Die R+V Allgemeine gehört 2024 trotz ihrer Größe zu den Anbietern mit klar defizitärer Wohngebäudeversicherung. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 105,80 Prozent weist sie die zehntschlechteste Combined Ratio des Marktes auf. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das sogar eine Verschlechterung: 2023 hatte die Quote noch bei 102,58 Prozent gelegen. Auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau deutlich belastet. Für den Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich im Durchschnitt eine Combined Ratio von 111,03 Prozent, wobei insbesondere das Extremjahr 2021 mit 158,58 Prozent den Schnitt nach oben verzerrt.
Auffällig ist dabei die Dimension der Verluste. Mit einem versicherungstechnischen Ergebnis von minus 144,20 Millionen Euro weist die R+V 2024 das schlechteste Ergebnis der gesamten Branche aus. Diese Größenordnung ist jedoch auch im Kontext der Marktstellung zu sehen: Mit 895 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 6,75 Prozent und Rang drei gehört die R+V zu den größten Wohngebäudeversicherern Deutschlands. Hohe absolute Verluste spiegeln damit auch die Größe des Geschäfts wider.
Prämienanstieg ohne ausreichende Entlastung
Die Entwicklung der Durchschnittsprämien zeigt eine deutliche Anpassung nach oben. Von 505,30 Euro im Jahr 2019 steigen die Beiträge über 723,01 Euro im Jahr 2023 auf 833,57 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 328,27 Euro beziehungsweise rund 65,0 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Damit liegt die R+V klar über dem Branchenschnitt von 717,65 Euro und im oberen Mittelfeld des Marktes. Diese Entwicklung unterstreicht, dass erhebliche Preisanpassungen bereits umgesetzt wurden. Dennoch gelingt es bislang nicht, die wirtschaftliche Lage nachhaltig zu stabilisieren.
Schadenentwicklung: deutliche Belastung trotz Preisanpassung
Der zentrale Belastungsfaktor liegt auf der Schadenseite. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 357,42 Euro im Jahr 2019 auf 549,07 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 schließlich 668,08 Euro. Damit liegt die R+V deutlich über dem Branchenschnitt von 485,26 Euro und weist 2024 den siebthöchsten Schadenaufwand je Vertrag im Markt auf.
Gleichzeitig zeigt der Mehrjahresvergleich, wie stark die Belastung schwankt. Im Extremjahr 2021 lag der Wert mit 741,90 Euro noch einmal deutlich höher. 2024 markiert also nicht den Höchststand des Zeitraums, wohl aber erneut ein sehr hohes Niveau nach bereits erhöhten Vorjahreswerten. Die Schadenbelastung bleibt damit ausgeprägt und trägt wesentlich dazu bei, dass die kräftigen Prämienanpassungen bislang nicht ausreichen, um die Sparte in die Gewinnzone zurückzuführen.
Einordnung: Größe, hohe Preise – aber keine Stabilisierung
Vor diesem Hintergrund zeigt sich ein zentrales Muster der Sparte besonders deutlich. Trotz kräftiger Prämiensteigerungen und überdurchschnittlicher Beitragshöhen gelingt es der R+V nicht, die Schadenentwicklung ausreichend zu kompensieren. Das Geschäftsmodell bewegt sich damit in einem Spannungsfeld aus hoher Marktpräsenz, steigenden Preisen und gleichzeitig überproportionalen Schadenkosten.