Die Unternehmen der Versicherungskammer spielen im deutschen Kompositmarkt eine wichtige Rolle. Innerhalb des Konzerns ist der Bayerische Versicherungsverband Versicherungs-AG der mit Abstand größte Schaden- und Unfallversicherer nach gebuchten Bruttoprämien. Mit einem Prämienvolumen von 2,37 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 2,56 Prozent belegt die Gesellschaft Rang zwölf unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern.
Das Wachstum fällt dabei nicht nur absolut, sondern auch relativ deutlich aus. Seit 2019 erhöhten sich die gebuchten Bruttoprämien von 1,58 Milliarden Euro auf 2,37 Milliarden Euro – ein Zuwachs von rund 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Allein im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um gut 9,5 Prozent zu. Der Bayerische Versicherungsverband ist damit ein Anbieter mit spürbar wachsender Marktbedeutung.
Hoher Gebäudeanteil prägt das Risikoprofil
Auffällig ist die Bestandszusammensetzung, die sich klar vom durchschnittlichen Kompositportfolio unterscheidet. Der Anteil der verbundenen Wohngebäudeversicherung liegt mit 29 Prozent deutlich über dem Marktdurchschnitt von 16 Prozent. Gleichzeitig ist das Kraftfahrtgeschäft mit ebenfalls 29 Prozent erheblich schwächer gewichtet als im Branchenmittel von rund 40 Prozent. Die Haftpflichtversicherung erreicht mit 15 Prozent ebenfalls einen überdurchschnittlichen Anteil gegenüber dem Durchschnitt von 10 Prozent, während Unfall (8 Prozent) und die verbundene Hausratversicherung (4 Prozent) in etwa dem Marktniveau liegen. Die verbleibenden 15 Prozent entfallen auf sonstige Sachsparten, darunter Feuer-, technische Versicherungen, Beistandsleistungen sowie weitere kleinere Segmente ("Rest").
Entsprechend zeigt sich eine erhöhte Volatilität auf der Schaden- und Kostenseite. 2024 lag die Schaden-Kosten-Quote bei 104,65 Prozent und damit klar oberhalb der technischen Kostendeckungsgrenze. Bereits 2019, 2023 und nun erneut 2024 überschritt die Quote die Marke von einhundert Prozent. Über den Zeitraum von 2019 bis 2024 liegt der Durchschnitt mit 99,94 Prozent rechnerisch noch im auskömmlichen Bereich – allerdings nur aufgrund einzelner Entlastungsjahre.
Versicherungstechnisches Ergebnis unter Druck
Die strukturellen Belastungen spiegeln sich deutlich im versicherungstechnischen Ergebnis wider. Im Jahr 2024 weist der Bayerische Versicherungsverband einen Verlust von 81,49 Millionen Euro aus und erzielt damit das drittschlechteste versicherungstechnische Ergebnis im Top-50-Kollektiv der Kompositversicherer. Auch in den Jahren 2019 und 2023 lagen die Ergebnisse bereits im Minus. In den übrigen Jahren des Betrachtungszeitraums wurden zwar positive Ergebnisse erzielt, diese fielen jedoch überwiegend moderat aus.
Das beste Ergebnis stammt aus dem Corona-Jahr 2020, in dem ein Gewinn von 59,58 Millionen Euro erreicht wurde. Dieser positive Ausreißer reicht jedoch nicht aus, um die Verlustjahre vollständig zu kompensieren. In der Mehrjahresbetrachtung ergibt sich damit ein durchschnittliches versicherungstechnisches Ergebnis von minus 0,75 Millionen Euro. Der Bayerische Versicherungsverband operiert damit über den Zeitraum 2019 bis 2024 insgesamt nahe an der Nulllinie und verdeutlicht exemplarisch, wie stark Portfoliofokus, Schadenverlauf und Ergebnisvolatilität im Kompositgeschäft miteinander verknüpft sind.