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01.09.2015

InterviewClark, Knip & Co - FinTech-Firmen haben fachliche Defizite

FinTech-Firmen, wie Clark, Knip & Co, haben fachliche Defizite.geralt/Pixabay

Startups verkaufen Versicherungs- und Bank-FinTech-Gründungen zurzeit gefühlt wie Quengelware. Was ist dran an den neuen Unternehmen? Vor allem: Was ist drin in den FinTech-Startups? Wie die neuen FinTech-Unternehmen funktionieren, dazu hat der Versicherungsbote Dominik Groenen, Gründer von verschiedenen Versicherungs-Starts Ups und Branchenkenner seit 17 Jahren, befragt.

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Teil zwei des Interviews (Teil eins finden Sie hier)



Versicherungsbote: Herr Groenen, welche Rolle ordnen sie in der neuen Vertriebswelt den Versicherern zu?

Groenen: Zunächst; die FinTechs unterschätzen die Versicherungs-Branche. Diese schnellen Startups treffen auf Old-Economy-Versicherer. Die Assekuranz braucht heute noch zu lange, um schnell auf Anforderungen der Startups zu reagieren. Kurzum, die Versicherer können innovative Produkte oder Services, hier wiederholt sich das Schnittstellenproblem als Kommunikationsproblem, noch gar nicht liefern...

Versicherungsbote: ...aber der Trendforscher Sven Gábor Jánszky, auch ein Assekuranz-Experte, sagt doch sinngemäß: Gerade weil die Versicherer zu langsam sind, stülpen FinTechs einfach ihr Geschäftsmodell sozusagen über die Versicherer drüber...

Banking und FinTech ist nicht Versicherung und FinTech

Dominik Groenen, Hannover, ist Versicherungskaufmann und Gesellschafter bei erste digital (Scan2insure) und massup, einer Business-Plattform für den Verkauf einfacher Versicherungen und nach eigenen Angaben strategischer Berater für diverse Versicherer zur digitalen Strategie. Vormals war er am Londoner Llyods Markt tätig und hat diverse Versicherungs-Start Ups gegründet.Groenen: ...und scheitern an der technischen Verbindung alter Versicherungs-Datenbankensysteme mit der Kunden-App, um das einmal abgekürzt und etwas plakativ zu sagen. Ich wiederhole; was bei Banken und Banking bei Finanzblick mit drei unterschiedlichen Banken und Konten bereits im Smartphone des Kunden funktioniert, daran scheitern Versicherungs-FinTechs heute noch. Und wenn sie mich fragen; es dauert noch einige Jahre, bis der Kunde seine Policen wie Bankkonten auf Smartphone oder Tablet-PC verwalten kann.

Versicherungsbote: Warum geht FinTech bei Banken und Zahlungsverkehr, aber noch nicht bei Versicherung?

Groenen: Weil die technischen Strukturen fehlen, mit denen die FinTechs Versicherungsbestände automatisiert und zur Aufbereitung für den Kunden abgreifen könnten. Sven Gábor Jánszky hat aber recht, was seine Prognosen, die bereits aus dem Jahr 2012 stammen, in Bezug auf Banken betrifft. Deswegen wollen die Banken ja demnächst mit einem eigenen Bezahldienst gegen Pay Pal antreten.

Versicherungsbote: Was ist nun das eigentliche Problem für FinTechs, Versicherungen im Massenbetrieb für den Kunden zu digitalisieren?

Groenen: Einfach gesagt, Online Banking gab es schon, Online-Versicherung muss erst kommen. Bank-FinTechs mussten eigentlich nur das Online-Banking auf das Smartphone bringen. Bei Versicherung gälte dies auch. Nur gibt es zurzeit noch kaum Online-Versicherungs-Dienste die mit Online Banking vergleichbar wären. Bitte nicht vergessen: Online Banking ist immerhin auch gut zehn bis 15 Jahre lang entwickelt und perfektioniert worden. Diesen Innovationsschritt zur Online-Versicherungs-Verwaltung durch den Kunden muss die Assekuranz erst einmal gehen.

„Knip wusste anfangs nicht ...“

Versicherungsbote: Zurück zu den Versicherungs-FinTechs in der Startup-Phase. Sie sehen bei einigen Neugründungen fachliche Defizite?

Groenen: Allerdings, Knip wusste anfangs nicht, was der Unterschied zwischen einer Makler-Vollmacht, einer Auskunftsvollmacht und einem Maklervertrag ist. Einmal generell gesagt: Da werden hunderttausende oder gar Millionen Euro investiert, um neue Marken und neue Services zu etablieren. Marketing oder Design scheinen manchmal wichtiger als angewandtes Versicherungshandwerk ...

Versicherungsbote: ... aber Fachwissen kann man doch einkaufen?

Groenen: Das stimmte, wenn dieses Wissen denn eingekauft und rechtliche Dinge im Vorfeld geklärt würden. Tatsächlich kämpft Moneymeets mit dem Provisionsabgabe-Verbot. Inzwischen gegen den Maklerverband IGVM vor Gericht. Ich kann mich nicht erinnern, dass moneymeets direkt mit seinem Marktauftritt zugleich eine juristische Expertise vorgelegt hätte, warum sie ihren Kunden 50 Prozent der Courtage abgeben dürfen.

Versicherungsbote: Aber rechnen Sie nicht auch realistisch vor dem Hintergrund der EU-Richtlinien mit dem Fall des Provisionsabgabe-Verbots?

Groenen: Perspektiv wird das Verbot wohl fallen, davon gehe ich auch aus. Aber das ist nicht der Punkt, den moneymeets in meinen Augen nicht beachtet hat. Derzeit ist Provisionsabgabe verboten; geltendes Recht. Und klar; nur wenn ich den Fall dieses Verbots erwarte, baue ich ein Geschäftsmodell darauf auf. Aber dann bringe ich mit dem Launch meines neuen Geschäfts gleich eine starke Position, eben eine nennen wir sie starke Expertise mit dem Siegel eines anerkannten Juristen auf den Markt.

Versicherungsbote: Ist das Thema Provisionsverbot mit Blick auf moneymeets nicht ein reines PR-Geplänkel? Oder mehr? Vielleicht wollte das Unternehmen gar verklagt werden. Verklagt zu werden in einer je nach Standpunkt populären oder unpopulären Angelegenheit wie dem Provisionsabgabe-Verbot ist ja schließlich auch PR; also Kommunikation in Richtung Öffentlichkeit.



Moneymeets: Modell ohne Provisionsabgabe-Verbot gemacht?



Groenen: Ja sicher. Jede Presse, egal ob gut oder schlecht, ist Presse, also Öffentlichkeitswirkung und damit Aufmerksamkeit. Marketing eben. Aber die Argumente von moneymeets in Richtung Opposition der traditionellen Makler war meines Erachtens dünn, gar dilettantisch. Nach außen kommunizierte moneymeets aus meiner Sicht recht laienhaft. Dort sprach man von einer „Revolution“ am Versicherungsmarkt. Argumente rechtlicher Art und warum Provisionsabgabe statthaft sei: Fehlanzeige. Und so verlagert sich er Markt der Meinungen, also die öffentliche Diskussion, in den Gerichtssaal. Letztlich sehe ich nicht, dass moneymeets die Klage des IGVM-Maklerverbands strategisch kalkuliert hätte.

Versicherungsbote: Seit 2011 bereits gibt es Friendsurance, eine Art Mischung aus Versicherungsmakler und Facebook-Prinzip. Dort gibt es inzwischen längere Erfahrungen zum Beispiel mit der Handyversicherung. Hat sich das bisher gelohnt?

Groenen: Bei Friendsurance konnte man seit einigen Jahren Handy-Versicherungen kaufen. Risikoträger war die Deutsche Familienversicherung. Vertrieben wurden die Versicherungen vor allem über Online-Shops wo man neben dem Handy auch eine Versicherung kaufen konnte. Friendsurance hat seine Provisionen, etwa 30 Euro je Vertrag, an die Online-Shops weitergegeben. Und nichts daran verdient. Das war sozusagen der Preis für Friendsurance, um in den Markt und zu Kunden zu kommen. Jüngst hat Friendsurance das Produkt des neuen Risikoträger Assurant zum Beispiel bei Dein Handy integriert.

„Es hat noch kein Versicherer mit Friendsurance Geld verdient“ 


Versicherungsbote: Hat sich Friendsurance für die kooperierenden Versicherer gelohnt?

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Groenen: Es hat noch kein Versicherer mit Friendsurance Geld verdient, vermute ich. Friendsurance ist für die Assekuranz lediglich ein Testfeld. Abwarten. Ich würde dort nicht investieren. Deren Handyversicherungs-Partner Assurant ist übrigens bei Schutzklick investiert. Zu diesem Startup kann man sagen: Die haben neben Friendsurance die Technologie, mit der sie sich bei Online-Shops sozusagen ins Verkaufssystem einbetten können. Assurant hofft, mit der Kooperation mit Friendsurance und dem Investment bei Schutzklick auf den deutschen Markt zu kommen.

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