Komposit: Wer das Geschäft dominiert (Teil 1: Bayerischer VersVerband bis Generali)

Quelle: DALL-E

Mit dem Zusammenschluss von Gothaer und Barmenia ist im Jahr 2024 einer der bedeutendsten neuen Versicherungskonzerne im deutschen Markt entstanden. Im Branchenmonitor Komposit 2025 bildet sich dieser Zusammenschluss jedoch noch nicht als einheitliche Gesellschaft ab, sondern spiegelt den Zustand vor der Fusion wider. Methodisch lassen sich die beiden Kompositgesellschaften dennoch additiv betrachten. Zusammen erreichen Gothaer Allgemeine und Barmenia Allgemeine 2024 gebuchte Bruttoprämien von rund 3,04 Milliarden Euro und einen kombinierten Marktanteil von 3,28 Prozent. Damit würde die neue BarmeniaGothaer im Kompositmarkt Rang neun einnehmen.

Auffällig ist dabei weniger die absolute Größe als vielmehr die ausgeprägte Heterogenität der beiden Portfolios. Beide Gesellschaften weichen in ihrer Bestandsstruktur deutlich vom durchschnittlichen Kompositprofil ab – allerdings auf unterschiedliche Weise.

Gothaer Allgemeine: Breites Sachportfolio mit hohem Restanteil

Die Gothaer Allgemeine Versicherungs-AG ist innerhalb des neuen Konzerns der mit Abstand größere Schaden- und Unfallversicherer. Mit gebuchten Bruttoprämien von 2,66 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 2,88 Prozent belegt sie Rang elf unter den Mehrsparten-Kompositversicherern, wenn man Töchter eines Konzerns rechtlich getrennt betrachtet. Das Wachstum ist über mehrere Jahre hinweg stabil. Seit 2019 stiegen die Prämieneinnahmen von 1,85 Milliarden Euro auf 2,66 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund 44 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um gut 10,2 Prozent zu.

Portfolio der Gothaer von hohem "Rest-Anteil" geprägt

Die Portfoliostruktur unterscheidet sich deutlich vom Marktdurchschnitt. Der Kraftfahrtanteil liegt mit 20 Prozent erheblich unter dem Branchenmittel von rund 40 Prozent. Gleichzeitig weist die Gothaer einen außergewöhnlich hohen Restanteil von 37 Prozent auf. Dieser umfasst unter anderem Rechtsschutz, Feuer-, technische Versicherungen sowie weitere Sachsparten und prägt das Risikoprofil maßgeblich. Die Haftpflichtversicherung erreicht mit 18 Prozent ebenfalls einen überdurchschnittlichen Anteil, während Unfall (6 Prozent), Hausrat (4 Prozent) und verbundene Wohngebäudeversicherung (16 Prozent) im Bereich des Marktniveaus liegen.

Schaden-Kosten-Quote der Gothaer zeigt geringe Volatilität

Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 93,35 Prozent, was Rang 14 im Top-50-Kollektiv entspricht. Auffällig ist die vergleichsweise geringe Volatilität: Lediglich im Extremwetterjahr 2021 überschritt die Quote die Marke von einhundert Prozent. Der Mehrjahresschnitt 2019 bis 2024 liegt mit 98,98 Prozent noch im auskömmlichen Bereich.

Beim versicherungstechnischen Ergebnis zeigt sich jedoch ein durchwachsenes Bild. 2024 verbleibt die Gothaer mit einem Gewinn von 1,35 Millionen Euro nur knapp in der schwarzen Zone und erreicht Rang 24. In den Vorjahren traten wiederholt Verluste auf, insbesondere im Jahr 2021 (minus 9,70 Millionen Euro) sowie 2023 (minus 17,47 Millionen Euro). Das beste Ergebnis stammt aus dem Corona-Jahr 2020 mit einem Gewinn von 104,92 Millionen Euro. Über den gesamten Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich dennoch ein durchschnittliches positives versicherungstechnisches Ergebnis von 27,83 Millionen Euro.

Barmenia Allgemeine: Kleineres Volumen, hohe Unfall- und Restanteile

Die Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG ist im Kompositmarkt deutlich kleiner positioniert. Mit gebuchten Bruttoprämien von 374 Mio. Euro und einem Marktanteil von 0,40 Prozent belegt sie Rang 38 im Einzelranking. Das Wachstum fällt dennoch dynamisch aus. Seit 2019 stiegen die Prämieneinnahmen von 212,37 Millionen Euro auf 373,83 Millionen Euro, was einem Zuwachs von rund 76 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 betrug das Plus rund 17,7 Prozent.

Die Portfoliostruktur weicht deutlich vom Marktdurchschnitt ab. Der Kraftfahrtanteil liegt mit 16 Prozent klar unter dem Branchenwert. Gleichzeitig weist die Barmenia Allgemeine einen hohen Unfallanteil von 15 Prozent sowie einen sehr hohen Restanteil von 39 Prozent auf. Die verbundene Wohngebäudeversicherung ist mit 15 Prozent nahezu marktkonform gewichtet, während Haftpflicht (8 Prozent) und Hausrat (6 Prozent) ergänzende Funktionen im Portfolio einnehmen.

Schaden-Kosten-Quote 2024 bei der Barmenia über 100 Prozent

Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 100,54 Prozent, was Rang 38 im Top-50-Vergleich entspricht. Neben dem Extremwetterjahr 2021, in dem die Quote bei 104,85 Prozent lag, ist 2024 erst das zweite Jahr im Betrachtungszeitraum, in dem die Marke von einhundert Prozent überschritten wurde. In den übrigen Jahren bewegte sich die Quote unterhalb dieser Schwelle. Der Mehrjahresschnitt von 2019 bis 2024 beträgt 98,10 Prozent und liegt damit rechnerisch noch im auskömmlichen Bereich.

Das versicherungstechnische Ergebnis fiel 2024 mit minus 0,06 Millionen Euro knapp negativ aus. Auch 2023 wurde ein Verlust ausgewiesen (minus 3,17 Millionen Euro). In den übrigen Jahren seit 2019 erzielte die Gesellschaft überwiegend positive Ergebnisse. Über den gesamten Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich ein durchschnittliches versicherungstechnisches Ergebnis von plus 3,79 Millionen Euro.