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Digitalisierung könnte weit mehr Jobs kosten als offen kommuniziert

Wall-E räumt die Branche auf? Die Digitalisierung könnte weit mehr Jobs bei Versicherern kosten als offen von den Vorständen kommuniziert.3888952@Pixabay.com

Versicherungskorrespondent Herbert Fromme fordert in einem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung (Montag) einen ehrlicheren Umgang mit den Konsequenzen der Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft. Es müssten weit mehr Stellen wegfallen als die Versicherungs-Vorstände dies kommunizieren, prognostiziert Fromme.

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30 bis 50 Prozent weniger Stellen

Viele Versicherungsvorstände blieben die Antwort schuldig, wie viele Arbeitsplätze die Umstellung auf digital in ihren Unternehmen kosten werde, so Fromme. Nur im kleinen Kreis werde offener kommuniziert, dass die Belegschaften um 30 bis 50 Prozent verkleinert werden müssten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und von denen, die übrig blieben, hätten die Hälfte die falsche Qualifikation.

Schon in den letzten Jahren sei die Zahl der Versicherungs-Angestellten deutlich gesunken, konstatiert Fromme: von 248.000 im Jahr 2002 auf nun 210.000. Dieser Rückgang werde sich in den kommenden Jahren noch beschleunigen, denn Angebot und Nachfrage passten nicht mehr zusammen. Das Problem liege auf der Hand: „Zu viel Verwaltung, zu wenig Kundenorientierung“. Darüber hinaus zu viel Distanz zu den sich wandelnden Bedürfnissen der Kunden.

„Erstaunliche Staatsgläubigkeit“ bei den Vorständen

In seinem Kommentar geht Herbert Fromme auch mit den Versicherungs-Vorständen hart ins Gericht. „Das Ganze wird geführt von einem Management, das in den vergangenen 20 Jahren in weiten Teilen bei der Frage der Modernisierung der Unternehmen schlicht versagt hat und nach wie vor eine erstaunliche Staatsgläubigkeit an den Tag legt“, so der Versicherungsexperte.

Nach wie vor würden viele Vorstände glauben, der Staat werde sie am Ende retten, „wenn es hart auf hart kommt – Beispiel Lebensversicherung“. Beispiel, dass die Branche die Umstellung auf digital verschlafen habe, seien schlechte Apps der Versicherer, „die keiner brauche“. Wenige hätten notwendige Programme aufgelegt, um sich auf die neuen Voraussetzungen einzustellen – als positive Beispiele werden die Ergo und die Gothaer genannt.

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Fromme beobachtet in den Unternehmen eine große Verunsicherung. Während die Vorstände nicht offen kommunizieren, wie viele Stellen abgebaut werden müssten, spüre die Belegschaft sehr genau, was los sei. Gute Leute, die für den Umbau dringend benötigt würden, würden gehen, viele andere Mitarbeiter innerlich kündigen. Deshalb sollen die Versicherungschefs dringend ihren Kurs ändern, empfiehlt Fromme. "Sie dürfen ihre Belegschaft nicht länger hinters Licht führen und so tun, als ob alle Arbeitsplätze erhalten werden könnten".

Süddeutsche Zeitung
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