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15.02.2016

Der EinwurfVersicherungswirtschaft - Der Laie staunt, der Versicherungsvermittler schüttelt verwundert den Kopf

GDV-Kodex mit Fragezeichengeralt/pixabay

Versicherungsbote stellt in einer Serie bei verschiedenen Versicherern Fragen zum GDV Verhaltenskodex für den Vertrieb von Versicherungsprodukten. Es lohnt sich die betreffenden Artikel zu lesen, denn die Antworten sind teils merkwürdig im wahrsten Sinne des Wortes.

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Wie lautet die Definition für "Wesentlich"?

Es äußert sich z.B. Sascha Regnery, Leiter Vertriebsentwicklung/Grundsatzfragen in der HDI Vertriebs AG. Regnery meint im Interview (Zitat) mit Versicherungsbote: "Wesentliche Themen, die durch die zum Jahresende 2015 verabschiedete Insurance Distribution Directive (IDD) zukünftig rechtlich verpflichtend werden, wurden durch die Verhaltensregeln des GDV schon frühzeitig angegangen.“ Über diese Einschätzung von Regenery können insbesondere Versicherungsmakler eigentlich nur den Kopf schütteln.

IDD Wortlaut ist "wesentlich" anders!

Einer der wesentlichen Bestandteile der EU-Richtlinie 2016/97 des Europäischen Parlaments und Rates vom 20. Januar 2016 über Versicherungsvertrieb (IDD) ist der Schutz der Verbraucher. In der IDD finden sich z.B. folgende Festlegungen (Hervorhebungen durch den Autor):

  • "Jeder angebotene Vertrag muss den Wünschen und Bedürfnissen des Kunden hinsichtlich der Versicherung entsprechen."

und

  • "Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass Versicherungsvertreiber bei ihrer Versicherungsvertriebstätigkeit gegenüber ihren Kunden stets ehrlich, redlich und professionell in deren bestmöglichem Interesse handeln."

Das ist sehr eindeutig!

GDV Verhaltenskodex für den Vertrieb von Versicherungsprodukten

Im GDV-Kodex findet sich dagegen nur der Abschnitt (Hervorhebungen durch den Autor)

  • "Versicherungsschutz ist für den Verbraucher eine Vertrauensangelegenheit. Um dieses Vertrauen zu wahren, orientieren sich die Versicherungsunternehmen und der Versicherungsvertrieb an den Bedürfnissen des Kunden und stellen diese in den Mittelpunkt ihres Handelns. Die Beachtung der berechtigten Interessen und Wünsche des Kunden hat Vorrang vor dem Provisionsinteresse der Vertriebe."

Das ist schwammig! Wer entscheidet über die "Orientierung"? Wer entscheidet, was "berechtigte" Interessen sind? Wo finden sich Begriffe aus der IDD wie "ehrlich" und "redlich"? Warum geht es nur um die Provisionsinteressen der Vertriebe und nicht auch um die Provisionsinteressen der Versicherer und um die Produktinteressen der Versicherer? Da geht die IDD doch einen ganz anderen, eindeutig klareren Weg. Denn unter den Begriff "Versicherungsvertreiber" fallen im Sinne der IDD auch die Versicherer selbst.

Informationspflichten

Verschiedene Artikel der IDD sehen zusammengefasst vor, dass die Auskunftserteilung von Versicherungsvertreibern gegenüber von Kunden

  • klar
  • genau
  • verständlich
  • redlich
  • eindeutig
  • nicht irreführend und
  • unentgeltlich

zu sein hat. Das ist eindeutig! Wenn Sie diese Begriffe im GDV Verhaltenskodex für den Vertrieb von Versicherungsprodukten suchen sollten, dann suchen Sie umsonst.

Umprogrammierung

Interessant ist auch die Aussage von Dr. Hartmut Nickel-Waninger, Vorstandsmitglied der Gothaer. Er meint: "Eines sollte man nicht vergessen: Es ist ein Verhaltenskodex. Er richtet sich an Menschen und nicht an Maschinen, die man einfach umprogrammieren kann. Man muss unserer Branche die Zeit und damit auch die Chance geben, sich zu ändern." Da kommen mir gleich mehrere Fragen in den Sinn:

  • Was oder wer muss denn umprogrammiert werden und warum? Und warum erst jetzt?
  • Hat die Branche bisher nicht im Kundeninteresse gearbeitet und macht sie das noch immer nicht – trotz Kodex? Und wer hat dafür die Verantwortung? Etwa die Vermittler oder doch eher die Versicherer selbst?
  • Warum ist der Kodex nicht klar und eindeutig sondern eher schwammig?
  • Warum müssen sich Versicherungsmakler überhaupt einem Kodex unterwerfen (egal welchem)?
  • Haben der GDV und die Versicherer bis heute nicht begriffen, dass Versicherungsmakler Sachwalter und Interessenvertreter ihrer Mandanten sind?
  • Wurde vom GDV und den Versicherern bis heute nicht erkannt, dass das Vertragsverhältnis hier zwischen Makler und Kunde besteht, der Makler also gegenüber seinem Kunden rechenschaftspflichtig und zu ehrlicher Arbeit verpflichtet ist?

Andere Versicherer, andere Meinungen

Besser ins Bild passt da die Aussage von VPV-Vertriebsvorstands Lars Georg Volkmann: "Wir halten diese Brancheninitiative für sehr wichtig, weil sie auch eine hohe Transparenz im Markt schafft und Verhaltensänderungen zum Wohle des Kunden anstößt." Der Begriff "anstoßen" ist wohl der richtigere Ansatz. Es wurde eben ein erster Schritt getan auf dem Weg zu einem weit entfernt liegenden Ziel getan.

Ähnlich äußerte sich Stefan Richter, Vorstandsmitglied des Provinzial NordWest Konzerns: "Die Einführung des Verhaltenskodex ist ein wichtiger Baustein, um Transparenz über die hohen Beratungsstandards herzustellen, denen sich die Branche verpflichtet hat." Der Begriff "Baustein" ist ebenfalls ein richtiger Ansatz. Es ist eben ein Baustein und nichts Fertiges.

Höchste Zeit für Veränderungen

Es muss sich noch sehr viel ändern bei einigen Versicherern. So z.B. fehlt es nicht wenigen Versicherern augenscheinlich noch immer an der Einsicht, dass nicht prinzipiell der Vertrieb Schuld ist, sondern eher derjenige, der den Vertrieb steuert. Auch an der Einsicht, dass Versicherungsmakler allein ihren Mandanten gegenüber verpflichtet sind scheint es vielen Versicherern noch zu fehlen. Diese Versicherer meinen noch heute, dass Versicherungsmakler nichts anderes sind als der verlängerte Arm des Versicherers neben dessen Ausschließlichkeitsorganisation. Und schließlich hapert es teils auch am Selbstverständnis der Versicherungsmakler und der Maklerpools zu dem ihnen eigenen Status. Wer sich Makler oder Maklerpool nennt, der sollte auch dementsprechend handeln ...

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... meint freundlichst Ihr
Freddy Morgengrauen

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