Komposit: Wer das Geschäft dominiert (Teil 1: Bayerischer VersVerband bis Generali)

Quelle: DALL-E

Die Generali Deutschland nimmt im Kompositmarkt eine besondere Stellung ein. Der Konzern tritt nicht als homogener Schaden- und Unfallversicherer auf, sondern gliedert sein Geschäft strikt nach Betriebs- und Vertriebsmodellen: klassisches Ausschließlichkeitsgeschäft (Generali Deutschland Versicherung), Direktvertrieb (CosmosDirekt) und Maklervertrieb (Dialog). In der Summe erreicht die Generali damit Rang sieben unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern. Addiert kommen die drei Gesellschaften 2024 auf 4,07 Milliarden Euro gebuchte Bruttoprämien und einen Marktanteil von 4,40 Prozent. In der Einzelwertung liegen die Gesellschaften dabei deutlich auseinander: Die Generali Deutschland Versicherung belegt Rang sieben, die Dialog Rang 34 und die Cosmos Rang 43.

Generali Deutschland Versicherung: Nähe zum Marktprofil, stabile Ertragskraft

Mit 3,19 Milliarden Euro Bruttoprämien und einem Marktanteil von 3,45 Prozent bildet die Generali Deutschland Versicherung AG das Rückgrat des Konzerns im Kompositgeschäft. Seit 2019 wuchs das Prämienvolumen von 2,55 auf 3,19 Milliarden Euro, was einem Plus von rund 25 Prozent entspricht; allein 2024 gegenüber 2023 betrug der Zuwachs gut 7,5 Prozent.

Die Portfoliostruktur liegt insgesamt nahe am durchschnittlichen Kompositprofil. Kraftfahrt erreicht 38 Prozent, Haftpflicht 13 Prozent, die verbundene Wohngebäudeversicherung 13 Prozent. Auffällig sind ein erhöhter Unfallanteil von 14 Prozent sowie ein überdurchschnittlicher Hausratanteil von 7 Prozent. Der Restanteil beträgt 15 Prozent.

Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 94,36 Prozent (Rang 19) und blieb im gesamten Zeitraum 2019 bis 2024 stets unter der Marke von einhundert Prozent. Der Mehrjahresschnitt von 91,74 Prozent unterstreicht die hohe Effizienz. Beim versicherungstechnischen Ergebnis erzielte die Gesellschaft 2024 einen Gewinn von 84,40 Millionen Euro (neuntbestes Ergebnis der Branche); lediglich 2023 wurde mit –16,30 Millionen Euro ein Verlust ausgewiesen. Der Durchschnitt 2019 bis 2024 liegt bei 181,64 Millionen Euro.

CosmosDirekt: Kfz-Monofokus mit hoher Effizienz

Die Cosmos Versicherung AG steht für das Direktmodell innerhalb des Konzerns. Mit 334,20 Millionen Euro Bruttoprämien und 0,36 Prozent Marktanteil ist sie volumenmäßig wesentlich kleiner, weist aber ein extrem fokussiertes Portfolio auf. 79 Prozent der Prämien entfallen auf Kraftfahrt, ergänzt durch geringe Anteile in Unfall (7 Prozent), Haftpflicht (6 Prozent), Hausrat (4 Prozent) und Wohngebäude (4 Prozent); der Restanteil liegt bei 1 Prozent.

Trotz dieser Konzentration überzeugt Cosmos durch außergewöhnlich niedrige Schaden-Kosten-Quoten. 2024 lag die CR bei 90,87 Prozent (Rang acht), der Durchschnitt 2019 bis 2024 sogar bei 86,57 Prozent. Damit gehört Cosmos zu den effizientesten Kfz-lastigen Anbietern im Markt und unterscheidet sich klar von vielen anderen Direktversicherern. Diese Effizienz schlägt sich auch im versicherungstechnischen Ergebnis nieder: Cosmos weist über den gesamten Zeitraum 2019 bis 2024 durchgehend positive Ergebnisse aus. Im Jahr 2024 lag der Gewinn bei 21,77 Millionen Euro; der Mehrjahresschnitt beträgt 35,53 Millionen Euro.

Dialog: Maklergeschäft mit höherer Volatilität

Die Dialog Versicherung AG bedient als Maklerversicherer ein strukturell anderes Geschäftsfeld als klassische Ausschließlichkeits- oder Direktanbieter. 2024 erreichte sie gebuchte Bruttoprämien von 545,87 Millionen Euro und einen Marktanteil von 0,59 Prozent. Das Portfolio ist deutlich weniger kraftfahrtlastig als im Marktdurchschnitt: Kraftfahrt kommt auf 23 Prozent, Haftpflicht auf 16 Prozent, die verbundene Wohngebäudeversicherung auf 17 Prozent. Auffällig ist zudem der hohe Restanteil von 32 Prozent, der unter anderem rechtsschutznahe Segmente, gewerbliche Sachsparten, Spezialdeckungen sowie weitere nicht standardisierte Risiken umfasst.

Gerade diese Struktur ist typisch für das Maklermodell. Anders als im standardisierten Privatkundengeschäft bündeln sich bei der Dialog vermehrt individuell gestaltete Risiken, gewerbliche Verträge und Sonderkonzepte, die zwar zur Diversifikation beitragen, zugleich aber eine höhere Ergebnisvolatilität mit sich bringen können. Insbesondere die verbundene Wohngebäudeversicherung dürfte hierbei eine prägende Rolle spielen: Sie ist zwar geringer gewichtet als bei regionalen Gebäudeversicherern, wirkt sich in Schadenjahren jedoch überproportional auf die Combined Ratio aus, da Maklerbestände häufig höhere Einzelrisiken und geringere Kollektivglättung aufweisen.

Diese strukturellen Besonderheiten spiegeln sich in der Schaden-Kosten-Quote wider. 2024 lag die Combined Ratio bei 95,13 Prozent (Rang 24 von 50). In der Zeitreihe zeigt sich jedoch eine erhöhte Schwankungsanfälligkeit: In den Jahren 2021 (106,15 Prozent), 2022 (102,56 Prozent) und 2023 (100,94 Prozent) überschritt die Quote jeweils die Marke von einhundert Prozent. Der Mehrjahresschnitt 2019 bis 2024 liegt mit 97,55 Prozent zwar rechnerisch noch im auskömmlichen Bereich, verdankt dies jedoch vor allem einzelnen Entlastungsjahren.

Auch beim versicherungstechnischen Ergebnis zeigt sich diese Ambivalenz. 2024 weist die Dialog einen Verlust von 15,28 Millionen Euro aus und erreicht Rang 35 im Branchenvergleich. Bereits in den beiden Vorjahren lagen die Ergebnisse mit minus 28,30 Millionen Euro (2023) und minus 15,22 Millionen Euro (2022) im negativen Bereich. Über den gesamten Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich damit ein durchschnittliches versicherungstechnisches Ergebnis von minus 0,98 Millionen Euro. Die Dialog operiert damit nahe an der Ertragsschwelle – ein Befund, der weniger auf operative Schwächen als auf die strukturellen Anforderungen des maklergetriebenen, risikoheterogenen Kompositgeschäfts zurückzuführen ist.

Hintergrund und Methodik

Alle genannten Kennzahlen stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Komposit der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Auswertung umfasst die fünfzig größten Mehrsparten-Kompositversicherer in Deutschland und deckt damit rund 87 Prozent des gesamten Schaden- und Unfallmarktes ab. Berücksichtigt werden ausschließlich Versicherer mit einem breiten Kompositportfolio: Rechtsschutz-Monoliner sind nicht Teil des Kollektivs. Zwar fließen Rechtsschutzanteile in die Bestandsstruktur der einzelnen Gesellschaften ein, eigenständige Rechtsschutz-Spezialversicherer wie Arag, Roland oder Ergo Rechtsschutz erscheinen im Branchenmonitor jedoch nicht. Der Branchenmonitor ermöglicht eine vergleichende Einordnung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit innerhalb eines klar definierten Marktsegments. Das Analyseinstrument kann – wie auch weitere Branchenmonitore der V.E.R.S. Leipzig GmbH – kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Experten bezogen werden.

Der vorliegende erste Teil der Porträtreihe stellt die Marktführer im Kompositgeschäft auf den Rängen zwölf bis sieben nach gebuchten Bruttoprämien vor. In einem zweiten Teil folgen anschließend die führenden Anbieter auf den Rängen sechs bis eins.