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18.07.2014

LebensversicherungInterview Württembergische - "Lebensversicherung wird Stützpfeiler bleiben"

Der Fels in der Brandung? Berühmtes Werbemotiv der WürttembergischenScreenshot Württembergische.de

Als die Württembergische Lebensversicherung AG am letzten Freitag mitteilte, dass sie als erste Lebensversicherung eine Ausschüttungssperre für Aktionäre nach dem Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) verhängen wird, war das Aufhorchen in der Branche groß. Anlass für Versicherungsbote, bei Dr. Michael Gutjahr nachzufragen, Finanzvorstand der Württembergischen Lebensversicherung AG. Warum wurde die Ausschüttungssperre notwendig? Was bedeutet sie für die Kunden? Und fügt sie dem ramponierten Image der Lebensversicherung nicht weiteren Schaden zu?

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Versicherungsbote: Die Württembergische Lebensversicherung AG hat am Freitag letzter Woche mitgeteilt, das neue Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) zu nutzen und eine Ausschüttungssperre zu verhängen. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst bzw. wieso wurde es notwendig, Dividendenzahlungen vorerst einzustellen?

Dr. Michael Gutjahr, Finanzvorstand der Württembergischen Leben, beantwortete die Fragen von Versicherungsbote. Dr. Gutjahr: Die Ausschüttungssperre geht auf das am 11. Juli 2014 im Bundesrat verabschiedete Lebensversicherungsreformgesetz zurück. Im Zuge dessen wird die Württembergische Lebensversicherung AG, kurz WürttLeben, trotz erwarteter Gewinne bis auf weiteres keine Dividende mehr zahlen. Zu unterstreichen ist: Die Ausschüttungssperre betrifft nur die Dividendenzahlungen an die Aktionäre. Garantiezusagen an die Kunden und die deklarierte Überschussbeteiligung, mit der sich die WürttLeben im Branchenvergleich sehen lassen kann, sind davon nicht betroffen.

Dass die Ausschüttungssperre bei der WürttLeben zum Tragen kommt, ist kein Spezifikum der Gesellschaft, da alle Lebensversicherer dem LVRG und der Sperre unterliegen und sich der Sicherungsbedarf bei allen Unternehmen der Branche ausschließlich aus der Bestandszusammenstellung und dem aktuellen Zinsniveau ergibt. Der Sicherungsbedarf resultiert also unabhängig von der Eigenkapitalausstattung und den Kapitalerträgen des Unternehmens. Jedoch ist die WürttLeben die einzige Gesellschaft, die aufgrund ihrer Börsennotiz dies per Ad-hoc-Meldung den Aktionären mitteilen musste.

Versicherungsbote: Sie begründen Ihren Schritt unter anderem damit, dass Sie „durch künftige Thesaurierung der Gewinne“ Ihre Eigenkapitalbasis stärken wollen. Wie hat sich die Eigenkapital-Ausstattung der Württembergischen Lebensversicherung zuletzt entwickelt? Welche weiteren Schritte zur Stärkung des Eigenkapitals verfolgt die Württembergische LV?

Dr. Gutjahr: Die Kapitalstärke der WürttLeben kommt durch folgende Kennziffern gut zum Ausdruck: In den vergangenen fünf Jahren konnte die WürttLeben das Eigenkapital in etwa verdoppeln, es beträgt nunmehr rund 300 Millionen Euro. Zudem wurde eine nachrangige Anleihe mit einem Volumen von 250 Millionen Euro im Mai 2014 sehr erfolgreich am Kapitalmarkt platziert – sie war in wenigen Stunden achtfach überzeichnet, was für die Attraktivität der WürttLeben spricht. Die Basis für die weitere, nachhaltige Entwicklung des Unternehmens wurde damit noch einmal gestärkt. Insgesamt liegt die Solvabilitätsquote bei aktuell über 160 und damit weit über dem geforderten Wert.

Versicherungsbote: Wie schätzen Sie das Risiko ein, dass allein durch die Möglichkeit einer Ausschüttungssperre zukünftige Anleger davon abgeschreckt werden, in Lebensversicherungsgesellschaften und -produkte zu investieren? Derartige Nachrichten könnten dem angekratzten Image der Lebensversicherung weiter schaden.

Dr. Gutjahr: In dem von der Bundesregierung geschnürten Gesamtpaket stellt die Ausschüttungssperre ein Instrument dar, um die Erfüllung der Garantieverpflichtungen der Lebensversicherer auch bei niedrigen Zinsen dauerhaft zu sichern. So sollen kurzfristig keine Mittel aus Unternehmen an die Aktionäre abfließen können, falls diese mittel- und langfristig zur Sicherung der Garantien benötigt werden. Insofern dient dieses Instrument der Stärkung des Kundenvertrauens. Auf Investorenseite dürfte man die Ausschüttungssperre hingegen zurückhaltender sehen.

Versicherungsbote: Die derzeitige Krise der Lebensversicherung wird allgemein mit den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt begründet. Sehen Sie auch Versäumnisse in der Branche – zum Beispiel, weil man zu lange auf die „klassische“ Lebensversicherung setzte und zu spät auf Krisenzeichen reagiert hat?

Dr. Gutjahr: Mit einigem Innovationstempo sind in den vergangenen Jahren neuartige Angebote im Lebensversicherungsbereich entstanden und dynamische Wertsicherungsmodelle wurden weiter ausgebaut – angesichts der Herausforderungen der Niedrigzinsphase kann sich das sehen lassen.

Versicherungsbote: Können Sie bitte kurz umreißen, welche Maßnahmen die Württembergische Lebensversicherung neben besagter Thesaurierung ergriffen hat, um sich im derzeitigen Niedrigzins-Umfeld zu behaupten?

Dr. Gutjahr: Auf der Angebotsseite hat sich die WürttLeben bereits frühzeitig die Stärkung und den Ausbau biometrischer Produkte wie etwa im Bereich Berufsunfähigkeit, Todesfall und Pflege auf die Fahnen geschrieben. Darüber hinaus konnten wir unsere fondsgebundenen Lösungen der Genius-Produktfamilie weiter vervollständigen. Auch im Bereich der Kapitalanlagen stellt die Niedrigzinsphase eine Herausforderung dar, auf die die WürttLeben angemessen reagiert. Insbesondere wurde im Rahmen einer dynamischen Durationssteuerung auf der Aktivseite frühzeitig auf das Niedrigzins-Umfeld reagiert. Weiter erfolgte ein umsichtiger Ausbau zinsunabhängigerer Assetklassen wie beispielsweise Private Equity, Erneuerbare Energien oder Immobilien, um die Kapitalanlagestruktur an das aktuelle Marktumfeld anzupassen und zu optimieren.

Versicherungsbote: Die Lebensversicherung ist nach wie vor die beliebteste Altersvorsorge der Bundesbürger. Wo sehen Sie die Sparte in zwanzig Jahren? Wird die LV ein wichtiger Stützpfeiler der Altersvorsorge bleiben oder müssen die Sparer umdenken?

Dr. Gutjahr: Die Lebensversicherung wird weiterhin ein überragender Stützpfeiler der persönlichen und betrieblichen Altersvorsorge sein. Bei einer heutigen Momentaufnahme darf nicht vergessen werden, dass der Bedarf an Altersvorsorge insgesamt weiter steigt. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und absehbarer Lücken in der Altersvorsorge breiter Bevölkerungskreise ist die Lebensversicherung also ein Zukunftsmodell, das noch sehr lange eine hohe Nachfrage generiert. In der öffentlichen Diskussion wird auch gerne vergessen, dass Lebensversicherungen nach wie vor Renditen erwirtschaften, die sich sehen lassen können. Zusätzlich ist insbesondere im Bereich der Lebens- und Rentenversicherungen eine große Innovationswelle im Gange, die sich zugunsten der Kunden auswirkt. Zeitgemäßere und individuellere Lösungen werden das Ergebnis sein und die klassischen Lebensversicherungen sinnvoll ergänzen. Auch von daher spielt die Lebensversicherung in Zukunft weiterhin eine überragende Rolle im Vorsorgemix.

Sehr geehrter Herr Gutjahr, vielen Dank für das Interview! (Die Fragen stellte Mirko Wenig

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Steckbrief Dr. Michael Gutjahr: der 1957 in Stuttgart geborene Mathematiker gehört seit 2002 den Vorständen der Württembergischen Versicherung AG und der Württembergischen Lebensversicherung AG an. Seit August 2009 ist er auch Mitglied des Vorstands der Wüstenrot & Württembergische AG, der Wüstenrot Bausparkasse AG und Generalbevollmächtigter der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank. Neben seiner Tätigkeit als Finanzvorstand wirkt auch als Personalvorstand und Arbeitsdirektor.

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