Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 114,18 Prozent weist der Bayerische Versicherungsverband 2024 den fünftschlechtesten Wert im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr (110,82 Prozent) ergibt sich damit eine weitere Verschlechterung. Auffällig ist dabei der Blick auf den Mehrjahresvergleich: Mit durchschnittlich 101,68 Prozent im Zeitraum 2019 bis 2024 liegt der Versicherer deutlich näher an der Auskömmlichkeit als viele andere Anbieter in dieser Gruppe.
Gerade dieser Unterschied ist bemerkenswert. Anders als bei zahlreichen Wettbewerbern wird das langfristige Bild hier nicht primär durch das Extremjahr 2021 verzerrt – mit 101,39 Prozent fiel die Belastung vergleichsweise moderat aus. Die aktuelle Schwäche ist damit weniger ein Nachhall einzelner Großschadenereignisse als vielmehr Ergebnis einer schrittweisen Verschlechterung in den Folgejahren.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt dennoch klar negativ aus. Mit einem Verlust von 29,00 Millionen Euro bewegt sich der Bayerische Versicherungsverband im mittleren Bereich der Ergebnisbelastung. Angesichts von 536 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 4,04 Prozent und einer Platzierung unter den sieben größten Anbietern der Sparte zeigt sich, dass auch größere Bestände keine Stabilität garantieren.
Prämienentwicklung: deutliche Anpassungen, aber unterdurchschnittliches Niveau
Die Durchschnittsprämien je Vertrag steigen von 375,61 Euro im Jahr 2019 über 552,99 Euro im Jahr 2023 auf 607,61 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 232,00 Euro beziehungsweise rund 61,8 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Trotz dieser deutlichen Anpassungen bleibt der Versicherer preislich klar unter dem Branchenschnitt von 717,65 Euro positioniert. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 32: 31 Anbieter verlangen höhere Prämien, während 18 günstigere Beiträge aufweisen.
Schadenentwicklung: erhöht, aber nicht im Spitzenbereich
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 298,25 Euro im Jahr 2019 auf 433,88 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 einen Wert von 515,92 Euro. Damit liegt der Versicherer über dem Branchenschnitt von 485,26 Euro, bewegt sich jedoch nicht in der Spitzengruppe der höchsten Schadenbelastungen. 32 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 17 höhere. Im Mehrjahresvergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Anstieg, ohne die extremen Ausschläge anderer Anbieter. Die Schadenseite ist damit erhöht, aber nicht außergewöhnlich ausgeprägt.
Einordnung: fehlende Preisdurchsetzung bei steigenden Kosten
Der Bayerische Versicherungsverband gehört weder zu den Hochpreisanbietern noch zu den Gesellschaften mit besonders extremen Schadenbelastungen. Dennoch liegt die Combined Ratio deutlich im defizitären Bereich. Entscheidend ist hier das Zusammenspiel aus unterdurchschnittlicher Prämienbasis und gestiegenen Schadenkosten. Die Beiträge wurden zwar deutlich angehoben, reichen aber im Marktvergleich weiterhin nicht aus, um die Belastung auf der Schadenseite vollständig zu kompensieren.