ein bisschen
Die Inflation ist hoch, die Kaufkraft der Senioren sinkt und das Rentenniveau sackt in den Keller – Das Thema Altersarmut bestimmt seit Jahren die Schlagzeilen, doch neuerdings knirscht es wieder besonders laut in den Medien. „Rentner haben weniger im Geldbeutel“, „Jeder zweite geht mit Abschlägen in die Rente“, „Die Rente lahmt“ - so titelte etwa der Versicherungsbote in den letzten Wochen, denn auch wir wurden mit einer Fülle teils alarmistischer Meldungen konfrontiert. Experten prophezeien für die Zukunft sogar ein Sinken des Alterseinkommens unter das Grundsicherungsniveau. Doch bisher ließ Bundessozialministerin Ursula von der Leyen alle Rufe nach Reformen ungehört verhallen. Linkspartei und Sozialverbände hatten angeregt, eine gesetzliche Mindestrente einzuführen, auch eine Abkopplung der Altersbezüge von der Lohnhöhe wurde diskutiert. Das alles ging der CDU-Politikerin zu weit: Sie wollte Schritte zur Armutsprävention in die Wege leiten, aber mit Bedacht. Vor allem kosten durften die Maßnahmen nicht viel, schließlich will die Sozialministerin in den nächsten beiden Jahren die Beiträge zur Rentenversicherung senken. Am gestrigen Mittwoch stellte sie nun eigene Pläne im Kampf gegen Altersarmut vor. Gegenüber der Leipziger Volkszeitung sagte die Ministerin: "Unser Rentensystem ist im Grundsatz fest aufgestellt. Doch es haben sich auch einige Schwachstellen gezeigt, an denen wir besser werden müssen. Ziel sind konkrete gesetzgeberische Schritte, die wir Anfang des Jahres auf den Weg bringen wollen". Rentner sollen zukünftig besser gestellt werden – doch nicht allen wird die Reform nützen. Vorschläge der Bundesregierung zur Eindämmung der Altersarmut
Nicht alle können profitieren
Auf wenig Gegenliebe stießen die Pläne des Bundesministeriums bei Sozialverbänden und Gewerkschaften. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes, sprach von einer Mogelpackung. "Es ist wie beim Bildungspaket für Hartz-IV-Empfänger: Eine grundsätzlich richtige Sache wird gemacht, doch die Rahmenbedingungen führen dazu, dass kaum jemand die Leistung in Anspruch nehmen kann." Doch auch aus den eigenen Reihen kam Kritik. Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU) äußerte gegenüber der Leipziger Volkszeitung die Befürchtung, dass gerade ostdeutsche Rentner benachteiligt werden. Der Grund: Eine Aufstockung der Rente erhält nur, wer eine lückenlose Erwerbsbiographie vorzuweisen hat. Viele ältere Arbeitnehmer verloren jedoch im Trubel der Nachwendezeit ihren Job. Wer im Jahr 2020 in Rente geht und bisher zu den Geringverdienern zählte, muss folglich trotz der angedachten Regelungen ein Abrutschen in die Altersarmut fürchten.
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